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Dienstag, 10. September 2013

Asperger und Selbstüberwindung

Am Morgen wen der Wecker klingelt, ist es doch immer das Selbe. Ich muss mich überwinden, dass ich ihn abstelle, und aufstehe. Dies muss ich sofort tun, denn sonst würde ich liegen bleiben und das wars. Ich muss mich selbst überwinden. Ich nehme an, dass es den meisten gleich geht. Sie stehen am Morgen sicher auch nicht mit einer riesen Begeisterung auf. Und doch stehen die meisten sicher gleich auf. Auch wenn dies nicht angenehm ist, so ist es doch nur, bis man steht. Danach beginnt der Tag nach einem definierten Schema. Dies ist bei mir immer gleich. Egal, ob ich arbeiten gehe oder es Wochenende ist. Hauptsache es ändert sich nichts. So muss ich mich am Morgen auch nicht konzentrieren, was ich machen muss.
Ich erlebe es aber immer wieder, das Menschen nicht zur Arbeit erscheinen. Dies weil sie am Morgen nicht aufstehen wollen, oder aber schlecht geschlafen habe. Sie können sich nicht überwinden, aufzustehen. Dabei würde ihre Anwesenheit von Nutzen sein. Denn im Normalfall sind sie eingeplant und haben Arbeit zu erledigen. Dies bleibt dann liegen, oder ein anderer muss sie machen. Die Zuverlässigkeit ist so dahin. Ein oder zwei Mal, kann das passieren, aber nicht andauernd. Doch leider ist das die Praxis. Asperger tun sich manchmal schwer, wenn es um die Zuverlässigkeit geht. Sie sehen nicht, was es bedeutet, wenn sie nicht zur Arbeit erscheine. Sie sehen nicht, dass dann ihre Arbeit ein anderer machen muss, oder sie gar liegen bleibt.
Die Selbstüberwindung spielt meiner Meinung nach eine wichtige Rolle. Sie ist dafür verantwortlich, das ich jeden Morgen aufstehe und zur Arbeit fahre. Einfach liegen bleiben, könnte ich nicht. Es würde mir keine Ruhe lassen. Ich könne nicht einfach nochmals ein wenig dösen. Nein, ich muss aufstehen, muss zur Arbeit fahren, und meine Arbeit erledigen. Für mich ist das kein Stress oder eine Qual. Ich arbeite gerne. Auch dann, wenn es mal nicht rund läuft. Wenn alles schiefgeht. Und doch, kann ich am Ende der Wochen jeweils sagen, dass es eine gute Woche war, und ich mich auf die Kommende freue. Ja, ich arbeite gerne. Es ist für mich nicht einmal so sehr Arbeit, wie eine Mission. Ich sehe einen Sinn indem was ich mache. Das motiviert mich jeden Tag von Neuem. Ich war genug Arbeitslos, zu hause oder sonst abwesend. Die will ich nicht mehr erleben. Will das nicht noch einmal erleben müssen.
Daher muss ich mich am Morgen nicht sehr stark überwinden. Denn ich weiss, dass ich etwas sinnvolles machen werde. Was es jeweils genau ist, weiss ich nicht. Aber das ist auch nicht weiter schlimm. Mir macht die Arbeit, wie sie ist Spass. Auch dann wenn sie mir manchmal über den Kopf wächst. Das gibt sich aber immer wieder. Mal sind die Tage stressig un mal ruhig. Es gleicht sich immer irgendwie aus.
Selbstüberwindung brauche ich aber nicht nur am Morgen, sondern auch manchmal, wenn ich Dinge zu erledigen habe, die ich nicht mag. Wie, Rechnungen bezahlen, einkaufen. Das muss sein, aber es braucht eine gewisse Überwindung. Jedoch ist auch das nicht mehr schlimm für mich. Ich mache es dann einfach. Und die Sache hat sich damit. Darüber nachdenken, tue ich nicht. Wozu auch?
Selbstüberwindung hat für mich auch was mit Disziplin zu tun. Es geht ja nicht immer nach dem eigenen Willen. Also muss ich an einer Sache auch dann dran bleiben, wenn ich sie nicht mag.

