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Sonntag, 6. Januar 2013

Asperger und keine Freunde

Für viele sind Freunde sehr wichtig. Sie können nicht ohne diese sein. Es gibt ihnen ein Gefühl des Zugehörens. Freunde sind auch für so manches andere gut. Sie helfen einem beim umziehen, oder in schwierigen Lebenslagen. Das ist eigentlich wunderbar. Und so soll es auch sein. 
Doch wie sieht es bei Autisten aus? Nun, meiner Erfahrung nach, haben wir nicht wirklich Freunde. Wir brauchen sie nicht. Wieso auch? Sie sind anstrengend. Immer muss was gemacht werden. Einladungen folgen, Hochzeiten oder sonst was. Ich selbst, habe keine Freunde. Das macht mir aber nichts aus. Denn ich will es so. Das Leben ist so einfacher und angenehmer. Ich muss so nicht auch noch auf sie Rücksicht nehmen. 
Autisten leben für sich. Sie leben in ihrer eigenen Welt. Da braucht es keine Freunde. Wir beschäftigen uns mit dem, was uns interessiert. Was wir für wichtig halten. Zudem setzen Freunde etwas voraus, was wir nicht können. Kommunikation und Mitgefühl. Das geht nicht. Wir können das nicht wirklich gut. 
Das heisst aber nicht, das wir einsam sein müssen. Nein, das Leben ist so wie es ist. Wieso sich Gedanken machen? Das bringt nichts. Was mir aber aufgefallen ist, ist, dass sich viele eine Partnerin wünsche. Also eine Freundin. Das ist dann nicht das das Selbe. Denn die Liebe ist nicht das Selbe wie die Freundschaft. Es ist paradox, dass Freunde nicht wirklich in unsere Leben passen, jedoch eine Partnerin schon. 
Ich kenne das selbst. Freunde müssen nicht sein. Jedoch bin ich glücklich, verheiratet zu sein. Das gibt meinem Leben eine Sinn. Für mich gibt es nichts schöneres als das. Ich lerne sehr viel von meiner Frau. Sie ist auch geduldig mit mir. Freunde sind es nicht. Irgendwann, melden sie sich nicht mehr. Denn wir sind ja komisch. Wir leben unser Leben, dass sie nicht verstehen. Wir leben so, wie sie es nicht tun würden. 
Die Menschen brauchen den persönlichen Kontakt zu anderen Menschen. Sie wollen gesehen werden, und andere sehen. Dass ist sicher mitunter ein Grund, wieso so viele Menschen immer wieder in Shopping-Center fahren. Man sieht sich. Man wird gesehen. Da kann kein Facebook oder sonst was ersetzten. 
Freunde sind als auch dafür da, dass man einfach Kontakt zu anderen Menschen hat. Das man so sein kann wie man ist. Doch das geht auch ohne diese. Das geht alleine auch. Alleine kann ich auch so sein, wie ich bin. Ich habe das Glück, dass ich, wenn ich mit meiner Frau zusammen bin, auch so ein kann, wie ich bin. Dass ist nicht selbstverständlich. Sie nimmt meine Marotten hin. Aber weisst mich auch auf so Manches hin. Ist doch gut. Freunde würden das nicht tun. Denn sie nehmen einem einfach wie man ist, und denken sich den Rest. Das führt irgendwann dazu, dass man keine mehr hat. Wieso sich also die Mühe machen, welche zu haben, wenn man sie eh wieder verliert. Das ist nicht logisch, und bringt nichts. Ausser dass man sich auslaugt. Mehr nicht. 

