Dieses Blog durchsuchen

Translate

Samstag, 24. August 2013

Asperger und die Tarnung

Muggel geben meist vor, etwas zu sein, das sie nicht sind. Sie passen sich der Umgebung an. Sie wollen nicht auffallen. Sie wollen Eindruck machen. Sie geben dafür ihre Persönlichkeit auf. Hauptsache, sie kriegen, was sie wollen. Dies ist besonders auf Arbeit zu sehen. Da wusste ich nie, ist dieser Mensch echt?, oder einfach eine Rolle? Nun, ich denke, viele wenn nicht alle spielten einfach eine Rolle. Eine Rolle, welche sie sich ausgedacht haben. Eine Rolle, wie im Drehbuch.
Ich habe das auch jahrelang gemacht. Habe mich immer wieder neu orientiert, und mich scheinbar angepasst. Nur, dass es immer eine Kopie der Umgebung war. Ich nah die Gewohnheiten und die Sprechweise an. Nahm das ganze Verhalten an. Doch es blieb eine Kopie. Es war nie eine Rolle. Ich fand mich damit nie zurecht. Immer schon wusste ich, dass ich anders bin. Ich wusste aber nicht wieso. Wusste nicht, was ich bin. Nun, heute weiss ich es zum Glück. Weiss, dass ich kein Muggel bin, sondern Autist. Das macht das Leben nicht einfacher, aber besser. Besser im Sinn von, ich weiss was mich stresst und was nicht. Wie ich bin und wie eben nicht. Kann so sein wie ich bin, und muss mich nicht verstellen. Ich sage was ich meine. Und nicht so, wie "man" es sagen soll. Nur, damit der andere sich nicht verletzt fühlt. Mir ist das egal. Ich lasse mir meine Worte und auch meine Art nicht mehr verbieten. Verbieten durch Konventionen und Regeln, welche ich nicht kenne und die mir nichts sagen. Ich gehe einfach nach meiner Logik und Erfahrung.
Dass ich damit sogar Erfolg haben könnte, das habe ich mir nie träumen lassen. Ich habe ja heute eine Stelle, welche nur von einem Asperger besetzt werden konnte. Arbeite mit Menschen zusammen, welche selber Asperger sind oder aber ausgebildet, mit solchen zu arbeiten. Ich brauche meine Tarnung nicht mehr. Das erleichtert mir mein Leben enorm. Ich habe den ganzen Stress mit der Tarnung nicht mehr. Muss nicht ständig aufpassen, dass ich rausgeworfen werde. Dass ich meine Stelle verliere. Diese Angst hatte ich jahrelang. Bei jeder Stelle. Ich wusste zu Beginn jeweils schon, dass es nicht gut kommt. Wusste, dass ich irgendwann entlassen werde. So kam es auch. Klar, das klingt nach selbsterfüllender Prophezeiung. Ist es aber nicht. Sondern einfach Erfahrung. Erfahrung, welche ich in all den Jahren gesammelt habe. Heute habe ich diese Angst nicht mehr. Ich kann endlich so arbeiten, wie ich denke das es passt. Wie ich denke, das es richtig ist. Und scheinbar ist es das auch.
Wichtig ist nur das Verständnis meines Umfeldes. Ohne dieses könnte ich meine Arbeit nicht tun. Ohne diese wäre ich nicht da, wo ich heute bin.
Asperger, welche im Muggel-Umfeld sind, tarnen sich sicher auch. Sie wollen nicht entdeckt werden. Sie wollen nicht als Asperger erkannt werden. Dabei wäre es einfacher, dazu zu stehen. Wenn man denn weiss, das man Autist ist. Das wissen ja viele nicht. Selbst wenn sie es wissen, haben sie Angst, das sie die Stelle verlieren. Sie haben Angst, was kommen kann. Sie wollen keine Veränderung. Dabei ist genau die, die Chance auf ein neues Leben. Auf ein Leben ohne Tarnung. Ohne Rolle. Ein Leben, indem man so sein kann, wie man ist. Ein Leben ohne Angst und Stress. Der Stress entstand bei mir immer. Jeden Tag von neuem. Auch die Angst. Ich wusste nie, wann ich entlassen wurde. Wann ich wieder mal eines dieser Gespräche haben würde. Wann ich wieder zum Arbeitsamt gehen musste. Jeden Tag. Jahr für Jahr.
Das ist sicher auch ein Grund, wieso ich am Schluss in der Klinik landete. Wieso ich nicht mehr konnte. Es war zu viel. Zu viel von alledem, was mich gestresst hatte. All die Jahre. All die Zeit.
Heute lebe ich wieder zufrieden. Habe auch dank meiner Frau ein Leben, welches sich zu leben lohnt. Eines, welches für mich ideal ist. Klar, habe ich auch heute noch ab und zu Stress. Aber das gehört für mich dazu. Einfach nicht mehr die Art, welche mich kaputt machte. Sondern, ich nenne es, "gesunder Stress". Einer der mich fordert. Einer der mich dazu bringt, mehr zu machen, als ich gerade denke, das ich leisten kann.
Tarnung bringt auf die Dauer nichts. Wichtiger ist, dass man zu sich steht. Sie so gibt, wie man ist, und nicht denkt, was die anderen von einem halten. Das es egal ist, was die anderen über einem denken. Wichtig ist, was man selber über sich denkt.