Samstag, 7. September 2013

Asperger und der Haushalt

Der Haushalt gehört zum Alltag dazu. Er ist für viele ein lässiges Übel. Und doch, er muss gemacht werden. Die Wohnung aufräumen, einkaufen, Rechnungen bezahlen. Solche Dinge sind nicht das, was gerne gemacht wird.
Ich mache ihn jedoch gerne. Für mich ist es auch eine Art Erholung. Ich putze und wasche gerne. Wieso auch nicht? Die Einstellung ist doch wichtig. Schliesslich ist es ja mein Haushalt. Ich will ja, dass meine Wohnung sauber ist. Das ich immer was zu essen habe. Das meine Kleider gereinigt sind. Das alles erledigt sich nicht von selbst. Ich habe mir dazu aber eine Plan gemacht. Wann ich was mache. So habe ich eine Struktur und mache auch nicht alles an einem Tag oder Abend. Ich verteile das alles auf mehrere Tage. So habe ich nie Stress. Der Zeitaufwand hält sich so auch in Grenzen.
Ich habe das haushalten so in meine Woche integriert, dass er mir nicht zur Last fällt. Dass ich mich nicht selber stresse.
Das herauszufinden, war nicht so einfach. Ich brauchte viele Versuche und Anläufe, bis ich die, für mich, ideale Form gefunden hatte. Aber der Aufwand hat sich gelohnt. Heute mache ich den Haushalt wie selbstverständlich. Er gehört einfach dazu. Ich muss nicht mal mehr überlegen, wann ich was wie mache. So habe ich auch meinen Spass daran. Es freut mich jeweils, wenn alles wieder sauber und aufgeräumt ist. Für mich ist das Haushalten sinnvoll.
Jedoch erlebe ich es immer wieder, das Asperger darin keinen Sinn sehen. Es hat nichts mit ihren Interessen zu tun. Sie erkennen den Sinn darin nicht. Sie sehen nicht, dass er einen direkten Einfluss auf ihr Leben hat. Nur wenn alles geordnet ist, entsteht auch Ruhe. Diese Ruhe bracht es, damit ich mich meinen Interessen widmen kann. Solange der Haushalt nicht erledigt ist, habe ich keine Ruhe. Daher der Plan.
Bei uns in der Firma Specialisterne gibt es einen Plan, wer wann was machen muss. Dazu gehört die Küche aufräumen, den Müll raustragen. Alles solche Dinge. Das ist für viele ungewohnt. zu Beginn hatte sie so ihre Mühe damit. Sie haben so was noch nie gemacht. Zu hause erledigt das ja die Mutter. Alles ist immer gemacht. Doch bei uns müssen sie plötzlich so was machen. Das hat zu Beginn immer wieder zu Diskussionen geführt. Nach einiger Zeit jedoch, hat sich das gelegt und die Arbeiten werden einfach erledigt.
Der Haushalt ist aber mehr als einfach nur Arbeit. Es ist für mich auch das gestalten meines privaten Lebensraumes. Ich kann ihn so einrichten und verwalten wie ich es will. Mit dieser Freiheit musste ich lernen umzugehen. Musste lernen, dass ich nicht immer "morgen dann..." sagen kann. Die Arbeit erledigt sich ja nicht von selbst. Heute habe ich meine Wohnung so eingerichtet, wie ich es will. Niemand hat mir dabei geholfen. Ich erledige auch die Arbeiten, welche anfallen, so und wann ich es will. Für mich es eine Freiheit, die ich nicht mehr hergeben will. Zu Beginn jedoch musste ich alles lernen. Musste lernen zu planen. Musste lernen zu waschen aufzuräumen. Einfach alles. Das ist jetzt Jahre her. Der Prozess hat also sehr lange gedauert, bis ich alles so im Griff hatte, dass er für mich keine Belastung mehr darstellte. Zudem habe ich meine Einstellung ändern müssen. Es ist ist nicht ein "müssen" sondern ein "wollen und dürfen". Diese Erkenntnis war für mich sehr wichtig. So erspare ich mir auch viele Probleme. Besonders, was das Bezahlen von Rechnungen angeht. Aber auch Behördengänge. Als diese Dinge waren für mich lange fast nicht machbar. Heute sind sie für mich keine Problem mehr.
Der Haushalt ist also mehr als einfach nur Haushalt. Es ist der Ort, an welchem ich zu hause bin. Der Ort, der mir die Ruhe und die Kraft gibt, welche ich für den Alltag brauche.

Donnerstag, 5. September 2013

Asperger und die Leistung

In unserer modernen Zeit zählt nur noch die Leistung. Viele arbeiten bis sie nicht mehr können. Die Folge ist ein Burn-Out. Die Betroffenen merken dies aber nicht. Sie machen immer weiter, bis sie den totalen Zusammenbruch erleiden. Dies habe ich selber erlebt.. Es ist etwas, was ich nicht noch einmal erleben will. Damit dies aber nicht wieder geschieht, habe ich begonnen, alles, was mich stresst von mir fern zu halten. Alles was ich nicht will, mache ich nicht. Ich weiss heute aus Erfahrung, was ich leisten kann und was nicht. Mir ist es egal, was die anderen denken. Das was ich erlebt habe, will ich nicht noch mal erleben.
Leistung ist etwas, womit ich wieder umzugehen zu lernen hatte. Ich brauchte fast 3 Jahre, bis ich wieder 100% arbeiten konnte. 3 Jahre sind eine lange Zeit. Und doch, war diese nötig, damit ich mich so organisieren konnte, dass ich nicht wieder in der Klink landen werde. Dazu kommt, dass ich enormes Glück hatte. Zum Einen habe ich eine Stelle bei Specialisterne gefunden und zum Anderen, meine Frau. Beides zusammen ist dafür verantwortlich, das ich heute besser leben kann, als ich je getan habe. Ich muss mir heute auch nichts mehr vormachen. Indem ich mir sage, dass es so sein muss. Wenn mir etwas zuviel wird, dann sage ich das heute. Nun, das liest sich einfach. Ist es aber nicht. Es erforderte sehr viel Übung. Jahrelang. Das ging nicht von heute auf morgen.
Die Leistung, welche ich heute erbringen kann, ist die Leistung, welche ich erbringen will. Nicht mehr und nicht weniger. Auf Arbeit habe ich es so eingerichtet, dass, wenn etwas zuviel wird, ich es ohne Probleme sagen kann. Dann wird geschaut, wie mir der Stress genommen werden kann. Klar, das geht nicht immer, aber in den meisten Fällen klappt es ganz gut. Doch ich musste zuerst lernen, mich auszudrücken. Musste lernen zu sagen, was mir nicht passt. Dies gelingt mir aber auch heute noch nicht perfekt. Immer wieder werde ich auf einen Missstand aufmerksam gemacht. Ich werde gefragt, was los sei. Da erkenne ich erst, dass etwas nicht stimmt. Es braucht dann eine Zeit, bis ich erkenne, was es ist. Wenn ich es aber erkannt habe, so kann ich es auch sagen.
Dies ist aber etwas, was die wenigsten auf Arbeit können. Sagt man, das man nicht mehr kann, wird man meistens irgendwann entlassen. Man wird zur Last zu einem Problem.
Ich denke, dass viele Asperger genau mit diesem Problem zu kämpfen haben. Sie leisten mehr, als sie können. Sie erledigen mehr als sie erledigen können. Irgendwann, können sie nicht mehr. Sie werden entlassen. Alleine gelassen. Landen bei der Sozialhilfe oder sonst wo. Die Probleme nehmen zu. Die Vereinsamung. Als das, kann die Folge vom Nichtmehrleistenkönnen sein.
Asperger können sehr gute Leistungen erbringen. Aber nur dann, wenn das Umfeld stimmt. Nur dann, wenn sie in ihrer Arbeit einen Sinn sehen. Einige brauchen sogar sehr viel Lob. Nicht alle, aber ich kenne einige. Ich selber, brauche kein Lob, damit ich etwas leisten kann. Ich versuche einfach, jeden Tag mein Bestes zu geben. Mal ist das mehr mal weniger. Ich versuche einfach nur die Leistung zu erbringen, welche ich gerade erbringen kann. Wichtig ist, dass man seine eigene Grenzen kennt, und diese auch mitteilen kann. Dass man zu sich steht und auch mal NEIN sagen kann.

