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Freitag, 17. Januar 2014

Asperger und mein Weg aus der Depression

Niemals hätte ich mir vorstellen können, dass ich jemals eine Depression haben werde. Ich habe immer gearbeitet, studiert. Alles ohne auf mich Rücksicht zu nehmen. Das habe ich Jahrelang so gemacht. Ja, fast zwei Jahrzehnte. Immer ist alles gut gegangen. Ich habe alles gepackt. Kein Problem. Dazu kamen noch die Entlassungen. Kein Problem. So dachte ich jedenfalls. Irgendwann aber, ging nichts mehr. Dies von jetzt auf gleich. Aus.
Ich wusste nicht einmal was eine Depression ist. Wusste nur, das es sie gibt. Mehr auch nicht. Ein Psychologe hat dann eine sehr schwere Depression festgestellt inkl leichte Suizidgefahr. Also wirklich ernsthaft. Doch die Frage stellt sich nun, wie bin ich aus dem allem wieder rausgekommen?
Die Sache ist einfach. Ich war in einer Klinik. Lange, sehr lange. Da musste ich lernen, nichts zu tun. Musste lernen, auf mich zu hören. Musste lernen, mich wahrzunehmen. Alles Dinge, die mir immer schon gegen den Strich gegangen sind. Aber ich erkannte, dass das was hat. Das die Psychiater recht haben. Also hörte ich ihnen zu. Lernte von ihnen. Lernte aber das Wichtigste überhaupt. Ich bin kein Muggel, sondern Autist. Dann ist es mir wie Schuppen von den Augen gefallen. Auf einmal sah ich, was in meinem Leben wieso schief gelaufen ist. Wieso ich all die Probleme hatte. Wieso ich nirgends dazu gehörte. Wieso ich immer der Komisch und andere war.
Von da an, ging es langsam wieder aufwärts. Ich lernte viel über mich. Aber auch, wie ich das, was ich in der Vergangenheit erlebt hatte, vermeiden kann. Dieser Prozess dauerte Monate. Ja Jahre. Aber ich habe es geschafft.
Der Prozess beinhaltet einpaar, für mich wichtige Dinge. Erstens, ich durfte nicht mehr an den alten Arbeitsplatz zurück. Nicht einmal um meine Sachen zu holen. Die habe ich einfach dort gelassen. Zweitens, ich lebte plötzlich alleine. Meine damalige Partnerin hatte mich plötzlich verlassen. Ich hatte also wieder Zeit, mich auf mich und meine Zukunft zu konzertieren. Drittens, und das list sich jetzt komisch. Ich habe mit diesem Blog angefangen. Habe einfach geschrieben. Hatte kein Konzept. Nichts. Das hat mir geholfen. Heute über zwei Jahre später, schreibe ich immer noch an diesem Blog. Und es hilft mir immer noch. Zumal, er rege gelesen wird. Ich habe ja sogar ein Buch herausgebracht. All das ist das Ergebnis dessen, was ich in der Klinik gelernt habe. Sei du selbst. Erforsche, was du willst. Diese beiden Sätze, habe mich geprägt. Bis heute tun sie das.
Was aber auch wichtig ist. Ist, dass das Ganze ohne Medikament nicht möglich gewesen wäre. Ich habe lange Antidepressiva genommen. Diese haben mir geholfen, dass ich wieder klar denken konnte. Aber auch, dass ich wieder Sport treiben konnte. Was ich heute immer noch mache. Mit dem Unterschied, dass ich schon lange keine Antidepressiva mehr nehme.
Dazu kommt, dass ich meine Frau kennengelernt habe. Sie hat auch einen nicht unwichtigen Betrag an dem geleistet, was ich heute bin. Klar. da war ich nicht mehr depressiv. Aber ich habe wieder einmal meine Stelle verloren. Wusste wieder nicht, was machen. Wollte nicht wieder in die Klinik. Da kam sie wie ein Wink des Schicksals in mein Leben. Sie hat mir wieder Mut gemacht. Sie hat mir gezeigt, das so, wie ich bin, es gut ist. Ich habe dann wieder eine Stelle gefunden. Bei Specialisterne in Zollikofen. Da wo ich bis heute als Projektleiter arbeite.
Im nachhinein fügt sich alles zu einem grossen Bild zusammen. Ich bin heute glücklicher, als ich es jemals war. Ich weiss, aber auch, das der Preis dafür extrem hoch war. So hoch, dass ich ihn nicht noch einmal bezahlen kann. Daher versuche ich, dass ich neben der Arbeit genügend Ausgleich habe. Das ist nicht immer einfach. Aber ich muss mich ab und zu dazu zwingen, nichts zu tun. Genau so, wie ich es in der Klinik gelernt hatte. Das mache ich bis heute so. Und, es funktioniert immer noch.
Ich habe immer mein Burn-out vor Augen. Das ist für mich Motivation genug, dass ich es nicht noch einmal so weit kommen lassen will.

