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Donnerstag, 13. März 2014

Asperger und die Rücksicht

Rücksicht ein grosses Wort. Muggel wollen, das auf sie Rücksicht genommen wird. Sie wollen das man auf ihre Meinung hört. Doch sie haben Mühe damit, dies selber zu tun. Sie wollen Rücksicht, geben sie aber nicht. Sie denken an sich, sich und nochmals sich. Rücksicht ist für mich etwas das normal ist. Ich nehme manchmal zu viel Rücksicht. Schaue, dass es für alle anderen passt.
Das Problem dabei ist, dass wenn ich Rücksicht nehme, ich ausgenutzt werde. Das ich immer mehr machen muss, und die anderen es sich einfach bequem machen. Sie wissen ja, das ich ihr Problem lösen kann. Doch wer löst meine Probleme? Eben, ich selber. Aber ich denke, dass das Thema Rücksicht nichts mir Muggel oder Asperger zu tun hat. Es ist ein generelles Problem. Jeder will sie, aber die wenigsten geben sie. So kommt es mir jedenfalls vor.
Nun, für mich ist das Arbeitsleben das eine, aber das andere ist das Private. Da nehme ich gerne auf meine Frau Rücksicht. Ich will, dass sie sich wohlfühlt, dass es für sie passt. Sie wiederum macht das Selbe für mich. Es beruhigend zu wissen, dass das so ist. Dass es wenigstens an einem Ort passt. Rücksicht ist meiner Meinung nach wichtig für das soziale Leben von Menschen. Ohne sie würde nichts gehen. Nun, es geht auch fast nichts mehr. Die Leute machen was sie wollen. Sie handeln wie sie wollen. Sie tun was sie wollen. Für andere schauen, das sollen andere. Sie sind zu gut und wichtig. Haben besseres zu tun, als für andere schauen. Nun, das ist mein Eindruck. Dieser muss nicht allgemein stimmen, aber ich sehe es so.
Asperger können sehr wohl Rücksicht nehmen. Sie können sogar sehr viel davon geben. So viel, dass sie vergessen, dass sie auch jemand sind. Sie bleiben aussen vor. Sie vergessen sich. Dies weil sie nicht verstehen, dass es nicht nur um die anderen geht, sondern auch um sich selber. Sie handeln fast schon altruistisch. Das liest sich jetzt sicher komisch, da in der Literatur immer beschrieben wird, wir denken nur an uns. Aber ich habe da andere Erfahrungen gemacht. Wieso sollten wir immer nur an andere denken? Wieso immer für andere da sein? Nun, ich denke, dass man dann das Gefühl hat, man wird akzeptiert. Das man dazu gehört. Wenn man so wird wie das Umfeld ist. Man fügt sich ein. Oder versucht es zumindest. Muggel können das besser als wir. Wir sind Meister der Täuschung. Aber die Frage ist doch, für wie lange? Die Muggel merken das sehr schnell, dass wir uns nur tarnen. Sie merken, dass es nicht echt ist. Sie hingegen können das fast perfekt. Sie können etwas sagen, und was anderes meinen. Sie können die Sprache so wählen, dass sie das Gegenüber nicht "verletzten". Ich kann das nicht. Ich sage, was ich denke. Ich sage es so, wie ich will. Rücksicht nehme ich nicht, wenn es um die Wahrheit geht. Aber auch nicht, wenn es darum geht, eine Information zu liefern. Wieso sollte ich auch? Nur dass sich das Gegenüber nicht verletzt fühlt. Gut vorkommt? Nicht beleidigt ist? Nein, das ist nicht mein Ding.
Asperger sind ja bekannt dafür, dass sie sagen was sie denken. Das sie nicht verstehen, wieso sie die Sprache der Muggel gebrauchen sollen. Wieso sie sich anpassen sollen. Nun, ich denke, das hat damit zu tun, dass die Muggel nicht verstehen, dass es Meschen gibt, die anders denken. Die anders sind. Nicht so wie sie. Die Muggel verstehen nur, was sie kennen. Alles andere macht ihnen Angst. Alles anderes versuchen sie zu bekämpfen. Indem sie versuchen, dem anderen ihren Willen aufzuzwingen. Indem sie versuchen dem anderen die eigenen Sichtweise aufzuzwingen. Das sind die Muggel. Sie versuchen uns so zu machen, wie sie sind. Sie bringen uns alles Mögliche bei. Das Meiste, verstehe ich nicht. Verstehen die meisten Asperger die ich kenne nicht. Wieso tun die Muggel das? Nun, sie nehmen keine Rücksicht, wenn es darum geht andere zu ändern. Sie nehmen keine Rücksicht, wenn es darum geht, das sie was ändern können, dass es dann für sie passt. Ich verstehe das nicht. Wieso kann der Mensch den Menschen nicht einfach so akzeptieren, wie er ist? Wieso geht das nicht? Wieso muss man sich immer anpassen. So anpassen, das es für die anderen stimmt, aber für einem nicht. Wieso? Nun, ich mache das nicht mehr. Früher habe ich das viel gemacht. Heute nicht mehr. Ich bin wie ich bin. Wem das nicht passt, nun, nicht mein Problem. Ich akzeptiere die Meschen ja auch, wie sie sind. Versuche nicht, sie zu ändern. Ich sehe auch keinen Grund dafür. Leben und leben lassen, dass ist mein Motto. Miteinander, statt gegeneinander. So sollte es doch sein. Dann spielt es auch keine Rolle mehr, ob Autist oder Muggel. Denn was doch zählt, ist der Mensch als Ganzes. Mit all seinen Stärken und Schwächen. Mit all seinen Fehlern. Wobei, Fehler? Ich denke, Kein Mensch hat Fehler, sondern es sind die Eigenheiten, die einen Menschen erst zu einem Menschen machen. Die dafür sorgen, dass er nicht einfach wie ein Maschine ist, sondern ein eigenständig denkendes und handelndes Wesen.