Dienstag, 3. September 2013

Asperger und die Langsamkeit der Anderen

In einer Welt, in der immer alles schnell und schneller gehen muss, ist doch eines gleich geblieben. Die Muggel bewegen sich immer noch sehr langsam durch die Welt. Sie scheinen es nicht eilig zu haben. Und doch wird immer gesagt, die Menschen hetzten.
Mir kommt es jeden Tag so vor, als würde ich mich durch stehende Menschenmassen bewegen. Die Muggel stehen mir immer im Weg. Sie bleiben einfach stehen. Sie schauen um sich herum. Oder sie sind sonst langsam. Zumindest für meine Verhältnisse. Ich habe meine Fortbewegungsgeschwindigkeit immer als normal angeschaut. Doch meine Frau hatte mir mal gesagt, dass ich mich extrem schnell durch die Welt bewege. Das hat mich dann doch zum Nachdenken angeregt. Wieso bin ich so schnell? Mir fällt das gar nicht auf. Erst seit ich das weiss, achte ich mich. Vorher habe ich mich einfach immer nur aufgeregt.
Es ist eine Sache sich durch die Welt zu bewegen, wenn man sie wahrnimmt. Aber eine ganz andere, wenn man sie nicht wahrnimmt. Wenn man nicht um sich merkt. Nur starke Berührungen. Sonst nichts. Mir geht es genau so, wie beschrieben. Ich wusste nicht, dass ich meine Umgebung nicht wahrnehmen kann. Aber sollte. Ich bewege mich darum so schnell durch die Welt, weil ich immer wieder Berührungspunkte brauche. Sei es ein Geländer, ein Sitz, was auch immer. Einfach etwas, dass ich berühren kann. Sonst bin ich wie ein Blinder ohne Stock. Ich bin verloren.
Ich fixiere etwas an, steuere darauf zu, und so weiter. So bewege ich mich durch die Welt. Es ist ein ständiges nach Fixpunkten Ausschauhalten. Ein ständiges unsicher sein. Mir hilft die Musik dazu. Sie lenkt mich ab. Besonders an Bahnhöfen, wo es immer laut ist und sich viele Menschen aufhalten. Ich höre aber nicht irgendeine Musik. Nein, sie muss schnell und hart sein. Metal. Das ist mein Ding. Ich bewege mich im Takt zur Musik. Sie gibt mir die Sicherheit um mich durch die Welt zu bewegen. Sie gibt mir auch die Koordination. Ohne wäre ich verloren. Ich bewege mich ohne Musik nur sehr ungerne Draussen. Manchmal lässt es sich aber nicht vermeiden. Dann gehe ich noch schneller.
Nur, wenn ich mit meiner Frau unterwegs bin, macht es mir nichts aus. Sie hält ja auch meine Hand. So habe ich einen Berührungspunkt. Klar, es ist auch sonst schön, ihre Hand zu halten. Aber der Berührungspunkt ist doch auch wichtig.
Mir ist auch aufgefallen, dass die Muggel sich manchmal einfach orientieren müssen. Dazu bleiben sie stehen. Ich nicht. Ich mache alles im gehen. Dann eifach ein wenig langsamer. Aber ich bin immer in Bewegung. Das musste ich auch lernen, dass die Muggel einfach manchmal Zeit brauchen um sich zurecht zu finden. Ich nicht. Ich finde mich sofort zurecht. Wieso, weiss ich auch nicht. Ich wusste bis vor kurzem nicht einmal, dass ich das kann.
Doch die Langsamkeit der Muggel hat auch was für sich. So können sie besser auf andere reagieren. Sie knallen nicht einfach in sie rein. Mir ist das in der Vergangenheit viel passiert, ohne zu wissen wieso. Heute versuche ich ihnen einfach auszuweichen. Meistens gelingt mir das gut, und ich komme ohne eine Berührung durch einen Hauptbahnhof. Doch das musste ich üben. War nicht so einfach, aber es klappt meistens ganz gut. Die Muggel können dank ihrer Langsamkeit auch mit anderen interagieren. Sie können Blickkontakt aufnehmen. Sie können sich durch den Körper verständigen. Das alles geht mir verloren. Ich kriege das alles nicht mit. Ich sehe niemandem in die Augen. Bin so gesehen völlig kommunikationslos. Aber damit kann ich leben. Damit habe ich zu leben gelernt.
Ich denke, dass Beides sein Gutes hat. Das man einfach lernt, mit sich umzugehen und sich auch so zu akzeptieren, wie man ist.