Kommentare:

  1. Wenn ich über meine „autistische Welt“ nachdenke, sehe ich einen zutiefst gewollten Autismus, der sich von Beginn an geschickt verschleiert hat. Aufgrund der Verschleierung wurde meine autistische Welt „sozialisiert“. Grob bedeutet dies, dass weder die soziale Umwelt noch ich selber die autistische Welt hinreichend wahrnimmt. Es liegt an einer sozial verträglichen Ersatzwelt, die es mir ermöglichte, in der sozialen Welt scheinbar normal zu sein, ohne dabei meine autistische Welt zu vernachlässigen. Ich begrüße heute meine „autistische Welt“. Erst in meinen vierziger Jahren kam ich auf die Idee, das meine sozialen Probleme prinzipieller Natur sind. Und mir wurde klar, daß ich mich aus der sozialen Welt schlicht raushalten muß. Gedanklich sind die Implikationen erschreckend, aber die entsprechenden emotionale Reaktionen sind nur im Ansatz vertreten. Die Erkennung meiner autistischen Welt erforderte jahrelange intensive „Geistesarbeit“ und in dieser Zeit war ich ein „Besessener“. Heute erkenne ich meine Art des Denkens als eine Spielart des Tagtraums, abgeleitet von einem realen Tagtraum, den ich spätestens seit der Pubertät alltäglich und unverändert „träume“. Im Allgemeinen bemerke ich meine „autistische Welt“ nicht. Ich kann beide Standpunkte (pos./neg.) bezüglich der autistischen Welt vertreten, weil sie mich nicht interessieren. Ich habe eine soziale Welt in mir als Vorstellung, die sich mit der tatsächlichen sozialen Welt verträgt. Doch diese soziale Ersatzwelt hat nur für mich einen Sinn, denn ich kann sie real nicht vertreten. Mein Autismus gründet allein auf den emotionalen Bereich, der sich nur als Ansatz zeigt. Ich kann keine Unzufriedenheit fühlen, weil alle Emotionen nur eine Vorstellung sind und nicht real oder tatsächlich. Meine autistische Welt ist reaktiv, aufrund seiner fortlaufenden Verschleierung. Gedanklich kann ich einen Autismus nicht als Gewolltes begründen. Wenn ich mich gelegentlich bewerte, in welcher Form auch immer, stehe ich vor einem Nichts. Gelegentlich habe ich mich in eine Gedankenwelt des Selbstmörders verloren. Und nach einer ¼ Stunde lachte ich darüber. Die soziale Ersatzwelt füllt mich durchaus aus, sodaß ich mir eine viertel Stunde lang die völlige Sinnlosigkeit meiner Existenz vorbeten konnte. Seit über fünf Jahren beschäftige ich mich mit einem einzigen Thema und zwar alltäglich (7 mal 365 Tage). Doch das Thema ist kein tatsächliches Interesse. Und ich habe auch kein tatsächliches Interesse daran, dass andere davon hören. Deswegen habe ich es ins Web gestellt und hoffe, dass einige Leute damit etwas anfangen können. Ob heute oder in zehn Jahren, egal. Mich wundert es gerade, dass ich diesen Text derart formuliert habe, dass ich ihn veröffentlichen kann. Auch ein Kriterium meiner autistischen Welt, die forlaufenden Neuformulierungen, denn diese bringen bei mir erst die Ideen, weil jede Neuformulierung nicht identisch zur Vorherigen ist.

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  2. PS: Ich spreche von meiner autistischen Welt. Doch ich habe keinerlei Bestätigung durch wen auch immer.

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    1. Ich glaube das auch Autisten wie wir andere Menschen brauchen. Um zu verstehen wer wir sind und warum wir tun was wir tun, auch wenn wir anders sind und uns vieles verwirrt(vor allem nach der Pubertät). So glaube ich doch, dass es immer gemeinsame Nenner gibt.
      Außerdem glaube ich nach langer Erfahrung und dem ständigen Abkapseln von Menschen das es bei Menschen angeboren ist in einer Art Gemeinschaft sein zu müssen. Das zeigen auch die Versuche die zum Thema Mensch und Gemeinschaft gemacht wurden. Es wäre auch sehr schlecht sich ganz zurück zu ziehen, vor allem weil man als Autist die Dinge die man zu Leben braucht oft auf fatale Weise vernachlässigt.

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    2. Ganz verschiedene Aspekte, liebe(r)Anonymus. Ob man Menschen "braucht" oder mit ihnen befreundet ist, sind zweierlei Dinge. Und da gibt es selbst unter Autisten Unterschiede. Es gibt durchaus welche, die sehr tiefe Freundschaften pflegen.