Dienstag, 11. März 2014

Asperger und die verlorene Zeit

Zeit, was ist die Zeit? Niemand kann das sagen. Wir messen sie. Wir lassen sie uns anzeigen. Wir sprechen von ihr. Doch, was sie ist, dass wissen wir nicht. Gibt es sie überhaupt?, oder ist sie nur ein Erfindung? Ich weiss es nicht. Aber ich weiss, das viele einfach in den Tag in die Jahre hineinleben, ohne sich zu fragen, was sie da genau tun. Sie verbrauchen ihre Zeit einfach, ohne einen Nutzen davon zu haben.
Ich erlebe das auch immer wieder. Ich sitze zu hause, schaue TV oder lese. Einfach, damit die Zeit vorbei geht. Wieso tue ich das? Keine Ahnung. Vielleicht warte ich darauf, dass ich endlich wieder meine Frau sehe, oder das was bestimmtes im TV kommt. Oder ich warte einfach, das ich warten kann. Die wenigsten werden immer nur tun und tun. Sie wollen auch mal nichts tun. Ist aber nichts tun das Selbe wie die Zeit verlieren? Wie einfach nur zu sein? Ich denke nicht. Ich denke, das nichts tun, auch was tun ist. Nichts, aber auch das ist was. Das liest sich paradox, ist es auch.
Asperger sind gut darin, wenn es darum geht, die Zeit zu verlieren. Sie können nichts tun, einfach warten. Können stundenlang sich mit etwas beschäftigen, das überhaupt keinen Sinn ergibt. Aber für sie vielleicht. Vielleicht auch nicht.
Für mich gibt es eine Zeit vor und eine nach der Diagnose. Ich würde die Zeit vor der Diagnose nicht als verlorene Zeit betrachten. Doch wäre mein Leben sicher anders verlaufen, wenn ich das alles früher gewusst hätte. Ich denke, ich hätte mir so einiges ersparen können. Auf der anderen Seite ist aber doch so, dass das alles dazu beigetragen hat, das ich heute so bin, wie ich bin. Nun, ich stelle mir nie vor, wie es anders hätte sein können. Wozu auch? Aber ich sehe viele Menschen die schon in frühen Jahren eine Diagnose bekommen haben. Ihr Leben verläuft ganz anders als meines. Für sie wird geschaut. Für sie wird alles gemacht. Sie kämpfen nicht mehr für sich. Sie lassen sich einfach von der Zeit treiben. Wohin sie das führen wird, weiss ich nicht. Aber sich einfach vom Strom der Zeit treiben lassen, kann es nicht sein. So sehe ich das jedenfalls. Wieso sollte man seine eigene Zeit verlieren indem man sie anderen gibt? Wieso sollen andere immer über einem bestimmen? Ich kann gut für mich selber sprechen. Für mich selber schauen. Ich bestimme selber, was ich will und was was nicht.
Ich schaue das es für alle anderen passt. Nicht für mich. Ich mache immer und immer wieder den selben Fehler. Trotz all den Jahren und all der Erfahrung die ich habe, passiert mir das immer wieder. Ich weiss auch nicht wieso. Vielleicht bin ich einfach so. Ich verliere meine Zeit für andere. Gebe meine Zeit den anderen. Doch was kriege ich zurück? Das was sie geben können. Nichts. Sie geben schöne Worte. Sonst nichts. Was will ich mit Worten? Eben.
Wenn ich sage, was ich brauche, dann ist das egal. Wenn sie sagen, dass sie was wollen, muss es sofort geschehen. Sie wollen und wollen. Geben, nein, das ist nicht ihr Ding. Wichtig ist, dass sie bekommen, was sie wollen. Die Menschen können nicht geben. Sie können nur nehmen. So erlebe ich das jedenfalls. Ich denke, das wir Asperger von den Muggel immer und immer wieder ausgenutzt werden. Das wir einfach nicht begreifen, wie wir uns dagegen wehren können. So verlieren wir Zeit, welche uns gehört. Wir meinen, das wir was Gutes tun. Dabei ist es einfach so, dass sich die Muggel eine angenehme Zeit auf unsere Kosten machen. Sie nutzen uns aus. Doch wie sich dagegen wehren, weiss ich auch nicht. Ich kann das nicht. Ich sehe es immer erst, wenn es zu spät ist. Wenn ich erkenne, dass ich ausgenutzt wurde, ist alles schon vorbei. Die die mich ausgenutzt haben, sind aus meinem Leben verschwunden. SO läuft das schon seit Jahren.
Doch eine Hoffnung habe ich. Meine Frau. Sie ist die Einzige, welcher ich vertraue. Sie ist die Einzige, bei welcher ich nicht das denke, das sie mich ausnutzt. Nun, das mag naiv klingen, ist es auch. Doch ich denke, dass ich denn Glauben daran nicht verlieren sollte. So ist meine Frau die einzige Hoffnung welche ich noch habe, dass ich endlich mal nicht ausgenutzt werde. Nicht meine Zeit vergeude für das Interesse von anderen. Nein, die Zeit die ich mit meiner Frau verbringe, ist die Zeit, welche mir am wichtigsten ist. Welche mir zeigt, dass ich doch geliebt und gebraucht werde. Nicht aus Eigennutz sondern einfach aus Liebe. Somit verliere ich Zeit, aber auf der anderen Seite gewinne ich mehr, als ich verliere. So kann ich dem Leben doch was Positives abgewinnen. Früher verlor ich mehr Zeit, als ich gewann. Das kam nicht gut heraus. Doch heute, so glaube ich, kann ich leben, ohne dass ich immer Angst haben zu müssen, dass ich wieder einen Zusammenbruch erleiden werde. Dies habe ich meiner Frau zu verdanken, welche mich in all der Zeit, immer und immer wieder unterstützt. Welche mir zeigt, dass ich für sie wichtig bin. Dies einfach so, wie ich bin. Sie ist nicht die verlorene Zeit, sondern endlich das, was ich die gewonnene Zeit nenne.