Sonntag, 1. September 2013

Asperger und Sex

Das Thema Sex habe ich bis heute aussen vor gelassen. Doch ich denke, es ist an der Zeit, dass ich auch mal was dazu schreibe.
Sex ist etwas, was zum Leben gehört, wie alles andere auch. Er ist nichts Geheimnisvolles oder Komisches. Er ist etwas ganz natürliches. Und doch machen die Muggel immer ein riesen Ding daraus. Es wird über alles gesprochen, ausser über Sex. Wieso eigentlich? Was ist daran so anders? Ich denke, dass es damit zu tun hat, das Sex sehr intim ist. Das er nur einem was angeht. Und doch verkaufen sich Bücher oder Filme in denen Sex vorkommt bis heute am besten. Auch das Voyeuristische ist ein grosser Bestandteil davon. Was gibt es spannenderes, als andere nackt zu sehen oder wie sie Sex haben. Nun, für mich ist das nicht spannend. Es ist deren Sache, nicht die Meinige.
Für mich ist Sex nicht einfach nur Geschlechtsverkehr, sondern ein Ausdruck der Liebe. Nicht grundlos heisst Sex ja auch, Liebe machen. Dies sollte so sein. Klar, kann er auch einfach zu Befriedigung der Lust dienen. Wieso auch nicht? Aber nicht nur. Sonst geht mit der Zeit das Wunderbare an ihm verloren. Sonst verliert er mit der Zeit seinen Reiz. Dies geschieht aber immer und immer wieder. Sex wird oder ist einfach etwas das konsumiert wird. Man hat Sex und das Leben geht weiter. Sieht man sich danach nochmals, gut, wenn nicht auch gut. Dies ist seit Menschengedenken  doch so. Nicht alle sehen Sex als einen Akt der Liebe an. Besonders heute, wo Sex allgegenwärtig ist. Sei es in der Werbung oder dem Internet. Man kann Sex einfach konsumieren. Doch genau das führt doch auch dazu, dass man mit der Zeit eine falsche Vorstellung bekommt. Was in den Pornos gezeigt wird, hat mir der Realität nichts zutun. Es ist einfach ein Film. Mehr nicht. Doch diese Illusion erkennen viele nicht mehr. Sie können nicht mehr zwischen dem unterscheiden, was sie sehen, und was tatsächlich ist.
Beim Sex mit der Person welche man liebt geht es doch vielmehr darum, dass man einander merkt. Wahrnimmt. Dass man sich einander hingibt ohne immer die Kontrolle haben zu müssen. Dass man sich auf einander einlässt. Eine gemeinsame Form findet, welche für beide stimmt. Dies ist die Kunst Sex zu haben. Einfach ist es nicht. Aber es lohnt sich daran zu arbeiten. Es ist wie in einer Beziehung. Nur wenn man miteinander spricht, weiss man, was das andere denkt oder will. Nur so entsteht Harmonie. Wenn jedes einfach denkt aber nichts sagt, so führt dies zu Frust und Wut. Das führt irgendwann zum Ende der Beziehung. Mit dem Sex verhält es sich doch auch so. Partner sollten offen darüber sprechen. Sie sollten sich genau so über Sex unterhalten, wie über alles andere auch. Schliesslich haben sie ja Sex zusammen. Was ist daran so verkehrt, darüber zu sprechen? Ich sehe nichts verkehrtes. Mir ist Sex wichtig. Aber nicht so wichtig, dass ich nur Sex haben will. Mir ist die gemeinsame Zeit mit meiner Frau als Ganzes wichtig. Die Zeit, welche ich mit ihr verbringe ist für mich die Zeit, welche für mich Erholung ist. Das Gemeinsame ist es, was für mich das Schöne ist. Erlebt man etwas gemeinsam, so ist es doch schöner, als einfach alleine. Ich für mich geniesse jede Augenblick, welchen ich mit meiner Frau verbringen kann.
Sex gehört auch zu den Dingen, welche immer ein Tabu bleiben. Und doch sprechen alle darüber. Aber nicht über die eigene Sexualität sondern allgemein. Klar, ich spreche auch mit niemandem, ausser meiner Frau, über meine Sexualität. Aber ich spreche auch sonst nicht über Sex. Für mich ist das privat. Der Mensch braucht Sex. Das gehört dazu. Nicht nur die Muggel, sondern auch Asperger. Menschen wollen lieben und geliebt werden. Es stellt sich nur die Frage, wie viel und wie intensiv. Dies ist nicht für alle gleich. Wichtig ist nur, dass man sagt, was man will und was nicht. Das man Grenzen setzt und nicht einfach hemmungslos wird.
Sex heisst für mich, dem anderen mich geben. Ihm meine Liebe schenken.