      LG. Ismael

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  3. Sehr geehrter Herr Gaudard,
    Ich finde es äußerst egoistisch und naiv von Ihnen, Freundschaften als unlogisch zu bezeichnen. Sie behaupten von sich selbst keine Freunde zu haben, doch woher wissen sie dann was Freundschaft ist. Wenn ich taub wäre, könnte ich Geräusche auch nicht beschreiben. Wahre Freundschaft ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Echte Freunde sagen mir offen und ehrlich ihre Meinung über mich. Vermutlich kann ich ihre Denkweise nur schwer nachvollziehen, da ich kein Autist bin. Jedoch finde ich es seltsam, dass sie Freunde nur als lästig empfinden würden. Freunde sind für mich ein ziemlich interessanter und überaus wichtiger Aspekt des Lebens. Meine Freunde konnten mir schon oft aus Krisen helfen und mich stärken. Sie sind eine wahrer Gewinn für jede Persönlichkeit.
    Mit freundlichen Grüßen, M. Heinrich

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    1. Sehr geehre/r Herr/Frau Heinrich,

      Sie sprechen von wahrer Freundschaft, aber was soll das bitte sein?
      Ich beobachte die Menschen in meinem Umfeld gern und viel, doch was ich von ihnen gelernt habe, bestätigt nur, was Herr Gaudard bereits erklärt hat.

      Für normale Menschen scheint Freundschaft eine Beziehung zu sein, die vor allem auf Vertrauen und regelmäßigem Kontakt basiert.

      Aber Vertrauen ist in den meisten Fällen nicht dauerhaft vorhanden. Es reicht manchmal schon eine Kleinigkeit, um eine sehr feste Freundschaft derart stark aus dem Gleichgewicht zu bringen, dass sie zu zerbrechen droht. Und selbst wenn die Menschen es dann doch noch schaffen,das Ruder herumzureißen, ist die Freundschaft offenbar nie wieder dieselbe wie zuvor. Wer einmal das Vertrauen in einen bestimmten Menschen verliert, tut sich meist schwer daran, sich ihm gegenüber wieder vollkommen zu öffnen. Und schlussendlich kommt es irgendwann zwangsläufig zum finalen Streit, der die beiden Menschen vollends entzweit.

      In Bezug auf das Lästig-sein von Freundschaften muss ich mich auf den regelmäßigen Kontakt beziehen. Als Autist lebt man gewissermaßen in seiner eigenen kleinen Welt, was für normale Menschen vermutlich sehr schwer zu verstehen ist. Man ist sehr auf sich selbst bezogen und braucht in vielen Fällen nur relativ wenig bis teilweise gar keine sozialen Kontakte. Der individuelle Bedarf ist bei jedem unterschiedlich. Doch wenn dieser Bedarf gedeckt ist, dann ist er gedeckt und jede weitere Kontaktaufnahme erscheint nicht nur unnötig, sondern auch anstrengend, weil man die Zeit, die man dann mit einem Freund verbringt, für andere Dinge, die einem wichtig sind, nutzen könnte. Freunde können auf diese Weise zur Belastung werden. Autisten brauchen nunmal ihren Freiraum und ihre eigene, selbst eingeteilte Zeit, um so leben zu können, wie sie es wünschen.
      Freunde fühlen sich allerdings sehr schnell vernachlässigt, wenn man zu lange keinen Kontakt zu ihnen hält. Sie glauben dann oft, man hätte keinerlei Interesse mehr an einer Freundschaft und sind deswegen mitunter sehr schnell beleidigt und von dannen gezogen.

      Für Autisten bedeutet dies also, dass Freundschaften mitunter durchaus unlogisch erscheinen können, wo sie für normale Menschen offenbar einen sehr wichtigen Teil ihres Lebens darstellen.
      Ein Autist braucht so etwas oft schlichtweg nicht. Das bedeutet aber keineswegs, dass sie egoistisch und naiv sind. Herr Gaudard hat lediglich aus der Perspektive eines Autisten jene Dinge geschildert, die er in seinem Leben so und nicht anders erlebt hat.
      Ich bitte Sie daher, dies zu respektieren und ihre empathischen Fähigkeiten einzusetzen, indem sie versuchen, sich in die Persönlichkeit eines Autisten hineinzuversetzen, um diese Sichtweise besser zu verstehen, statt Herrn Gaudard ohne groß nachzudenken als egoistisch und naiv zu beschimpfen.
      Ihr Verhalten ihm gegenüber ist respektlos, daher hielte ich zumindest eine Entschuldigung für angebracht.