Sonntag, 9. März 2014

Asperger und Unsicherheit

In meinem Leben bin ich immer wieder auf Menschen getroffen, welche sehr selbstsicher wirkten. Sie schienen alles zu können. Mit nichts ein Problem zu haben. Das hat bei mir immer eine Unsicherheit ausgelöst. Ich dachte immer, ich könne nichts. Die anderen seinen besser, viel besser, als ich. Dass ich immer nur das machen kann, was noch übrig bleibt. Das ich nie voran kommen könne.
Das ging Jahrzehnte lang so. Ich wusste aber immer, das ich was kann. Doch die Frage war, was? Ich wusste es nicht. Immer wenn ich was Neues begonnen hatte, war da jemand, der besser war. Mehr wusste. Dann liess ich es wieder bleiben. Wieso etwas machen, das andere schon können. Besser können. Nein, das ergab für mich keinen Sinn. So lebte ich also all die Jahre dahin. Lebte und versuchte nur, zu überleben, ohne wirklich was zu machen, was ich kann, was ich will.
Heute wirke ich auf viele sehr Sicher. Sie meinen, ich habe alles im Griff. Aber das täuscht. Ich bin mir nie sicher, in dem was ich mache. Ich bin immer noch unsicher. Doch ich kann es gut überspielen. Kann die anderen täuschen. Sonst komme ich nicht voran. Ich will auch was erreichen. Ich will das erreichen, was ich will. Das ist einerseits, einen Job der mir gefällt, aber auch eine Beziehung. Beides habe ich. Doch das war so, wie es heute ist, nicht geplant. Wie auch?
Doch das andere ist das Schreiben. Ich wollte schon immer schreiben. Habe mich aber nie getraut. Dachte immer, dass sich eh keiner für das interessiert, was ich schreibe. Eines Tages begann ich einfach damit. Begann diesen Blog. Und zu meinem Erstaunen, wird er gelesen. Ich habe einen Teil davon ja sogar in einem Buch veröffentlichen können. Dies hätte ich mir nie zugetraut. Aber ich habe es trotzdem gewagt. Heute bin ich froh, habe ich das gemacht. Es gab und gibt mir auch Selbstvertrauen. Dass, wenn ich was will, ich das auch kann. Ich muss nicht mehr darauf schauen, was andere besser oder anders können. Ich kann auch was.
Nur, dieser Prozess dahin dauerte Jahre. Viele Jahre. Ich musste lernen, auf mich zu hören. Musste lernen, dass nicht die anderen besser sind, sondern nur anders. Das auch ich was kann, wenn ich will und wenn man mich lässt. Doch auch heute noch bin ich, wie Oben beschrieben, unsicher. Ich weiss nie, wenn ich was mache, ob es gut kommt. Ich vertraue einfach darauf. Vertraue meiner Erfahrung. Aber wirklich sicher, bin ich nie. Das ist auch nicht schlimm. Denn die Unsicherheit ist doch das, was einen auch merken lässt, dass man ein Mensch ist. Das man nicht einfach alles kann. Sonst wäre das Leben ja langweilig, wenn man alles schön könnte.
Das Schreiben gibt mir auch einen wichtigen Teil meiner Selbstsicherheit. Denn am PC kann ich das tun und schreiben, was ich mag. Ich muss niemandem Rechenschaft ablegen. Das ist auf Arbeit anders. Da muss ich es. Das ist auch etwas, was mich immer unsicher machte. Ich musste anderen erklären was ich tat, oder wieso nicht. Musste mich immer rechtfertigen. Passte das den Vorgesetzten nicht, wurde ich angeschnauzt. Das war nicht gut für mein Selbstvertrauen. Im Gegenteil, es hat es zerstört. So zerstört, dass ich vor Jahren wieder bei Null beginnen musste. Musste mir mein jetziges Selbstvertrauen wieder erarbeiten. Das war nicht leicht. Doch es hat sich gelohnt.
Ich denke, das viele Asperger nicht sicher sind. Sie sind Unsicher. Das hat sicher auch damit zu tun, dass die Muggel uns nicht verstehen. Das sie nicht verstehen, was wir wollen, wie wir denken. Das führt zu Missverständnissen. Wir können uns nicht wehren. Also nimmt unser Selbstvertrauen mit der Zeit immer mehr und mehr ab. Am Ende landen viele bei der IV. Sie können nicht mehr arbeiten. Nichts mehr tun. Dabei wäre die Lösung ganz einfach. Toleranz und Verständnis. Mehr braucht es nicht.

Freitag, 7. März 2014

Asperger und die Anpassung

Ständig muss man sich neuen Gegebenheiten anpassen. Die Gegebenheiten sind aber meiner Meinung nach noch das kleinste Problem. Vielmehr sind es die Muggel, welche einem so haben wollen, wie sie selber sind. Sie bemühen sich, uns bei zu bringen, wie sie denken. Sie lehren uns ihre Sprache. Bringen uns bei, wie Emotionen erkannt werden. Was es heisst, Gefühle zu haben. Was es heisst sich zu äussern.
Alle diese Dinge, wollen die Muggel uns beibringen. Doch wozu? Wieso tun sie das? Verstehen sie nicht, dass wir das alles nicht können. Auch wenn wir wollen, wir können es nicht. Das scheinen sie aber nicht zu verstehen. Sie schreiben Bücher, wie "man es richtig macht..." Wie man sich verhalten muss. Nun, wir könnten das Selbe mit den Muggel tun. Könnten ihnen sagen, das sie nicht normal sind, sondern wir. Das sie sich uns anpassen sollten. Dass sie unsere Sprache lernen sollen. Dass sie auf Gestiken und Mimiken verzichten können. Würden sie es tun? Nein, sie würden nicht. Sie würden nicht verstehen, wieso sie das tun sollen. Aber sie verlangen das Selbe von uns. Wobei sie nicht darüber nachdenken, was das für uns bedeutet.
Stress und ständige Angst, etwas falsch zu machen. So versuchen die Muggel uns zu kontrollieren. Sie versuchen uns ihnen ähnlich zu machen. Dies, weil sie nicht verstehen, dass es Menschen gibt, die die Welt ganz anders wahrnehmen. Denn vieles, was den Muggel viel bedeutet, nichts bedeutet. Wir interessieren uns für andere Dinge, als die Muggel. Dies sicher auch, weil wir vieles, was für die Muggel normal ist, nicht verstehen. Wir sehen die Welt anderes. Nehmen sie anders wahr.
Doch auch wir müssen uns, wie die Muggel auch, anpassen. Ohne Anpassung wird es schwierig in dieser Welt. Die Frage ist nur, wie viel Anpassung ist notwendig? Ich denke, dass es nicht viel braucht. Die Voraussetzung dafür ist aber, das uns das Umfeld versteht. Nun, das ist nicht so einfach. Wo werden Autisten schon verstanden? In Heimen? In geschützten Werkstätten? Also Orte für Behinderte? Sind wir so behindert, dass wir nicht einer normalen Tätigkeit nachgehen können? Nein, sind wir nicht. Wir können genau so arbeiten, wie die Muggel auch. Wir können genau so ein Leben führen wie die Muggel auch. Doch dazu muss man wollen. Man muss erkennen, wozu man arbeiten muss oder sollte. Was es heisst, ein eigenes Leben zu führen. Ich denke, dass ist aber auch eines der grössten Probleme von Aspergern. Sie wissen nicht wie. Brauchen Hilfe. Oder sind einfach zu bequem, etwas selber zu bestimmen. Dies sicher auch darum, weil ihnen die Muggel beibringen, dass sie alles kriegen können. Sie müssen nur sagen was sie brauchen. Schliesslich verdienen sie Hilfe, da sie ja Autisten sind. Nun, ich sehe das nicht so. Ich bin nicht auf solche Hilfe angewiesen. Ich bestimme selber. Aber ich bin auf ein Arbeitsumfeld angewiesen, welches mich versteht. Welches mir auch die Möglichkeit gibt, dass ich arbeiten kann, ohne, dass ich Angst haben muss.
Im Privaten genau so. Da lebe ich meine Leben so, wie ich will. Doch ich mache nicht was ich will. Ich lebe mein Leben mit meiner Frau, aber auch alleine. Dies weil ich alleine wohne. Mir ist das wichtig. So habe ich auch die Möglichkeit das zu tun, was ich will, ohne dass jemand sagt, was ich tun muss. Was gut ist und was nicht. Ich bestimme selber. Doch bin ich auch sehr gerne mit meiner Frau zusammen. Ich liebe sie und ich liebe es, mit ihr zusammen zu sein.
Dies hat aber auch Anpassungen gebraucht. Nicht nur von mir, sondern auch von ihr. Eine Beziehung ist doch immer ein sich anpassen. Es entsteht aber dadurch eine neues Leben. Eines das man alleine so nicht leben könnte. Doch besteht die Gefahr, dass man sich zu viel anpasst. Das man sich aufgibt. Dies Zugunsten des anderen. Das sollte dann auch nicht sein. Jedes sollte so sein und bleiben, wie es ist. Nur so wird meiner Meinung nach jedes das in die Beziehung einbringen können, was es kann. Eine Beziehung ist Arbeit. Das lese ich immer und immer wieder. Aber eine Beziehung ist für mich auch der Ausdruck von Liebe. Der Ausdruck von Vertrauen. Der Ausdruck für Gemeinsames. Es geht nicht mehr um den Einzelnen, sondern um das Gemeinsame. Das ist für mich die Anpassung, welche man vornehmen muss. Alles andere ergibt sich von selber.
Ich jedenfalls, bin froh, habe ich meine Frau geheiratet. Bin froh, dass ich sie habe. Für mich bedeutet sie, dass ich so geliebt werde, wie ich bin. Aber auch, dass ich so, lieben kann, wie ich kann. So hat auch das sich anpassen etwas Gutes. Das wiederum kann ich auch auf andere Lebensbereiche übertragen. Kann diese Erfahrung auch auf die Arbeit, oder mein Umfeld übertragen. Klar, ist es nicht das Selbe. Aber der Gedanke ist, das welcher zählt.