Freitag, 30. August 2013

Asperger und das Verweigern

Immer mal wieder müssen wird Dinge tun, die wird nicht wollen oder nicht gerne mache. Sei es Rechnungen bezahlen, haushalten oder auf Arbeit irgend etwas erledigen, was wir nicht wollen. Das gehört zum Leben dazu. Es kommt meiner Meinung nach immer drauf an, wie man zu alle dem steht. Nimmt man es persönlich, so kann es Stress oder Frust auslösen. Sieht man es positiv, so macht es einem nichts aus.
Ich muss auf Arbeit auch immer mal wieder Arbeiten erledigen, die mir nicht zusagen. Und doch, ich erledige sie, weil sie erledigt werden müssen. Ich sehe jede Arbeit die ich mache, als einen Teil eines grossen Ganzen. Das ist für mich auch immer wieder Motivation genug, das ich Dinge tue, die nichts mit meiner Funktion zu tun haben. Mir spielt das keine Rolle. Es ist einfach nur Arbeit. Mehr nicht.
Jedoch erlebe ich es immer wieder, dass Asperger die Aufgabe, welche sie kriegen, nicht erledigen. Sie verweigern sich. Verweigern die Arbeit, weil sie denken, es sei unter ihrer Würde oder es interessiert sie nicht. Sie lassen sie dann liegen und finden Ausreden, wieso sie die Arbeit nicht erledigt haben. Sie wissen, dass sie sich verweigern. Sie wissen, dass dieses Verhalten Folgen hat. Aber sie machen die Arbeit trotzdem nicht. Sie sehen nicht ein, wieso sie diese Arbeit kriegen, und was davon abhängt. Da hilft auch gutes zureden nichts. Sie machen die Arbeit trotzdem nicht.
Früher war ich auch so. Ich habe nicht alles gemacht, was ich musste. Habe mich auch manchmal versucht zu drücken. Habe Ausreden gesucht und auch gefunden. Doch das wurde nicht lange toleriert. Irgendwann flog ich raus. Naja, ich habe das nie persönlich genommen. Habe immer gute Gründe gefunden, wieso ich rausflog. Aber der Grund war das Asperger. Heute weiss ich, das  ich nicht so bin wie die Muggel bin. Das ich anders bin. Das das einer der Gründe war, wieso entlassen wurde.
Verweigerung führt irgendwann zur Entlassung. Aber nicht nur auf Arbeit kann es Probleme geben, sondern auch im Privaten. Wenn der Partner will, dass man was macht, aber es einfach nicht macht, weil man es nicht einsieht. Weil man was anderes machen möchte, oder einfach keine Lust hat. Wie auch immer. Ich habe vieles verweigert. Habe immer versucht, dass ich das machen kann was ich will. Habe nie begriffen, dass das was ich tun sollte in einem grösseren Zusammenhang zu betrachten ist. Mir hat schlicht das Verständnis gefehlt. Heute, viele Jahre später habe ich das. Kann begreifen, was es heisst, auch mal was zu machen, was ich nicht will. Das für mich beste Beispiel ist das Rechnungen zahlen. Ich wusste wozu es gut ist, aber ich habe es nicht wirklich gemacht. Habe immer alles rausgezögert, bis es nicht mehr ging. Dadurch habe ich riesen Stress gekriegt. Heute erledige ich das einfach am Ende des Monats. Punkt. Das wars. Ich kann das heute. Doch der Weg war hart und lang, bis ich das gekonnt habe. Musste immer wieder Tricks anwenden, damit ich es gemacht habe. Einer war, dass ich einfach, wenn ein Umschlag per Post kam ich ihn gleich geöffnet habe. So habe ich die Rechnung gesehen. Diese habe ich auf mein Pult gelegt. Am Ende des Monats habe ich ihn genommen, und die Beträge überwiesen. So habe ich gelernt, dass ich mich nicht verweigere, sondern mir viel Ärger erspare.
Auf der Arbeit ist es das Selbe. Ich mache, was ich machen muss. Mache Dinge, die ich nicht machen müsste. Aber da ich in allem einen Sinn sehe, mache ich es gerne, und ohne, dass ich es persönlich nehme. Wieso auch? Das bringt nicht. Immer als nur auf sich beziehen führt zu Probleme, welche ich nicht mehr will. Auch muss die Aufgabe nichts mit meinen Interessen zu tun haben.
Ich habe es heute so definiert, das die Arbeit als solches mein Interesse ist. So klappt es ohne Probleme. Ich kann so das erledigen, was anfällt. Für mich war dieser Schritt ein wichtiger. Er war so wichtig, dass ich heute froh darum bin, das ich meine Einstellung geändert habe und wieder frei leben kann.

