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Mittwoch, 16. November 2016

Asperger und mein Asperger

Mein Asperger. Worte die ich immer wieder mal von andere Autisten höre oder lese. Mein Asperger. Darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht. Wieso nicht? Nun, weil es nicht mein Asperger ist. Ich meine damit, es ist nicht etwas, das ich besitze oder habe. Sondern etwas, das für, für mich mal definiert wurde, dass ich es bin. Aber ich denke, ich weiss was gemeint ist.
Was ist das was mich als Asperger definiert? Wo ist der Unterschied zu den NT? Was ist meine Behinderung?
Sicher einerseits der Klassiker. Der Augenkontakt der fehlt. Aber das ist noch das Wenigste. Dazu kommt, dass ich superlichtempfindlich bin. Das ich mich sehr sehr schwer an Neues gewöhnen kann. Neue Dinge aber auch Menschen und Situationen.
Auch, dass ich sehr gerne Dinge tue, die immer gleich sind. Dass ich mich von der Welt komplett abschotten kann. Dass ich keine anderen Menschen brauche, wenn ich nicht will. Das ich alleine sein kann, wenn ich will. Das mir Stille nichts ausmacht. Im Gegenteil. Ich brauche sie. Eben auch wegen meines Gehörs.
Das ich nicht in grossen Menschenmengen sein kann. Das ich nicht einfach mal spontan was tun kann. Das an keinen Anlass gehe, von dem ich das Programm nicht habe, was geschehen wird. Und besonders, wann was geschehen wird. Das ich auf Zahlen fixiert bin.
Solche Dinge halt. Die sind das sogenannte MEIN ASPERGER für mich. Doch selbst das Oben Beschriebene ist nicht alles. Wie sollte es auch? Meinen Menschen zu beschreiben, ist nicht einfach. Aber sich selber? Nun, so viel will ich nicht schreiben und euch damit langweilen, was ich bin oder kann.
Jedenfalls ist es für Autisten normal, das sie über das Autismussein nachdenken und sich der Welt präsentieren. Jedenfalls einige. Aber NT? Können sie das Selbe von sich behaupten? Ich meine, können sie sich so genau beschreiben, wie es viele Autisten können? Ich denke, nein. Denn sie denken nicht darüber nach. Denken nicht darüber nach, was sie im Wesen und Geist von den anderen unterscheidet. Wieso sollten dies die NT tun? Sie kommen nicht auf die Idee, dass es auch anders sein kann. Da sie sich für das Zentrum des Universums halten, wie mir viele NT bestätigt haben, müssen sie auch nicht über solche Fragen nachdenken. Über sich. Erst dann tun sie es, wenn ihnen andere sagen, dass sie nicht der Norm entsprechen. Oder sie einen Zusammenbruch erleiden, und ihnen dadurch bewusst wird, dass sie sind. Das sie nicht bloss existieren. So beginnen sie sich mit sich zu befassen. So wie wir es auch mussten oder dürfen. Wie auch immer.
Jedenfalls muss ich für den Rest meines Lebens damit leben, dass ich Autist bin. Schlussendlich, ob ich will oder nicht. So lautet die Diagnose der NT über mich. Naja, ich kann sehr gut damit leben. Ja, besser als zuvor. Insofern hat mir die Diagnose ein besseres Leben ermöglicht. Eben, weil ich sehr viel über mich nachgedacht habe. Mein Asperger hat. Ich nenne es nicht so. Sondern einfach mein Wesen. Meine Persönlichkeit. Meine Gedanken. Eben das was mich ausmacht. Mein ICH auf ein Wort zu reduzieren und alles damit erklären zu wollen, greift für mich zu kurz.
Wie gesagt, das Wesen eines Menschen ist im Grunde genommen nicht beschreibbar. Nicht fassbar. Wie ein grosser Ozean. Nur das Handeln und das Sprechen kann als Anhaltspunkt genommen werden. Für die anderen. Aber nicht das Denken in seiner letzten Konsequenz. Denn keiner weiss, was in einem Menschen wirklich vorgeht. Man kann es nur erahnen. Mehr auch nicht.
Ich denke, dass es wichtig, ist das er Mensch Mensch sein darf. Das er nicht so sein MUSS wie andere wollen oder man denkt, wie man sein sollte. Schlussendlich ist jeder für sich alleine. Auch wenn wir mit anderen zusammen sind, so sind wir doch alleine in uns. Was nicht negativ gemeint ist. Sondern, es ist einfach so. Egal was wir auch tun, wir können es nicht ändern.