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Dienstag, 6. November 2012

Autismus und Teamarbeit

Sind Autisten wirklich solche Einzelgänger, wie ihnen immer nachgesagt wird? Oder sind sie vielleicht doch teamfähig?
Diese beiden Fragen sind nicht so einfach zu beantworten. So wie Autisten ihre Probleme mit Mitmenschen haben, so haben es NT's zum Teil auch. Daher ist es etwas, was den Menschen ausmacht. 
Und doch, erlebe ich in meinem Team immer wieder, dass Teamarbeit doch möglich ist. Jedoch nicht so, wie viele es sich vorstellen, wie Teamarbeit aussehen sollte.
Es wird viel diskutiert und formuliert. Das Ergebnis ist dann meistens eher mager. Denn die Arbeit als solches bleibt auf der Strecke. Nichts desto trotz ist es möglich. Ich sehe, dass sie sich gerne über die Aufgaben unterhalten die sie von mir erhalten. Was aber wichtig ist, dass sie immer wieder kontrolliert werden. Dies ist nicht böse gemeint, sonder muss einfach sein. Nur so kann ich sicherstellen, das die Arbeiten auch gemacht werden. 
Jedoch ist es so, dass nach einer Teamarbeit wieder Einzelarbeiten durchgeführt werden. Denn Teamarbeit ist extrem anstrengend. Alleine arbeiten ist, so habe ich herausgefunden, besser für Autisten. Da können sie sich besser entfalten, da die Diskussionen wegfallen. Diese sind es, welche Kopfschmerzen und Schwindel herbeiführen können. Was sehr unangenehm ist. Sich einfach auf eine Arbeit konzentrieren, ist also besser.
Dies geht, da ich für eine Stiftung arbeite, welche Autisten weiterbildet. Doch wie sieht es in der Industrie aus? Da gibt es keine Personen, welche sich mit Autisten auskennen. Für sie sind Sitzungen und Diskussionen normal, ja sogar wichtig. Ich selber, habe jahrelang so gearbeitet. Es war immer sehr anstrengend, da ich viel nicht verstanden habe. Nicht das Fachliche, nein, das Zwischenmenschliche. Denn es ging immer weniger um die Sache, als wer was wie macht. Jeder versuchte sich immer ins beste Licht zu rücken, und sich wichtig zu machen. So habe ich es jedenfalls verstanden. Ob es so war, weiss ich nicht. 
Dadurch habe ich mit der Zeit versucht, mich vor den Sitzungen zu drücken. Ich erfand immer wieder Ausreden. Irgendwann war ich dann mal wieder beim Chef im Büro. Danach konnte ich mir eine neue Stelle suchen. Klar, das war nicht nur wegen der Sitzungen. Aber ich konnte mich einfach nie richtig mit den Arbeitskollegen unterhalten. Scheinbar wirkte ich immer komisch auf sie. Fachwissen alleine reicht nicht. Es geht vielmehr um die sogenannten Soft-Skills. Also um die Art wie jemand ist. Sein Wesen. Und genau dazu gehört die Teamarbeit. Sie ist in der Industrie extrem wichtig. Niemand kann heute mehr grosse Projekte aleine bewältigen, und an alles denken. Dafür hat der Tag einfach zu wenig Stunden. Und so viel Energie hat auch kein Mensch. 
Autisten haben aber genau da Mühe. Sie wollen, oder meine, sie müssen alles alleine machen. Dann entstehen Terminverzögerungen, Fehler und Probleme. Dies alles führt früher oder später zu einem Burn-out oder einer Kündigung, oder wie bei mir, zu beidem. 
Teamarbeit ist möglich, wenn es Zweierteams sind. Dass habe ich herausgefunden. Das geht. Auch muss die Aufgabe klar eingeteilt sein. Also, wer was macht. So klappt es. Mehr als zwei Personen in einem Team, dann wird's schon schwierig.
Ich selber, arbeite am liebsten alleine. Klar, ich muss an Sitzungen. Diese sind jedoch anders, als wie gewohnt. Sie bringen mich weiter. Sie zeigen mir, was ich tun muss. Da erhalte ich indirekt meine Arbeit. Doch erledigen, tue ich sie meistens alleine. Denn so weiss ich was ich wie wann gemacht habe. Manchmal arbeite ich auch im Team. Dann sind wir aber auch maximal zu Zweit. Das geht. 
Autisten sind meiner Erfahrung nach wirklich am besten, wenn sie alleine arbeiten, sich aber mit anderen austauschen können. So entstehen immer wieder interessante Idee und Ansätze. Dies zu nutzen, wäre etwas, was ich mir von der Industrie wünschen würde.