Donnerstag, 29. August 2013

Asperger und die Fantasie

Der Alltag ist etwas Praktisches. Ich brauche nicht kreativ zu sein. Brauche nicht irgendetwas zu über legen. Brauche nicht kreativ zu sein. Brauche keine Fantasie um mich durch den Tag zu hangeln.
Meinen Alltag habe ich deshalb recht genau strukturiert, weil ich keine Fantasie habe. Mir kommen einfach keine Sachen in den Sinn, welche mal vom Alltag abweichen.
Schaue ich Werke von Künstlern an oder höre Musik, so frage ich mich manchmal, wie die das können. Ich kann nicht über das hinausdenke, was ich sehe oder mache. Und selbst das ist nicht immer einfach. Besonders dann, wenn ich eine Lösung für ein Problem suchen muss. Da bin ich nie fantasievoll, sondern gehe einfach strikte logisch vor. Ich schliesse so lange alles aus was nicht dazu gehört, bis ich die Lösung habe. Das ist ein Prozess, der mühsam ist, und doch einige Zeit in Anspruch nimmt. Zudem muss ich immer sehr viel überlegen. Mit Fantasie ginge es sicher schneller. Zumindest stelle ich mir das so vor.
Die Fantasie befreit auch den Geist aus seinen engen Gedanken. Die Fantasie ist für mich eines jener Dinge, welche ich mir nicht vorstellen kann. Jedoch kenne ich Asperger, welche sehr fantasievoll sind. Sie können schöne Bilder malen, coole Videos erstellen. Künstler halt. Ich habe aufgehört, mir darüber Gedanken zu machen.  Wenn ich was brauch, was Fantasie erfordert, so frage ich diese Personen. Sie haben immer eine gute Idee bereit.
Eingang habe ich ja geschrieben, dass ich meinen Alltag fantasielos gestaltet habe. Nun, dass heisst aber nicht, das er langweilig ist. Ich habe immer etwas zu tun. Kann mich gut beschäftigen. Alles hat einfach seine Ordnung. Für mich ist es diese, welche mir auch die Sicherheit gibt, dass ich den Alltag im Griff habe. Es hat mich sehr viel Zeit und Mühe gekostet den Alltag, wie ich ihn heute habe, zu organisieren. Ich habe einfach viele Dinge ausprobiert. Habe geschaut, wie viel Zeit ich brauche, was es mir bringt. Habe experimentiert. So lange, bis ich die eine gute Struktur gefunden habe. Jedoch ist es so, dass jeder Wochentag seine eigene Struktur hat. Nicht jeder Wochentag ist also gleich. Das hängt auch damit zusammen, dass ich nur an bestimmten Wochentage meine Frau sehe. Sie gibt der Woche die Struktur, welche mir gefehlt hatte. Ich habe meine Woche so organisiert, dass wir uns wenn immer mögliche sehen können. Das hat wieder nichts mit Fantasie zu tun, sondern ist einfach nur logisch. Zumindest für mich.
Geht es aber darum sich zu überlegen, was wir, meine Frau und ich, am Wochenende machen können, so bin ich überfordert. Mir kommen keine Sachen in den Sinn. Ich weiss nicht wo anfangen. Es gibt zu viele Dinge, die man machen kann. Eine unlösbare Aufgabe für mich. Diese Problem habe ich aber gelöst, indem ich mich einfach mit meiner Frau unterhalte. Dabei finden wir immer zusammen eine Lösung. Ich bin manchmal erstaunt, was für Ideen sie hat. Sehr fantasievoll. Zumindest in meinen Augen.
Für die Artikel, welche ich in diesem Blog schreibe, brauche ich keine Fantasie. Es sind alles Dinge, welche ich selber erlebe, oder mich beschäftigen. Ich schreibe diesen Blog auch, damit ich nicht alles, was mich beschäftigt im Kopf haben muss. Zudem ist es mir wichtig, dass ich meine Gedanken auch andern mitteilen kann.
Fantasie ist etwas was die Welt bereichert. Sie ist es, welche uns träumen lässt. Sie es, welche uns gute Filme oder Musik gibt. Eine Welt ohne Fantasie wäre trostlos und langweilig. Gut gibt es Menschen welche uns mit ihrer Fantasie verzaubern können.

Dienstag, 27. August 2013

Asperger und die kleinste Veränderung

Veränderungen sind Alltag. Sie kommen immer wieder vor. Doch es gibt für mich Dinge, die einfach so sein zu bleiben haben, wie sie sind. Mich irritieren kleinste Veränderungen in meinem Tagesablauf. Es ist aber nicht so, dass ich alles bis ins kleinste Detail plane. Vielmehr ist es so, dass ich mir den Tag in groben Zügen vorstelle. Dann muss er auch so stattfinden. Wenn nicht, kann es sein, das ich aus dem Konzept bin, und der Tag für mich gelaufen ist. Das kann schon am Morgen passieren. Für mich ergibt das der ganze Tag keinen Sinn mehr.
Als Beispiel führe ich etwas für mich alltägliches auf. Jeden Tag, wenn ich am Arbeitsplatz eintreffe, muss ich einstempeln. Das heisst meine Zeit wird mit einer Karte erfasst. Diese ist immer am selben Ort. Diese muss immer da sein. Ist sie es mal nicht, wieso auch immer, so ist der Tag für mich vorbei. Und das schon, bevor er richtig begonnen hat. Das mag für einige komisch sein, ist es aber für mich nicht. Es ist einfach eine jener Veränderungen welche zwar klein ist, aber für mich eine riesen Bedeutung hat. Wieso das so ist, weiss ich selber nicht. Es ist einfach so.
Auch brauche ich manchmal meine Ruhe. Wird diese nur durch eine Kleinigkeit gestört, so kann ich sehr wütend werden und den Raum einfach verlassen. Ich lasse dann eine Weile nicht mehr mir mir reden. Verziehe mich an einen Ort, wo es ruhig ist. Das ist ein Verhalten, welches für mich typisch Asperger ist. Asperger wollen keine Veränderungen. Egal wie klein sie ist.
Was ich aber kann, das ist spontan reagieren. Das gehört bei mir zum Tageskonzept dazu. ich plane das ein. Muss ich ja. Meine Arbeit verlangt das von mir. Ich weiss nie, was mich erwartet. Mir macht das nichts aus. Ich weiss aber von Asperger, dass es ihnen was ausmachen würde. Sie können mit dem Spontanen nicht umgehen. Für mich ist das Spontane keine Veränderung. Es ist ja eingeplant. Irgendwie. Wie ich das mache, weiss ich auch nicht. Aber es gelingt mir jeden Tag von neuem.
Fahre ich mit dem Zug, so versuche ich, immer den Selben zu nehmen. Versuche immer im gleichen Wagen einzusteigen. Nun, das machen viele Pendler so. Jedoch für mich ist es wichtig, dass ich mich während der Fahrt entspannen kann. Es gibt mir Sicherheit. Muss ich einen anderen Zug nehmen, so bin ich mir während der ganzen Fahrt nicht sicher, ob es der Richtige ist. Die Zeit stimmt ja nicht. Der Wagen stimmt nicht. Alles stimmt nicht. Wie kann ich da sicher sein? Aus Erfahrung weiss ich es. Aber das zählt nicht. Unsicher bin ich trotzdem.
In der Beziehung bringen mich Veränderungen nicht aus dem Konzept. Da geht es mir nur darum, dass ich mit meiner Frau zusammen sein  kann. Dabei spielt es keine Rolle, was wir machen, oder wohin wir gehen. Meine Frau gibt mir die Sicherheit, welche ich brauche. Und nur sie kann mir diese geben. Im Normalfall, verlasse ich mich nur auf mich. Meine Frau ist da die einzige Ausnahme. Sie ist für mich der Ruhepol in meinem Leben. Dank ihr bin ich nicht immer darin gefangen, dass alles so sein muss, wie ich mir das vorstelle. Sie gibt mir auch das Gefühl, das es auch mal anders sein kann. Jedoch fragt sie mich immer zuerst, ob es in Ordnung sei. Das ist etwas, was ich sehr an ihr schätze. Sie weiss um das Asperger. Nimmt aber darauf keine Rücksicht. Ich selber habe sie darum gebeten. Denn ich will mich, wenn ich mit ihr zusammen bin, nicht einschränken müssen. Klar, vermeiden wir viele Menschen. Aber hin und wieder lässt sich das eben nicht vermeiden. Dann ist das halt so.
Dies Veränderungen sind für mich OK. Aber nur so lange, wie sie bei mir ist. Alleine würde mich das aus dem Konzept bringen, und ich wüsste nicht mehr was tun. Würde einfach versuchen so schnell wie möglich den Ort zu verlassen. Flucht ist keine Lösung, aber es ist der Einzige Ausweg, den ich kenne.