Mittwoch, 5. März 2014

Asperger und die Zukunft

Jahr aus Jahr ein tat ich, was ich wollte. Tat was ich tun musste. Tat was andere wollten. Ich stellte das alles nie in Frage. Für mich war es normal, das ich immer tat. Bis zu dem Zeitpunkt, an welchem ich nicht mehr konnte. Nun, dann kam das mit der Diagnose. Auf einmal war alles Vergangene vergessen. Aber es gab auch keine Zukunft. Nichts. Ich wusste weder, was ich machen sollte, noch was nicht. Ich hatte keinen Plan, wie weiter.
Doch irgend etwas musste ich wieder tun. Ich konnte es ja vor der Diagnose auch. Konnte auch arbeiten. Hatte auch Beziehungen. Hatte auch Dinge, die mich interessierten. Wieso also nach der Diagnose nicht mehr? Nun, ich befasste mich zuerst mit dem Autismus. Wollte so viel wie möglich wissen. Aber nicht nur über den Autismus, sondern auch über mich. Was hat dazu geführt, dass alles kam wie es kommen musste? Was kann ich verändern? Was muss ich verändern, dass das nicht mehr passiert? Plötzlich entstanden wieder Gedanken an die Zukunft. An das was vor mir liegt. Was ich tun könnte, wusste ich nicht. Aber ich wusste, dass ich wieder was tun musste. Ich wollte was arbeiten. Wollte was tun. Der Unterschied liegt im Wort WOLLTE. Es war nicht mehr der Gedanke, ich MUSSTE, sondern es war der Gedanke des WOLLENS. Das war für mich neu. Das war aber auch der Gedanke, welcher mich wieder in das Leben zurückbrachte. Ich fasste wieder neuen Mut und neues Selbstvertrauen. Ich begann mein Leben neu einzurichten. Begann mir zu überlegen, wie ich meine Zukunft gestallten könnte. Eines jedoch war sicher. Ich machte das alleine. Ohne IV, Therapeuten oder sonst wen. Ich alleine wollte bestimmen, was ich tue. Was ich arbeite. Nicht jemand anders.
Ich sehe aber auch viele Asperger, die das nicht verstehen. Sie verstehen nicht, dass sie auch an ihre Zukunft denken sollten. Dass nicht immer jemand da ist, der für sie schaut. Dass sie nicht immer das haben können, was sie wollen. Das es nicht immer nur darum geht, den Tag zu überstehen. Es geht doch darum, ein eigenständiges Leben zu führen. Selber zu bestimmen. Selber zu entscheiden. Aber auch selber die Verantwortung zu übernehmen. Für sich, für sein eigenes Leben. Dafür kann und sollte niemand anders verantwortlich sein.
Auch immer den anderen Schuld geben, ist nicht mein Ding. Ich alleine bin für das Verantwortlich, was ich tue. Niemand sonst. Doch ich sehe auch, dass viele Asperger das nicht so sehen. Sie suchen immer wieder Ausreden. Sie wollen ein eigenes Leben, aber nichts oder nicht viel dafür tun. Sie meinen, das ihnen das jemand gibt, wenn sie danach verlangen. Da irren sie sich. Viel wissen aber auch nicht, wie so was geht. Sie haben Angst, sich von zu hause zu lösen. Sie wissen nicht wie. Dabei ist es ganz einfach. Einfach tun. Nicht darüber nachdenken. Ich weiss, das ist nicht einfach. Das kann ich selber nicht immer. Doch wenn es darum geht, selber zu bestimmen, dann handle ich, ich denke nicht. Ich verlasse mich aber auch auf meine Lebenserfahrung. Das, ich weiss, können junge Menschen nicht. Sie müssen diese Erfahrungen zuerst sammeln. Aber musste wir das nicht alle auch? Es gehört einfach zum Leben dazu, dass man Erfahrungen sammelt. Gute wie Schlechte. Die Frage ist nur, ist man bereit dafür? Früher stellte ich mir diese Frage nie. Wieso auch? Ich tat einfach. Die Zukunft lag immer vor mir. Ich machte mir nicht gross Gedanken, was kommen würde. Ich legte mir aber bestimmte Ziel fest. Diese Ziele legte ich Jahre in de Zukunft. Sie sollten mir als Wegweiser dienen. Rückblickend kann ich schreiben, dass ich vieles davon erreicht habe. Einiges auch nicht, oder nicht so, wie ich es geplant hatte. Aber das macht auch nichts.
Ich lebe heute ein Leben, welches ich mir so nicht vorstellen konnte. Eines, das ich gerne Lebe. Eines das aus meiner Sicht sinnvoll ist. Ich sehe der Zukunft positiv entgegen. Ich lebe mein Leben aber nicht nur auf die Zukunft ausgerichtet, sondern auch auf die Gegenwart. Schliesslich lebe ich ja in ihr und nicht in der Zukunft. Diese findet nur im Kopf statt.
Heute plane ich nicht mehr so viel, wie damals. Ich lebe mein Leben in dem ich die freie Zeit mit meiner Frau geniesse. Indem ich arbeiten gehe. Aber auch wenn ich alleine bin. Ich habe gelernt, den Augenblick zu schätzen. Das JETZT. Und mich nicht an der Zukunft festzuhalten. Zu denken, dass es besser wird. Es ist schon viel besser als ich je gedacht habe. Was will ich mehr?

