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Donnerstag, 5. September 2013

Asperger und die Leistung

In unserer modernen Zeit zählt nur noch die Leistung. Viele arbeiten bis sie nicht mehr können. Die Folge ist ein Burn-Out. Die Betroffenen merken dies aber nicht. Sie machen immer weiter, bis sie den totalen Zusammenbruch erleiden. Dies habe ich selber erlebt.. Es ist etwas, was ich nicht noch einmal erleben will. Damit dies aber nicht wieder geschieht, habe ich begonnen, alles, was mich stresst von mir fern zu halten. Alles was ich nicht will, mache ich nicht. Ich weiss heute aus Erfahrung, was ich leisten kann und was nicht. Mir ist es egal, was die anderen denken. Das was ich erlebt habe, will ich nicht noch mal erleben.
Leistung ist etwas, womit ich wieder umzugehen zu lernen hatte. Ich brauchte fast 3 Jahre, bis ich wieder 100% arbeiten konnte. 3 Jahre sind eine lange Zeit. Und doch, war diese nötig, damit ich mich so organisieren konnte, dass ich nicht wieder in der Klink landen werde. Dazu kommt, dass ich enormes Glück hatte. Zum Einen habe ich eine Stelle bei Specialisterne gefunden und zum Anderen, meine Frau. Beides zusammen ist dafür verantwortlich, das ich heute besser leben kann, als ich je getan habe. Ich muss mir heute auch nichts mehr vormachen. Indem ich mir sage, dass es so sein muss. Wenn mir etwas zuviel wird, dann sage ich das heute. Nun, das liest sich einfach. Ist es aber nicht. Es erforderte sehr viel Übung. Jahrelang. Das ging nicht von heute auf morgen.
Die Leistung, welche ich heute erbringen kann, ist die Leistung, welche ich erbringen will. Nicht mehr und nicht weniger. Auf Arbeit habe ich es so eingerichtet, dass, wenn etwas zuviel wird, ich es ohne Probleme sagen kann. Dann wird geschaut, wie mir der Stress genommen werden kann. Klar, das geht nicht immer, aber in den meisten Fällen klappt es ganz gut. Doch ich musste zuerst lernen, mich auszudrücken. Musste lernen zu sagen, was mir nicht passt. Dies gelingt mir aber auch heute noch nicht perfekt. Immer wieder werde ich auf einen Missstand aufmerksam gemacht. Ich werde gefragt, was los sei. Da erkenne ich erst, dass etwas nicht stimmt. Es braucht dann eine Zeit, bis ich erkenne, was es ist. Wenn ich es aber erkannt habe, so kann ich es auch sagen.
Dies ist aber etwas, was die wenigsten auf Arbeit können. Sagt man, das man nicht mehr kann, wird man meistens irgendwann entlassen. Man wird zur Last zu einem Problem.
Ich denke, dass viele Asperger genau mit diesem Problem zu kämpfen haben. Sie leisten mehr, als sie können. Sie erledigen mehr als sie erledigen können. Irgendwann, können sie nicht mehr. Sie werden entlassen. Alleine gelassen. Landen bei der Sozialhilfe oder sonst wo. Die Probleme nehmen zu. Die Vereinsamung. Als das, kann die Folge vom Nichtmehrleistenkönnen sein.
Asperger können sehr gute Leistungen erbringen. Aber nur dann, wenn das Umfeld stimmt. Nur dann, wenn sie in ihrer Arbeit einen Sinn sehen. Einige brauchen sogar sehr viel Lob. Nicht alle, aber ich kenne einige. Ich selber, brauche kein Lob, damit ich etwas leisten kann. Ich versuche einfach, jeden Tag mein Bestes zu geben. Mal ist das mehr mal weniger. Ich versuche einfach nur die Leistung zu erbringen, welche ich gerade erbringen kann. Wichtig ist, dass man seine eigene Grenzen kennt, und diese auch mitteilen kann. Dass man zu sich steht und auch mal NEIN sagen kann.