Montag, 26. August 2013

Asperger und Bedürfnisse

Bedürfnisse gehören zum Leben. Jeder von uns hat welche. Doch Bedürfnisse können sich sehr stark unterscheiden. Dies besonders dann, wenn man in einer Beziehung lebt. Da treffen ganz unterschiedliche Bedürfnisse aufeinander. Zu Beginn zeigen sich diese noch nicht, doch mit der Zeit werden sie immer sichtbarer. Sichtbarer indem das andere zu sagen beginnt, was es möchte und was nicht.
Bedürfnisse können auch leicht missverstanden werden. Ich habe am Abend gerne meine Ruhe, wenn ich von der Arbeit komme. Dagegen ist nichts einzuwenden. Doch es sollte dabei bleiben. Komme ich nach hause, so wartet meine Frau nicht, denn sie wohnt ja nicht bei mir. Dies ist eines der Bedürfnisse, welches wir beide gemeinsam haben. Jedes lebt für sich. Das ist nicht schlimm oder einsam. Sondern von uns beiden bewusst so gewählt worden. Wir verbringen Zeit zusammen, brauchen aber auch unsere Ruhe und Zeit für sich. Dadurch entsteht aber auch wieder das Bedürfnis, den Partner zu sehen. So bleibt eine gewisse Spannung erhalten. Sieht man sich jeden Tag, wohnt zusammen, so geht meiner Erfahrung nach, die Spannung irgendwann verloren. Es wird normal, dass das Andere da ist. Was schade ist. Die Liebe beginnt so zu bröckeln. Sie ist nicht mehr das, was sie mal war. Das kann sogar in einer Trennung enden. Was dann nicht wirklich schade ist.
Bedürfnisse habe ich genau so, wie meine Frau. Wir besprechen einfach, was wir machen wollen, oder wohin wir fahren wollen. So finden wir immer einen Konsens. Wir besprechen viel. Dadurch lernen wir auch viel von einander. Wir können so besser aufeinander eingehen. Dies ist für mich sehr wichtig. Denn ich will nicht, dass meine Frau denkt, ich mache was ich will, oder umgekehrt. Wir leben ein gemeinsames Leben, auch wenn wir örtlich getrennt sind. So sind wir aber doch mit dem Handy immer in Verbindung. Dies ist der Weg, welcher wir gewählt haben.
Dieses Beispiel zeig, dass Bedürfnisse auch mal was Gutes haben können. Bedürfnisse hat jeder Mensch. Doch die Frage ist doch, wie den anderen mitteilen? Oder sie niemandem mitteilen, und einfach tun was man gerade tun will? Ich denke, dass dieses Verhalten zu Problemen führen wird. Das es dazu führt, dass man nicht mehr beachtet wird, und sogar als Egoist abgetan wird. Dabei spricht man einfach nicht darüber. Vielleicht auch darum, weil man nicht weiss wie. Nun, das konnte ich auch nie. Bis ich in der Klinik war. Da habe ich gelernt, über mich und meine Bedürfnisse nachzudenken aber auch darüber zu sprechen. Das war nicht eifach, da ich das nicht gewohnt war. Ich habe nie gesagt, was ich wollte. Ich versuchte immer herauszufinden, was das Gegenüber will. Das habe ich dann gewollt. Nun, das war meistens nicht das, was ich wollte.
Heute kann ich sagen, was ich will. Kann es meiner Frau sagen. Dies aber auch darum, weil sie Verständnis für mich hat. Weil sie mich so liebt, wie ich bin. Das gibt mir die Sicherheit, welche ich brauche. Denn nur so kann ich ihr sagen, was ich will. Das Gleiche gilt auch für sie. Ich liebe sie und versuche ihr auch die Sicherheit zu geben, welche sie mir gibt. Durch das gemeinsame Vertrauen ineinander, können wir alles besprechen. Können über alles sprechen. Aber auch einfach mal "Kumpel" sein, und nicht immer Eheleute. Das hat was befreiendes. Das ist für ich auch eines der Bedürfnisse. Nicht immer alles ernst zu nehmen, sondern auch mal Witze zu machen, oder mit der Ironie spielen. Aber nie so, das das Andere sich verletzt fühlt. Der gegenseitige Respekt muss bleiben. Darauf achte ich immer. Denn ich will meiner Frau nicht schaden. Im Gegenteil, ich will ihr ein guter Ehemann sein. Das ist auch eines meiner Bedürfnisse.
Bedürfnisse sind für mich wichtig. Wichtig, weil sie mein Leben beeinflussen. Beeinflussen indem ich sie mit anderen teile. Nur so werden kriegen sie für ich eine Wert. Sie einfach nur zu leben, ohne sie mit jemandem, besonders meiner Frau, zu teilen, ergibt für mich keine Sinn mehr.