Donnerstag, 16. Januar 2014

Asperger und eine neue Arbeitsstelle

Um seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können, muss man arbeiten. Dies zumindest, wenn man niemanden hat, der einem das eigene Leben finanziert. Aber eine Arbeitsstelle zu finden, welche auch zu einem passt, ist nicht so einfach. Im Normalfall weiss man ja nicht, was einem wirklich erwartet. Was die wirkliche Arbeit ist. Alles wird immer beschönigt. So habe ich es jedenfalls immer wieder erlebt. Begann ich dann zu arbeiten, so war alles anders. Zumindest für mich. Es kann auch sein, dass ich nie verstanden habe, was die HR-Menschen gemeint haben. Da ich ja lange nicht wusste, dass ich Asperger bin, habe ich einfach Stellen angenommen ohne gross darüber nachzudenken. Manchmal war ich Jahrelang dort, manchmal nicht einmal ein Jahr. Dann kam das mit der Diagnose.
Ich erkannte, dass ich immer die falschen Stellen gehabt hatte. Dies auch der Grund war, wieso ich immer und immer wieder gekündigt wurde. Das wollte nun vermeiden. Wollte nicht wieder in die selbe Situation kommen. Doch wo eine Stelle finden, welche zu mir passt? Zumal ich ja 6 Monate Klinik hinter mir hatte. Da war an einen 100% Einstieg in die Arbeitswelt nicht zu denken. Ich durchsuchte also das Internet nach geeigneten Stellen für Asperger. Musste aber feststellen, dass es so was fast nicht gab. Specialisterne in Dänemark. Aber da wollte ich nicht hin. Also blieb mir nur noch die Schweiz übrig. Da gab es nur eine Firma. Aber durch Zufall kam ich an die Info, das Specialisterne auch in der Schweiz ist. Also bewarb ich mich dort und wurde angestellt.
Doch dann begann eine Geschichte, welche ich mir niemals hätte vorstellen können. Ich begann mich mir der Firma zu identifizieren. Begann so zu denken, als ob es meine Firma sei. Ich wusste auch, dass dies meine letzte Chance ist. Das es nicht darum geht, was ich privat mache. Sondern, wie kann ich mich in die Firma einbringen. Was kann ich dazu beitragen, dass die Firma voran kommt. Dies war und ist mir wichtig. Ich musste sehr viele Entbehrungen auf mich nehmen. Musste auf vieles verzichten. Aber es hat sich gelohnt. Und loht sich immer noch. Es war und ist nicht einfach. Aber ich denke, dass es sich für mich lohnt. Denn es geht für mich um mehr als nur um Arbeit. Es geht für mich um eine Idee, um eine Vision. Diese Vision ist, dass auch andere Asperger in einem geeigneten Umfeld arbeiten können. Wobei ich immer sage, dass wir nur versuchen ein geeignetes Umfeld zu schaffen. Der Asperger muss aber auch breit sein, Eingeständnisse zum machen. Alles kann nicht individuell eingerichtet werden. Wir sind eine Firma die Geld verdient. Die normal Arbeit zu normalen Löhnen bietet. Daher ist der Anspruch schon, dass die Menschen die für uns arbeiten auch breit sind sich einzubringen. Dies ist mir wichtig. Es geht nicht darum, dass man einfach arbeitet. Sondern auch seinen Beitrag dazu leistet. In Form von Ideen oder speziellen Fähigkeiten. Es geht nicht darum, dass wir einfach Menschen mit einer ASS Diagnose anstellen, nur weil sie eine Diagnose haben. Aber wir hören uns diese Menschen an. Beurteilen sie nicht einfach nur nach ihrem CV. Dieser ist einfach eine zu Papier gebrachte Arbeitsbiographie. Mehr auch nicht. Mich interessiert der Mensch dahinter. Was kann er wirklich. Was ist er auch bereit zu leisten. Was braucht er, damit er leisten kann. Was will er überhaupt. Das geht nur in einem Gespräch. Das geht nur, wenn die Kandidaten unsere Firma sehen. Mit uns sprechen. Sagen was sie wollen.
Einen neue Arbeitsstelle ist auch immer ein Risiko. Klar, aber das gehört meiner Meinung zum Leben. Ich denke aber auch, wenn jemand weiss, was er kann, dann kann er sich auch auf sich verlassen. Weiss, das er was leisten kann und auch will.
Ich denke, dass es wichtig ist, das Asperger ein Umfeld haben welches sie versteht. Welches auf sie eingehen kann. Aber der Asperger muss auch breit sein, dass nicht immer alles so ist wie er sich das vorstellt. Muss auch breit sein mal auf was zu verzichten. Für mich ist das ein Geben und Nehmen. Jeder kann etwas zur Firmenkultur beitragen. Immer so wie er vermag. Wer sich nicht einbringt oder bringen kann, wird ich ausgeschlossen. Er kann es einfach nicht. Das geht auch in Ordnung. Jeder soll das einbringen, was er kann und will. Und vielleicht entdeckt dann der eine oder andere Fähigkeiten an sich die er nicht gekannt hat. Von denen er nicht wusste, das er sie hat. Eine neue Arbeitsstelle ich auch immer der Beginn von etwa neuem. Ist auch immer ein Chance. Nur packen sollte man sie. Mut haben, sich und sein Leben verändern zu wollen.