Montag, 3. März 2014

Asperger und der Egoismus

In der Literatur steht, dass Asperger oftmals als Egoisten angesehen werden. Dies weil sie selber nicht wissen, dass sie Asperger sind. Doch ich frage mich, ob wir die Egoisten sind, oder die Muggel. Oder ob es diesbezüglich überhaupt einen Unterschied gibt. Es es nicht eher so, das Muggel Autisten mit Vorurteilen begegnen. Sie meinen, dass wir nur an uns denken. Das wir nicht wirklich sprechen können. Das wir nicht kapieren, was wir machen sollen und dürfen. Ich denke, das ist falsch. Wir sind genau so Menschen wie die Muggel. Wir sind genau so verschieden wie die Muggel. Das verstehen aber viele nicht. Sie meinen, wir alle seinen gleich. Das könnte ich ja von den Muggel auch behaupten. Könnte sagen, dass sie alle gleich sind. Aber das sind sie ja nicht.
Der Egoismus ist etwas, was ich nicht verstehe. Ich denke nicht nur an mich. Sondern schaue immer, dass es für alle anderen passt. Ich selber komme dann halt zu kurz. Das ist die Art wie ich lebe. Nun, ich wurde und werde aber immer wieder belehrt, dass ich auch für mich schauen soll. Nur, die Frage die sich mir da stellt, ist wie? Ich weiss es nicht. Ich weiss nur, dass ich nicht einfach nur an mich denken kann und die anderen sind mir egal. Würde ich das tun, so wäre ich ein Ego. Ich kann nicht für die einen denken, und für die anderen nicht. Das geht nicht. Alles oder nichts.
Aber ich sehe die Muggel um mich herum. Haben die was Privates, dann lassen sie alles stehen und liegen. Sie sind plötzlich weg. Ihnen ist egal, ob sie noch gebraucht werden oder nicht. Ihr Interesse hat Vorrang. Das verstehe ich zum Teil, aber doch nicht ganz. Wieso sollen die immer machen können, was sie wollen, und wen ich mal was habe, geht es nicht, ist gerade nicht passend oder sonst was. Mir passiert das immer wieder. Auch heisst es, ich soll meine Bedürfnisse äusser. Gut, das kann ich tun, aber sie werden eh nicht ernst genommen. Wieso sollte ich sie also äussern?
Denn Muggel geht es immer nur im sich. Sie sehen nicht, dass es noch andere Menschen um sie hat. Sie sehen nicht, dass nicht nur ihr Interesse wichtig ist, sondern das aller. Klar, das macht die Sache nicht einfacher. Aber so ist das Leben nun mal. Wer hat je gesagt, dass das Leben einfach ist? Niemand.
Nur weil wir die Signale der Muggel nicht verstehen, ihre Gesichter nicht sehen und auch nicht verstehen was sie meinen, heisst das noch lange nicht, das wir Egoisten sind. Wir verstehen sie einfach nicht. Das wiederum verstehen die Mugggel nicht. Sie kapieren nicht, das wir nicht verstehen was sie meinen und wollen. Es ist wie eine andere Sprache. Ja eine andere Kultur. Macht uns das zu Egoisten? Nein, keines Falls.
Jeder ist sich selber der Nächste. So ein Sprichwort. Nun, das stimmt schon. Doch wir alle leben in einer Gesellschaft mit anderen zusammen. Wir alle sind voneinander abhängig. Daher kann es ja nicht sein, das jeder nur für sich schaut. Aber meine Erfahrung ist, das dem eben so ist. Das die meisten nur für sich schauen. Das es ihnen egal ist, wie es dem Gegenüber geht. Der Paradigmenwechsel, ist für mich eine Lüge und eine Erfindung der Muggel. Sie könne sich genau so wenig in eine andere Person hineinversetzen wie wir. Nur bei uns behaupten sie das das typisch Autismus sein, aber sie sehen nicht, dass sie das auch nicht können. Genau so die Empathie. Auch sie ist eine Lüge der Muggel. Auch das können sie nicht. Mit anderen mitfühlen. Könnten sie es, sähe die Welt anders aus. Sie denken an sich, nicht an die anderen. Sie wollen das was sie wollen. Wo ist das die Empathie und der Paradigmenwechsel? Ich weiss es nicht.
Ich denke, dass das alles keine so grosse Rolle spielt. Schlussendlich geht es doch darum, dass man die Menschen um einem herum so akzeptiert, wie sie sind und nicht versucht sie zu ändern. Das die Fehler des Menschen doch genau das sind, was ihn erst zum Menschen macht. Das diese auch erst die Vielfalt der Charakter ermöglicht. Wäre dem nicht so, wären alle gleich. Und ich denke, das könnte es dann auch nicht sein. Akzeptanz und Toleranz. Dies ist es doch, was die Welt braucht. Dann kann auch jeder doch ein wenig ein Egoist sein.