      Mit freundlichen Grüßen,
      K. J.

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  4. Auf meine Freundinnen würde ich nicht verzichten wollen. Sie haben mit mir gemeinsam, dass sie täglich aufs Neue mit dem Dasein ringen müssen. Kopf hoch und weiter - man meint, es geht nicht, und dann gehts halt doch. Und Freundinnen sind dabei hilfreich.
    Ohne Partner etc. lebe ich jetzt seit Jahren. Ich brauche immer wieder Zeiten im Lauf des Tages, in denen ich ganz allein bin und Ruhe habe (habe zwei Kinder). Partnerschaften - selbst ohne zusammen Wohnen - empfinde ich in den letzten Jahren als super stressig.

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  5. Ich bin mir rückblickend ziemlich sicher, daß ich Asperger habe. Vielleicht nicht so stark ausgeprägt. Nur da ich über 30 und recht intelligent und lernfähig bin, habe ich mich vermutlich soweit angepaßt bzw. ich weiß was erwartet wird, daß eine Diagnose schwierig sein dürfte.
    Ich hatte immer Freunde, die auch eher Einzelgänger oder vielleicht etwas "einfacher" waren oder die sehr ähnliche Interessen (über die man sich unterhalten konnte) hatten. Zuletzt traf das in meiner Stufe auf der Schule leider auf niemanden zu... während der gesamten Schulzeit hatte ich vielleicht 3 Freunde.
    Grundsätzlich habe ich gerne Freunde, jedoch habe ich das Problem, daß wenn 3 oder mehr Menschen (selbst welche, die ich gut kenne) um mich rum sind, mein Redeanteil gewöhnlich gegen 0 geht. Mir fällt es dann sehr schwer "rechtzeitig" etwas zu sagen. Das Zusammensein mit vielen Personen/Bekannten/Freunden empfinde ich auch als anstrengend, so daß ich irgendwann ein "Ruhebedürfnis" habe.

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    1. Das kenne ich auch. Mir sind Freunde sehr wichtig, wahrscheinlich zu wichtig, da ich nur sehr schwer Freunde finde (Kontakt bricht immer schnell ab, obwohl ich ihn aufrecht erhalten will). Ich sehne mich nach einem großen Freundeskreis, finde es aber auch extrem schwierig, mich in einer Gruppe von > 3 Personen bemerkbar zu machen...

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  6. Meine 10jährige Tochter ist auch eine Aspi - sie ist sehr intelligent, lernt sehr schnell und verbringt ihre Zeit am liebsten alleine. Dann beschäftigt sie sich intensiv mit etwas - lesen, Musik spielen, Noten für eine ausgedachte Melodie aufschreiben oder neue Mode styles entwefen. Freundinnen in ihrer Klasse hat sie nicht. Ich litt darunter, sie nicht. Ganz selbstverstädlich klärte sie mich auf, dass sie ein Mädchen aus einer anderen Klasse hat, die sei klug, still, intelligent und spielt zwei Instrumente. Mehr brauche sie nicht. meine Tochter möchte zu keinen Geburtstagsfeiern eingeladen werden (zu viel Stress und dann sei es einfach nur langweilig, zu laut oder man treibt "Unsinn"), sie will nur ihre einzige Freundin zu uns einladen. Die meisten Kinder in ihrer Klasse akzeptieren ihr "Anderssein" und es entwickelte sich eine Art "Welpenschutz", die ihr einen festen Platz in der Gemeinschaft gibt, ohne sie allzusehr zu beanspruchen. Man weiss sie ist anders. Aber sie ist glücklich so.

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  7. ich bin auch aspi
    ist ja auch logisch das man denkt falsche freunde wären freunde ,wenn man noch nie gute menschen getoffen bzw gute freunde gehabt hat

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