Dienstag, 14. Januar 2014

Asperger und die NT-Beziehung

Normal ist, das sich zwei NT's verlieben. Sie gehen eine Beziehung ein. Sie mag halten oder nicht. Manchmal hält sie nur eine Nacht, manchmal das ganze Leben. Aber es sind immer NT's. Die Muggel kennen die Spielregeln nach der eine Beziehung funktioniert. Sie wissen auf welche Signale sie achten müssen. Oder meistens. Sie schauen einander in die Augen. Sie geben mit der Körperhaltung dem anderen zu verstehen, das sie an ihm interessiert sind.
Asperger können diese Signale nur schwer lesen. Sie kennen sie meistens nicht, oder sehen sie nicht. Da wird es schwierig, eine Beziehung einzugehen. Dies, weil die Sprache dazu fehlt. Aber es ist nicht unmöglich. Viele Asperger haben eine Beziehung. Zum Teil schon seit Jahren. Sie Frage ist nur, wie geht es dem Partner. Dieser wird meistens nicht gefragt wie es ihm geht. Mit der Zeit stellt sich aber eine gewisse Selbstverständlichkeit ein. Man geht einfach davon aus, das der Partner halt so ist.
Doch wenn dann die Diagnose dazu kommt, dann kann alles plötzlich anders aussehen. Der Partner erkennt, dass der Partner mit welcher er zusammen ist, nicht die Person ist, die man geglaubt hatte. Die Folge ist, das man verlassen wird.
Ich kenne das nur zu gut. Ich weiss, was es heisst, wegen der Diagnose verlassen zu werden. Ohne wenn und aber. Plötzlich war ich wieder alleine.
Doch ich habe meinen Mut zusammen genommen und einem Date, welches ich hatte, gesagt, dass ich Asperger bin. Sie hat das nicht gross interessiert. Sondern sie meinte nur, dass ich, so wie ich bin, vollkommen in Ordnung sein. Das das Asperger eine Diagnose sei, aber sie sich nicht darum kümmere. Sie akzeptiere mich so, wie ich sei. Nun, das klingt unglaublich. Ist aber wahr. Diese Person, ist niemand anders als meine Frau.
Damit die Beziehung aber für beide Seiten funktioniert, ist es wichtig, dass man auch über sie spricht. Das jedes seine Bedürfnisse äussern kann. Wir beide waren und sind uns in einem Punkt einig. Wir ziehen nicht zusammen. So hat jedes noch sein Reich. Seine Rückzugsmöglichkeit. Dies ist uns beiden wichtig. Aber trotz allem, kann es auch mal zu einem Missverständnis kommen, oder man weiss nicht wie reagieren. Aber wir besprechen das dann auch immer gleich. So bleibt nichts einfach so in den Gedanken. Sondern wir helfen einander den anderen besser zu verstehen. Eine Beziehung ist auch immer Arbeit. Wir beide mögen diese Arbeit. Denn wir sind uns nicht nur wichtig, sondern wir lieben uns ja auch. Ich denke, dass die Liebe der Schlüssel zu allem ist. Denn sie ermöglicht es erst, dass auch Asperger und NT's eine Beziehung eingeben können. Es braucht aber sehr viel mehr Toleranz vom NT als vom Asperger. Denn wir können nun mal nicht so gut kommunizieren. Oder wir sehen die Signale nicht.
Meine Frau erklärt mir auch viel. Sie zeig mir auch mal eine Mimik oder weiss mich auf was hin. Dies alles merke ich mir. Es ist wie eine Sprache. So trage ich meinen Teil für die Beziehung bei.
Ich sage immer, das es nicht wichtig ist, was jemand in eine Beziehung einbringt. Wichtiger ist, DAS er überhaupt was einbringt. Es geht nicht um das Werten. Wer bringt mehr ein. Wer macht mehr. Nein,  es geht darum, dass jedes das einbringt was es kann und auch will.
Ich kann mir heute ein Leben ohne meine Frau nicht mehr vorstellen. Will es auch nicht. Für mich ist sie die Bereicherung meines Lebens. Sie macht mein Leben erst richtig lebenswert. Meine Frau ist eine NT ich ein Asperger. Die Beziehung funktioniert, weil wir uns auch gegenseitig Raum zum Leben geben.