Freitag, 28. Februar 2014

Asperger und die Abhängigkeit

Wir sind immer von etwas abhängig. Sei es von der Arbeit, davon das uns andere so akzeptieren wie wir sind oder vom Wetter. Wie auch immer. Völlig losgelöst von allem ist niemand. Wir alle sind nicht nur von anderen abhängig, sonder sie auch von uns. Es ist eine Wechselbeziehung. Wir geben, bekommen was dafür. Die anderen geben und bekommen was dafür. Das können einfach Dinge wie eine Auskunft sein. Aber auch Wünsche oder Befehle. Die meisten versuchen, dass sie so unabhängig wie möglich sind. Sie wollen ihr Leben individuell gestalten. Für mich ist das einfach ein anderer Ausdruck für Egoismus. Heute wird er einfach Individualismus genannt.
Die Muggel nehmen die anderen nicht mehr so wahr wie auch schon. Es geht immer nur darum, was sie wollen. Sie machen andere abhängig von sich selber. Doch da das die meisten machen, entsteht eine Art Vakuum. Da jeder macht was er will, macht niemand mehr freiwillig was. Damit meine ich nicht die Freiwilligenfeuerwehr oder Samariter oder dergleichen. Nein, ich meine den Alltag. Die Muggel nehmen keine Rücksicht mehr auf niemanden. Auch ist es für sie sicher schön, wenn jemand oder viele von ihnen abhängig sind. Sie können so Macht ausüben. Können bestimmen, wer wann was bekommt. Wem sie wann was sagen.
Ich selber bin auch nicht unabhängig. Ich bin von meinem Arbeitgeber abhängig. Nicht nur wegen des Lohnes. Sondern auch wegen der besonderen Arbeitsumgebung. Ich kann nicht mehr in einem normalen Betrieb arbeiten. Das macht mich auf der einen Seite abhängig aber auch frei. Ich kann so mein Potential nutzen. Brauche keine Angst zu haben, wenn ich arbeiten fahre. Kann so sein wie ich bin und muss mich nicht verstellen. Doch eines wollte ich nach der Diagnose nicht. Mich bei der IV (Invalidenversicherung) anmelden. Ich wollte es darum nicht, weil ich nicht von denen abhängig sein wollte. Hätte ich mich angemeldet, so würden sie über mein Leben bestimmen und nicht ich. Ich müsste das tun was sie wollen. Müsste ihnen Rechenschaft ablegen. Nein, das wollte ich nicht. Ich konnte es vor der Diagnose auch ohne IV, also kann ich es auch danach. Das war meine Einstellung damals. Heute muss ich sagen, dass ich rech behielt. Ich arbeite wieder 100% und kann das arbeiten, was mir Spass macht.
Doch ich erlebe viele Asperger die von der IV abhängig sind. Sie sind abhängig von den Eltern. Vom Umfeld. Sie rechtfertigen immer alles mit dem Umfeld und was nicht passt. Dabei übersehen sie, dass sie ihr Leben selber bestimmen könnten. Das sie dafür einfach nur zu sich stehen müssten. Sich vertrauen. Ein Ziel haben. Das hat nichts mit Egoismus zu tun, sondern einfach damit, dass man ein Recht auf ein eigenes Leben hat. Ich liess mir nie sagen, was ich tun und lassen soll. Gut, sagen schon, aber es war mir egal. Ist es mir auch heute noch. Das heisst nicht, dass ich einfach mache, was ich will. Ich habe meine Frau und meine Arbeit. In beiden Fällen habe ich auch eine gewisse Verantwortung. Klar, bin ich nicht für das Leben meiner Frau verantwortlich aber dennoch, kann ich nicht einfach leben, als ob ich ein Single wäre. Das will ich auch nicht mehr. Deshalb habe ich sie auch geheiratet und ich hoffe, sie mich auch. Aus Liebe zueinander. Bei der Arbeit ist es das Selbe. Hier habe ich die Verantwortung über einige Projekte und Mitarbeiter. Da kann ich auch nicht tun, was ich will. Aber ich denke, das geht nicht nur mir so, sondern vielen. Obwohl wir von alle dem abhängig sind, macht es uns auch frei. Wir können so unser Leben gestallten wie wir wollen. Können uns auch mal was leisten. Können eine schöne Zeit miteinander verbringen. Und dies ohne, dass wir einem Amt Rechenschaft ablegen müssen. Ich verstehe nicht, wie man das manchen kann. Wie man sich in die Gewalt von solche Institutionen geben kann. Wenn es sein muss gut, aber die Frage für mich würde lauten, wie komme ich davon wieder weg. Wie kann ich wieder selber über mein Leben bestimmen, ohne dass ich abhängig von so etwas bin.