Samstag, 24. August 2013

Asperger und die Tarnung

Muggel geben meist vor, etwas zu sein, das sie nicht sind. Sie passen sich der Umgebung an. Sie wollen nicht auffallen. Sie wollen Eindruck machen. Sie geben dafür ihre Persönlichkeit auf. Hauptsache, sie kriegen, was sie wollen. Dies ist besonders auf Arbeit zu sehen. Da wusste ich nie, ist dieser Mensch echt?, oder einfach eine Rolle? Nun, ich denke, viele wenn nicht alle spielten einfach eine Rolle. Eine Rolle, welche sie sich ausgedacht haben. Eine Rolle, wie im Drehbuch.
Ich habe das auch jahrelang gemacht. Habe mich immer wieder neu orientiert, und mich scheinbar angepasst. Nur, dass es immer eine Kopie der Umgebung war. Ich nah die Gewohnheiten und die Sprechweise an. Nahm das ganze Verhalten an. Doch es blieb eine Kopie. Es war nie eine Rolle. Ich fand mich damit nie zurecht. Immer schon wusste ich, dass ich anders bin. Ich wusste aber nicht wieso. Wusste nicht, was ich bin. Nun, heute weiss ich es zum Glück. Weiss, dass ich kein Muggel bin, sondern Autist. Das macht das Leben nicht einfacher, aber besser. Besser im Sinn von, ich weiss was mich stresst und was nicht. Wie ich bin und wie eben nicht. Kann so sein wie ich bin, und muss mich nicht verstellen. Ich sage was ich meine. Und nicht so, wie "man" es sagen soll. Nur, damit der andere sich nicht verletzt fühlt. Mir ist das egal. Ich lasse mir meine Worte und auch meine Art nicht mehr verbieten. Verbieten durch Konventionen und Regeln, welche ich nicht kenne und die mir nichts sagen. Ich gehe einfach nach meiner Logik und Erfahrung.
Dass ich damit sogar Erfolg haben könnte, das habe ich mir nie träumen lassen. Ich habe ja heute eine Stelle, welche nur von einem Asperger besetzt werden konnte. Arbeite mit Menschen zusammen, welche selber Asperger sind oder aber ausgebildet, mit solchen zu arbeiten. Ich brauche meine Tarnung nicht mehr. Das erleichtert mir mein Leben enorm. Ich habe den ganzen Stress mit der Tarnung nicht mehr. Muss nicht ständig aufpassen, dass ich rausgeworfen werde. Dass ich meine Stelle verliere. Diese Angst hatte ich jahrelang. Bei jeder Stelle. Ich wusste zu Beginn jeweils schon, dass es nicht gut kommt. Wusste, dass ich irgendwann entlassen werde. So kam es auch. Klar, das klingt nach selbsterfüllender Prophezeiung. Ist es aber nicht. Sondern einfach Erfahrung. Erfahrung, welche ich in all den Jahren gesammelt habe. Heute habe ich diese Angst nicht mehr. Ich kann endlich so arbeiten, wie ich denke das es passt. Wie ich denke, das es richtig ist. Und scheinbar ist es das auch.
Wichtig ist nur das Verständnis meines Umfeldes. Ohne dieses könnte ich meine Arbeit nicht tun. Ohne diese wäre ich nicht da, wo ich heute bin.
Asperger, welche im Muggel-Umfeld sind, tarnen sich sicher auch. Sie wollen nicht entdeckt werden. Sie wollen nicht als Asperger erkannt werden. Dabei wäre es einfacher, dazu zu stehen. Wenn man denn weiss, das man Autist ist. Das wissen ja viele nicht. Selbst wenn sie es wissen, haben sie Angst, das sie die Stelle verlieren. Sie haben Angst, was kommen kann. Sie wollen keine Veränderung. Dabei ist genau die, die Chance auf ein neues Leben. Auf ein Leben ohne Tarnung. Ohne Rolle. Ein Leben, indem man so sein kann, wie man ist. Ein Leben ohne Angst und Stress. Der Stress entstand bei mir immer. Jeden Tag von neuem. Auch die Angst. Ich wusste nie, wann ich entlassen wurde. Wann ich wieder mal eines dieser Gespräche haben würde. Wann ich wieder zum Arbeitsamt gehen musste. Jeden Tag. Jahr für Jahr.
Das ist sicher auch ein Grund, wieso ich am Schluss in der Klinik landete. Wieso ich nicht mehr konnte. Es war zu viel. Zu viel von alledem, was mich gestresst hatte. All die Jahre. All die Zeit.
Heute lebe ich wieder zufrieden. Habe auch dank meiner Frau ein Leben, welches sich zu leben lohnt. Eines, welches für mich ideal ist. Klar, habe ich auch heute noch ab und zu Stress. Aber das gehört für mich dazu. Einfach nicht mehr die Art, welche mich kaputt machte. Sondern, ich nenne es, "gesunder Stress". Einer der mich fordert. Einer der mich dazu bringt, mehr zu machen, als ich gerade denke, das ich leisten kann.
Tarnung bringt auf die Dauer nichts. Wichtiger ist, dass man zu sich steht. Sie so gibt, wie man ist, und nicht denkt, was die anderen von einem halten. Das es egal ist, was die anderen über einem denken. Wichtig ist, was man selber über sich denkt.