Montag, 13. Januar 2014

Asperger und Missverständnisse

Kommunikation ist so eine Sache für sich. Unter Muggel klappt sie meistens ohne Probleme. Sie haben Regeln, welche sie nicht kennen, aber dennoch gebrauchen. Sie verständigen sich mit Worten, aber auch mit Gesten. Für sie sind die Signale klar.
Kommunikation mit einem Asperger ist da nicht ganz so einfach. Im Gegenteil. Es fallen viele Signale weg und werden aber auch nicht erkannt. Das macht das kommunizieren mit einem Autisten nicht einfach. Die Muggel sind es gewohnt, das man ihnen in die Augen schaut. Dass man sie anschaut. In einer bestimmten Zeitspanne antwortet. Sie können das alle meistens nicht benennen. Aber es ist für sie komisch, wenn etwas oder alles fehlt. Wenn das Gegenüber nicht reagiert, wie erwartet. Wenn es Antworten gibt, die scheinbar nicht zum Thema passen. Aber bei genauem Überlegen, doch. Das sind die Muggel nicht gewohnt.
Nun, da die meisten Bewohner dieser Erde Muggel sind, ist es für uns Autisten nicht einfach in dieser Welt. Wir müssen uns durch den Alltag kämpfen. Müssen arbeiten. Wie die Muggel auch. Nur, das an jeder Ecke eine Problem lauert.
Ich bin ständig damit konfrontiert. Muss immer aufpassen, was ich sage. Muss mich erinnern, was die Norm ist. Aber das gelingt mir nicht immer. Und wenn, dann nur für einpaar Minuten. Danach wird es schwierig, da das Ganze sehr viel Konzentration braucht. Es ist wie mit einer Fremdsprache. Nur, dass im Alltag die Hände, das Gesicht und der Körper noch gebraucht werde. Diese Signale sehe ich nicht. Ich stehe manchmal einfach da, und jemand spricht mich an. Ich reagiere nicht. Stehe einfach da. Das irritiert die Muggel. Ich mache das aber nicht extra. Nein, ich sehe sie nicht. Sehe nicht, was sie wollen. Dies hat sicher auch damit zu tun, dass ich wenn ich unterwegs bin, Musik höre. Dies, weil ich den Lärm der Welt nicht ertrage. Den Lärm im Zug. All das ist für mich sehr stressig. Nur wenn ich Musik höre, geht es ohne Probleme. Ich kann mich so durch die Welt bewegen, als ob nichts wäre. Ich sehe die Welt nicht einmal richtig.
Muss ich an einen Ort, den ich nicht kenne, dann wird es schwierig. Ich muss sehr viel schauen. Sehe dann die anderen, wie die sich bewegen. Das ist anstrengend.
Wie auch immer, die Missverständnisse sind so vorprogrammiert. Ich bin schon immer der Komische gewesen. Damit kann ich heute gut leben. Ich weiss ja wieso. Aber ich habe mit der Arbeit nie Glück gehabt. Habe mich immer wieder zurückgezogen. Habe mich nicht ausdrücken können.
Heute kann ich es. Dies aber nur, weil ich in einem Umfeld arbeite, welches mit Autisten sehr gut umgehen kann. Dies weil ich so sein kann wie ich bin. All die Normen fallen da weg. Ich kann sprechen, wie ich spreche. Und muss mich nicht verstellen. Dies ist sicher auch ein Problem von Asperger. Das sich immer verstellen müssen. Das ist auf die Dauer sehr anstrengend. Das kann, wie bei mir, zum Zusammenbruch führen. Immer so zu sein, wie die anderen. Das geht nicht gut.
Zudem konnte und kann ich eines nicht. Wie ein Muggel sprechen. Ich kann deren Sprache ein wenig. Aber nicht viel. Damit meine ich nicht das Deutsch. Sondern das Nonverbale. Das was gemeint ist, wenn etwas anderes gesagt wird. Das erkenne ich nicht. Das kann ich auch nicht. Was ich sage, ist das, was ich meine. Das führt aber manchmal auch wieder zu Missverständnissen. Denn die Muggel meinen, dass ich etwas anderes meine, als das was ich gesagt habe. Das alles macht das Leben nicht einfacher.
Aber ich denke, wenn das Gegenüber weiss, wie man tickt, so geht es ohne Probleme. Es braucht einfach Geduld und Verständnis. Dann klappt es auch mit der Kommunikation.

