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Sonntag, 20. November 2016

Asperger und die Selbstverwirklichung

Nach Maslov gilt als Höchstes wenn sich ein Mensch selbst verwirklicht. Nun, die Frage sie sich aber nie stellte ist, was bedeutet das für eine Gesellschaft? Ich meine, ist es von Vorteil, wenn sich die Menschen selber verwirklichen oder eher nicht? Und, können Autisten sich selber verwirklichen? Haben sie die Möglichkeiten dazu, so wie die NT auch?
Ich denke, wir sind sogar noch weiter heute. Die NT sind nicht mal mehr selber verwirklicht, sondern nur noch sich selber. Denn, es geht immer nur um sie. Alle anderen sind egal.
Naja, wir Autisten sind von dem weit weg. Denn die NT lassen uns nicht in ihre Welt. Eine Welt die so beschaffen ist, das nur ein NT in ihr zurecht kommt. Wie also könnten auch wir uns selber verwirklichen? Nun, indem wir das tun was wir wollen? Funktioniert das? Nein. Indem wir uns einfach anpassen? Auch das funktioniert so nicht. Indem wir sind wie wir sind? Auch wieder, nein.
Ja was den? Denk mal darüber nach? Was braucht es, damit auch wir so sein können, wie wir sind. Was braucht es, damit die NT lernen, dass auch wir die selben Rechte haben wie sie. Was braucht es?
Sehr viel. Besonders aber, müssen wir auf sie zugehen. Was heute auch von vielen von uns getan wird. Aber das Problem dabei ist, dass wir so immer als was Spezielles betrachtet werden.
Ich habe schon oft erlebt, das NT mit mir sprechen wollten, weil sie mal mit einem Autisten sprechen wollten. Wie wenn ich ein Gegenstand wäre. Mal eben so einen Autisten konsumieren. Danach erzählen können. Nein, dass ist nicht der Weg.
Ich denke, dass sich die Gesellschaft als solches grundlegend ändern müsste. Das sie sich wieder mehr auf sich fokussiert als auf das was andere haben und wollen. Denn schlussendlich geht es bei der Selbstverwirklichung nur darum das man sich abgrenz. Das man anders ist. Das alle anderen auf einem Rücksicht nehmen müssen. Das man selber bestimmt. Jedoch gibt es immer wieder genau damit Problem. Abstimmungen sind ein gutes Beispiel. Diejenigen die verloren haben, gehen auf die Strasse und demonstrieren. Wieso? Weil sie die Meinung anderer nicht mehr akzeptieren können. Es geht nur um ihre Meinung. So viel zum Thema Selbstverwirklichung.
Autisten sind da anders. Uns wird nachgesagt, dass wir uns nur um uns kümmern können. Das wir uns selber genüge sind. Sicher. Aber sind das die NT nicht auch? Ja, ist das nicht einfach eine menschliche Eigenschaft? Ich weiss es nicht. Aber ich vermute es mal.
Habe ich mich selbst verwirklicht? Nein, sicher nicht. Ich lebe mein Leben. Aber von Selbstverwirklichung bin ich weit weg. Ich will das auch nicht. Denn ich sehe den Nutzen davon nicht ein, mich selber zu feieren. Wieso sollte ich das tun? Und wozu sollte das gut sein? Was bringt es, wenn man sich selber feiert? Ausser, das man immer mehr von sich ins Internet stellt. Andere Meinungen immer weniger akzeptiert. Immer einsamer wird. Das ist ein grosses Problem von heute. Die Menschen werden immer einsamer. Klar, sie sind nur noch online. Sie können da Identitäten annehmen, Bilder hochladen. Sich selber darstellen. Selfies. Sie können liken. werden geliked. Das ist doch kein Leben. Aber es ist das Leben derer die sich selber verwirklichen. Ein Leben in Einsamkeit und Verlassenheit. Schlussendlich sagen sie, das sich niemand um sie kümmert. Sie gehen geistig ein. Naja, auf die Idee, mit anderen Menschen zu sprechen und mit ihnen was zu unternehmen kommen diese Menschen nicht mehr. Sie erheben nur Ansprüche aber geben selber nichts mehr.
Wer nur nimmt und nicht gibt, der wird auch nicht erhalten.
Der mittlere Weg erscheint mir da besser. Sicher muss  man sich um sich selber kümmern. Aber, man ist nicht alleine auf der Welt. Mit anderen Menschen zusammen ist das Leben nicht immer einfach, aber sicher nicht schlechter, als immer nur online zu sein. Auch kann man so mehr lernen. Und erkennen, dass es auch andere Menschen und Gedanken gibt. Nicht nur die eigenen.
Kurz gesagt, es ist nicht einfach einer Gesellschaft beizubringen, dass es Menschen gibt, die anderes denken und sind. Autisten. Es ist nicht einfach ihr beizubringen, dass sie mal abschalten sollen. Das Device. Das sie mal einfach sein sollten. Aufmerksamkeitsübungen helfen da sehr.
Mir jedenfalls. Denn sie machen mir auch bewusst, dass ich nichts spezielles bin. Sondern eben einfach Mensch. Nicht mehr und nicht weniger. Auch, dass wir alle gleich sein. Aber das ist Philosophie. Im praktischen Leben erlebe ich immer wieder wie die NT sich selber darstellen. Anderen zeigen, was sie haben. Das sie mehr haben. Besser sind, mehr wissen. Das ist doch sinnlos. Statt voneinander zu lernen, bekämpfen sie sich mit dem, wer hat mehr. Sinnlos so was.
Daher denke ich oft, dass ich froh bin, dass ich nicht so bin. Das ich Autist bin. Auch wenn dies sehr viele Nachteile mit sich bringt. Doch einen hat das Ganze. Ich habe mich selber besser kennen gelernt. Und weiss heute, was ich ertragen kann und was nicht. Und dass ich mich nicht anderen gegenüber selber darstellen muss. Das ich, so wie bin, ok bin. Ohne mich selber zu feiern.