Mittwoch, 26. Februar 2014

Asperger und die Ausbildung

Wer es in unserer Gesellschaft zu etwas bringen will, der muss mindestens eine Ausbildung machen und diese auch erfolgreich abschliessen. Ich schreibe bewusst mindestens. Denn im Normalfall, reicht das heute bei weitem nicht mehr aus. Je mehr Diplome ein Mensch hat, desto besser ist. So jedenfalls kommt mir das vor. Die Muggel definieren sich nicht über sich selber, sondern darüber, welche Diplome sie haben. Was sie alles für Abschlüsse haben. Sie vergessen dabei, dass das nichts mit einem selber zu tun hat. Ein Diplom macht einem noch lange nicht zu einem guten Menschen. Es macht einem nicht einmal zu einem besseren Menschen. Für mich sind alle Menschen gleich. Mir ist es egal, was sie für Diplome oder sonst was haben. Mensch ist Mensch.
Ich denke, dass das mit den Diplomen ein Zeichen von Leistungsdruck ist. Aber auch, dass die Muggel immer mehr und mehr wollen. Sie sind nie mit dem zufrieden, was sie haben. Sie wollen immer noch mehr Ansehen. Noch mehr Bestätigung. Sie brauchen das. Sie sind stolz auf ihre Diplome. Auf ein Stück Papier. Mehr ist ein Diplom ja auch nicht.
Bei Asperger erlebe ich immer wieder, dass auch sie gute Schulen besucht haben. Doch im Gegensatz zu den Muggel, haben sie meistens die Schule nicht abgeschlossen. Sie haben kein Diplom. Das sicher auch, weil viele Probleme haben, etwas abzuschliessen, aber auch, weil sie die Prüfung extrem stresst. Nun, ich selber habe schon einges an Abschlussprüfungen hinter mir. Und für mich, gehört dieser Stress einfach dazu. Wozu hat man sonst jahrelang gelernt? Dass man im entscheidenden Moment aufgibt? Dies nur wegen einer Diagnose? Mir kommt es in den Gesprächen mit anderen Aspergern jeweils so vor.
Das aber die Diplome eine der Bedingungen sind, dass man eingestellt wird, sehen die meisten, aber sie verstehen nicht. Sie wundern sich, wieso sie nirgends angestellt werden. Wieso sie niemand haben will. Nun, ich schreibe nicht, das solche Menschen nichts können. Im Gegenteil, meine Erfahrung ist, das die sehr wohl sehr gut sein können. Sie haben einfach nicht ihre Chance gekriegt. Ich selber habe schon viele Vorstellungsgespräche auf Arbeitgeberseite erlebt. Ich schaue nie, ob jemand das Diplom hat oder nicht. Mir ist das nicht wichtig. Mich interessiert, was der Kandidat arbeitet oder gearbeitet hat. Wie er ist. Als Mensch und nicht als Diplom. Leider sehen die Muggel in den Menschen Diplome. Sie sehen Abschlüsse aber keine Menschen. Das verstehe ich nicht. Wieso sollte jemand wegen eines Diploms besser sein, als ein anderer? Vielleicht hat der ja nie ein Chance gekriegt, konnte es sich nicht leiste. Wie auch immer. Unsere Gesellschaft funktioniert so. Ob wir das wollen oder nicht.
Aber ich meine auch, dass eine gute und solide Ausbildung wichtig ist. Sie gibt einem das Gefühl, etwas zu können, wenn man will. Aber auch die Möglichkeit, sein Leben so zu leben wie man will. Oder zumindest kann man es versuchen. Im Leben passieren ja immer mal wieder Ereignisse, die einem nicht passen, aber auch solche die sehr schön sind.
Asperger die früh eine Diagnose bekommen haben, sind häufig damit beschäftigt, die richtige Ausbildung für sich zu finden. Dies aber nicht, wie die Muggel., sondern sie haben oft grosse Ansprüche an die Umgebung. Sie wollen nicht zur Schule. Wollen alles individuell machen können. Ich finde, das ist der falsche Weg. Dies weil die Schule wichtig ist. Ich brauchte Leher. Ich brauchte das sich Austauschen. Klar ist es auch ein Stress. Aber dieser Stress lies mich auch stärker werden. In den Schulen lernte ich mehr, als ich aus Büchern lernen könnte. Ich hörte den Lehrer immer genau zu. Bei den Aspergern die ich kenne, ist das nicht so. Sie wollen eine gute Ausbildung, aber nichts dafür tun. Wollen alles von zuhause aus machen. Meine Erfahrung ist, das solche Menschen es sehr schwer haben werden, wenn sie mal arbeiten wollen. Aber auch sonst im Leben. Sie lernen den sozialen Umgang nicht. Dafür ist meiner Meinung nach die Schule der perfekte Ort. Klar, ich hatte auch meine Mühen mit den Menschen in den Klassen. Aber ich hatte auch sehr viele gute Gespräche und auch Freundschaft. Wieso also auf das alles verzichten? Nur wegen der Diagnose? Hätte sie die Diagnose nicht, würden sie die Ausbildungen machen ohne zu fragen. Das jedenfalls ist meine Erfahrung. Ich weiss aber auch, dass das ein sehr heikles Thema ist. Besonders bei den Eltern. Meine Eltern haben mir damals gesagt, das ich mich zwischen einer Berufslehre und der Matura entscheiden soll. Egal für welchen Weg ich mich entscheide, abschliessen müsse ich das Begonnene. Das habe ich dann auch getan. Heute bin ich um dies sehr froh. Denn die Haltung meiner Eltern hat mir den Weg gezeigt, wie ich ein eigenes Leben aufbauen kann.

Montag, 24. Februar 2014

Asperger und die Entscheidung

Jeden Tag muss man sich entscheiden. Was man anziehen will, was essen, was im TV schauen, was auch immer. Es braucht täglich viele Entscheidungen. Und doch sind das Entscheidungen, welche wir meistens automatisch machen. Dies weil vieles Routine ist. Wir entscheiden uns also nicht wirklich, sondern nur, welche Routine wir wollen, nicht aber was genau. Das macht den Alltag viel einfacher.
Schwierig wird es für mich, wenn ich gefragt werde, was ich tun will. Was für einen Film ich sehen will, was auch immer. Ich weiss es nicht. Ich weiss es nie. Kann mich nicht entscheiden. Es gibt jeweils zu viele Möglichkeiten. Filme zum Beispiel. Es gibt tausende Filme. Wie soll ich mich da entscheiden, zumal ich nicht alle kenne. Das Dumme ist, ich weiss was gemeint ist, kann aber dennoch nicht antworten.
Ich denke, dass das ein grosses Problem von Autisten ist. Sie wissen was sie wollen, können es nicht sagen, oder aber, sich nicht entscheiden. Daher kann es passieren, das das Umfeld entscheidet. Nun, dies nicht immer so, wie man will. Aber dann NEIN zu sagen, dass kann ich auch nicht. Wieso auch? Die Entscheidung ist gefallen. Ich kann daran nichts mehr ändern. Ich weiss, dass ich es könnte. Rein nüchtern betrachtet. Aber ich kann es nicht. Ich weiss auch nicht wieso. Ich denke, dass das ein weiter Teil meiner Behinderung ist. Das das einfach zu mir gehört. Nun, für meine Frau ist da nicht immer einfach. Sie hat sich aber daran gewöhnt, und versucht das Beste daraus zu machen. Sie versucht zu erahnen, was ich will. Nun, sie liegt auch nicht immer richtig. Aber das ist nicht schlimm. Für mich ist es schön, wenn ich merke, das sie an mich denke. Versucht, dass für mich das Leben nicht so stressig wird. Nun, das Selbe versuche ich auch für sie. Ich denke mir auch immer wieder Sachen aus, damit sie es angenehm hat. Versuche ihre Situation zu verstehen. Versuche anhand dessen zu entscheiden, wie ich reagieren soll. Solche Entscheide sind nicht immer einfach. Zumal ich die Zukunft ja nicht kenne. Aber ich denke, dass wir uns in den zwei Jahren, in welchen wir jetzt dann zusammen sind, doch so einiges über einander gelernt haben. Und immer noch lernen. Das ist auch etwas, was ich sehr mag. Ich lerne meine Frau und sie mich immer besser kennen. Wir haben auch sehr viele Dinge, die wir nicht mehr entscheiden müssen, sondern nur noch Routinen abfragen. Das klingt langweilig ist es aber nicht. Es macht das Leben einfach viel angenehmer. Wir müssen so auch nicht immer viel diskutieren, was wir machen wollen. So haben wir auch mehr Zeit, die wir für einander haben, statt Zeit welche wir einfach für eine Diskussion brauchen.
Entscheidungen sind etwas, welche auch im Berufsalltag dazu gehören. Sie machen die Arbeit erst richtig spannend. Zumindest für mich. Ich kann so auch sehen, was welche Entscheidung bewirkt. Aber auch, wie sich die Firma anhand von Entscheidungen weiter entwickelt. Dieser Prozess finde ich sehr spannend. Auch kommt es immer mal wieder vor, das man eine falsche Entscheidung trifft. Nun, dann braucht es auch den Mut zu sagen, dass man einen Fehler gemacht hat. Meistens lassen sich solche Entscheide ja korrigieren. Man muss nur wollen, und nicht einfach versuchen, am falschen Entscheid festzuhalten. Das ist aber auch etwas, was ich immer wieder erlebe. Dabei ist es doch nicht schlimm. wen ein Fehler passiert. Das passiert jedem immer und immer wieder. Wobei sich die Frage stellt, was ein Fehler überhaupt ist. Das ist meistens eine Frage der Definition. Die einen sehen etwas so, die andern anders.