Samstag, 11. Januar 2014

Asperger und das Sichzurückziehen

Jeder lebt für sich und doch ist er nicht alleine. Wir alle haben jeden Tag mit anderen Menschen zu tun. Meistens sind das Muggel. Muggel kennen im Normalfall nichts anderes, als mit anderen Muggel zusammen zu sein. Sie brauchen den Austausch mit anderen Muggel. Doch auch sie wollen nicht immer mit anderen zu tun haben. Sie wollen auch mal alleine sein. Sie wollen auch mal ihr Ding machen können. Dabei nehmen sie auch keine Rücksicht, ob das dem Umfeld passt oder nicht. Verstehen tue ich das. Denn jeder Mensch sollte über sein eigenes Leben bestimmen können und dürfen. Es kann nicht sein, das jemand versucht einem zu sagen, was man darf und was eben nicht.
Ich erlebe es immer wieder, dass ich mich, wenn mir alles zuviel wird, mich einfach zurückziehe. Das dann aber so, dass ich aus allem raus bin. Ich spreche mit niemandem mehr. Telefoniere nicht mehr. Schreibe keine EMails. Einfach keine Kommunikation mehr.
Asperger, das erlebe ich immer wieder, können sich viel stärke von der Welt zurückziehen, als Muggel. Sie können, wenn ihnen die Arbeit oder sonst was zu viel wird, sich einfach nicht mehr melden. Sie erscheinen einfach nicht mehr am Arbeitsplatz. Sie melden sich einfach krank. Sie sind nicht erreichbar. Ihnen ist es egal, ob sie gebraucht werden oder nicht. Sie sind dann einfach nicht zu erreichen. Das verstehe ich. Aber ich denke, dass das auch seine Schwierigkeiten mit sich bringt. Wer arbeitet, der sollte zuverlässig sein. Sollte erscheinen. Sollte seine Arbeit machen. Klar, gibt es Tage, an welchen man mehr leisten mag, als an anderen. Aber das Mindeste ist, erscheinen. Nicht einfach aufgeben und nicht erscheinen. Das ist etwas, was ich mache. Auch wenn ich nicht mehr kann oder mir alles zuviel wird, so fahre ich dennoch zur Arbeit. Mir ist sie viel zu wichtig, als dass ich einfach zuhause bleiben könnte. Aber das sehen nicht alle so.
Sich zurückziehen ist aber wichtig. Nur so kann man wieder neue Kraft tanken. Nur so kann man seine Gedanken ordnen. Denn die Welt ist für mich, sehr stressig. Die Muggel sind sehr anstrengend. Dauernd wollen sie was. Dauern machen sie was komisches. Zudem bewegen sie sich komisch. Sie sind laut und hektisch. Mir wird das manchmal zuviel. Ich muss dann aus allem raus. Fahre mit dem Auto zur Arbeit, statt mit dem Zug. Gehe nicht einkaufen. Meiden die Muggel wo ich kann. Ich ziehe mich so von der Welt zurück. Gut ist, dass ich mich sehr schnell wieder erholen kann. So kann ich meinen Alltag dann wieder aufnehmen und muss nicht einfach warten, bis ich wieder kann.
Ich mag es aber auch, wenn ich mit anderen Muggel oder auch Autisten arbeiten kann. Aber nur dann, wenn es nicht zu viele auf einmal sind. Mehr als 5 Personen in einem Raum, und ich gehe raus. Ist der Raum noch zu hell, dann ist es zu Ende. Ich gehe raus. Einfach nur warten, bis ich endlich gehen kann, dass mache ich nicht mehr. Wenn es aber die Umstände nicht zulassen, so warte ich ab. Ziehe mich in mich zurück. Das mache ich nicht, weil ich es will, sonder mache es automatisch. Ich kann das nicht steuern. Es ist einfach so. Ich denke, dass die Muggel das nicht wirklich verstehen können. Aber sie können es lernen. Den wer mit Autisten arbeitet, der wird sehr schnell mit dem Problem des Sichzurückziehens konfrontiert werden. Das führ dann immer wieder zu Probleme und Spannungen. Aber verstehen es die Muggel, so klappt es ohne Probleme. Was es braucht, ist Verständnis und Geduld. Das ist das, was Asperger am meisten brauchen. Kriegen sie dies, so können sie auch zeigen, was sie können. Auch wenn sie nicht immer gleichviel tun können, so ist ihre Leistung doch meistens sehr gut.
Geduld und Respekt. Aber auch Vertrauen, das wir was können ist wichtig. Doch auch wir müssen uns selber vertrauen können. Müssen wissen, was wir können und was nicht. Stimmt das Umfeld, so können wir mehr, als wir denken. So ist es jedenfalls bei mir.