Samstag, 22. Februar 2014

Asperger und die Einsamkeit

Im Grunde genommen ist jeder Mensch für sich alleine. Wie jemand die Welt wahr nimmt, kann jemand anderes nicht absolut sagen. Niemand weiss auch genau, was in einem Menschen vorgeht. Jeder Mensch ist für sich gesehen, eine eigene Welt.
Und doch können die wenigsten alleine sein. Sie fürchten die Einsamkeit. Sie brauchen den Austausch mit anderen Menschen. Sie wollen wahrgenommen werden. Wollen anderen mitteilen, wie es ihnen geht. Wollen über ihre Freuden und Ängste sprechen. Wollen gemeinsam etwas erleben. Dies Gemeinsamkeikeitsgefühl ist, so glaube ich, bei den Muggel sehr stark. Wenn ich sehe, wie sie überall immer in Massen auftreten, so gibt mir dies recht. Als Asperger, kann ich das aber nicht nachvollziehen. Ich brauche nicht viele Menschen um mich. Manchmal sogar niemanden. Klar, das bauchen Muggel auch, aber ich denke, nicht so wie wir Asperger. Sie fühlen sich schnell einsam. Sie wollen einen Teil von einer Gruppe sein. Die Höchststrafe in einem Gefängnis ist die Isolationshaft. Ich denke, das hat seinen Grund. Für Muggel ist das das Schlimmste. Für mich wäre das nicht schlimm. Ich kann ohne Problem alleine sein. Einsamkeit, kenne ich nicht. Ich weiss, was es ist. Dies aber auch nur aus Gesprächen und der Literatur. Nachvollziehen, kann ich sie nicht.
Zu den wenigen Menschen, welche ich wirklich gerne im mich habe, zählt meine Frau und meine Familie. Mir macht es nichts aus, wenn ich mit ihr oder ihnen zusammen bin. Im Gegenteil, ich brauche das. Besonders mit meiner Frau bin ich extrem gerne zusammen. Aber das war es dann auch schon. Ich brauche keinen grossen Freundeskreis, wie viele Muggel. Ich muss nicht immer mit vielen etwas unternehmen. Muss nicht immer irgendwo hin. Am liebsten bin ich zu hause oder bei der Arbeit. Diese beiden Orte sind für mich so, dass ich keine Stress habe. Auch wenn nicht immer alles glatt läuft, so ist es doch nicht wie in der Welt da draussen. Diese ist mir zu stressig. Zu muggelig. Ich komme mit all dem nicht klar. Aber ich muss halt. Nur, schaue ich, dass ich so wenig Kontakt wie möglich mit der Welt da draussen habe.
Das macht mich nicht einsamer. Im Gegenteil, es ist sogar gut so. Früher hatte ich viel Kontakt mit der Welt da draussen. Auf Dauer kam das nicht gut. Ich landete in einer Klink. Heute vermeide ich alles, so gut ich kann, was mir schaden könnte.
Ich erlebe auch immer wieder, dass Asperger ohne Problem tagelang an etwas arbeiten können, ohne mit jemandem zu sprechen. Für sie ist es kein Problem, so lange sie wissen, was sie tun müssen. Ich denke, das ist es, was Muggel nicht können. Sie brauchen die Kaffepause, den Betriebsausflug. Wir bei Specialisterne, haben das alles nicht. Bei uns können, diejenigen welche gemeinsam Mittag machen wollen, das tun. Diejenigen, die das nicht wollen, eben nicht. Auch sonst, wer nicht sprechen will oder kann, der lässt es eben. Das wäre in einem normalen Betrieb nicht möglich. Da ist man schnell der Komische. Muggel verstehen so was eben nicht. Sie brauchen den Austausch. Können sich nicht vorstellen, dass das jemand nicht kann oder will.
Gehe ich in einen grosses Einkaufszentrum, so bin ich immer wieder erstaunt, wie viele Menschen es dort hat. Viele sind sicher nicht dort um einzukaufen. Sie wollen einfach mit anderen im gleichen Raum sein. Sie wollen gesehen werden, aber auch sehen. So haben sie das Gefühl dazu zu gehören. Ich brauche das nicht. Wenn ich einkaufen gehe, das kaufe ich ein. Mehr auch nicht. Anlässe, brauche ich nicht. Ich meide sie.
Einsamkeit ist etwas, das ich, wie geschrieben, nicht kenne. Ich kann mir aber gut vorstellen, das das für viele ein Problem ist. Das sie nicht lange alleine sein können. Asperger brauchen nicht viele Menschen um sich. Diejenigen, welche sie um sich habe, müssen Personen sein, denen sie vertrauen können. Die sie verstehen. Mehr brauchen wir nicht. Brauche ich nicht. Ich kann nur mit Menschen zusammen sein, die mich verstehen. Wie meine Frau. Sonst muss ich immer wieder alles erklären oder mich verstellen. Nun, das mache ich aber nicht mehr. Wieso sollte ich mich verstellen? Wieso so sein, wie die Muggel wollen? Das ergibt für mich keinen Sinn.