Donnerstag, 9. Januar 2014

Asperger und andere verstehen

Immer mal wieder höre ich den Satz: "Ich verstehe dich,..." Nun, ich verstehe im Normalfall auch, was mir gesagt wird. Dies weil ich die Sprache verstehe. Aber begreifen und nachvollziehen können, das ist eine andere Sache. Im Normalfall tue ich so, als ob ich das Gesagte verstehen würde. Ich muss mir meistens überlegen, was gemeint sein könnte. Manchmal begreife ich das Gesagte auch erst Stunden später.
Doch für mich ist das normal. Ich lebe schon seit ich lebe, damit. Bis jetzt bin ich gut durch das Leben gekommen. Klar, gibt es immer mal wieder Missverständnisse. Aber die gehören auch bei den Muggel zum Alltag dazu.
Jedoch ist es für mich nicht nachvollziehbar, wenn ich etwas nicht kenne oder selber erlebt habe. Dann verstehe ich ganz und gar nicht. Ich warte dann einfach ab, bis das Thema durch ist. Bis das Gespräch wieder mit etwas zutun hat, das ich kenne.
Ich kann mich auch nicht in die Lage anderer versetzen. Empathie kenne, weiss aber nicht, was es ist. Wenn sich zwei streiten, so ist mir das egal, solange ich nichts damit zu tun habe. Ich empfinde dabei nichts. Freuen sich Menschen, und ich weiss nicht wieso, oder es hat nichts mit mir zu tun, so es es das Selbe. Ich empfinde nichts. Das heisst nicht, dass ich nichts empfinden kann, sondern nur, das ich mich nicht in die Lage der anderen versetzen kann. Ich verstehe sie nicht.
Lange habe ich auch nicht verstanden, was mit "verstehen" gemeint sein könnte. Wie Oben erwähnt, hat verstehen nichts mit der Sprache zutun, sondern mit dm nachvollziehen. Mit dem nachempfinden. So jedenfalls, verstehe ich das. Es ist nicht immer einfach für mich, zu erraten, was das Gegenüber will. Was wirklich gemeint ist. Vieles weiss ich aus Erfahrung. Entsteht aber eine Situation, die ich nicht kenne, weiss ich nicht was machen. Das kann ab und zu vorkommen. Denn im Leben geht ja nicht immer alles gleich. Jeder Tag hat so seine eigenen Überraschungen. Immer muss ich mich neu auf den Tag einstellen. Mit macht das nichts aus. Aber es ist auf die Dauer anstrengend. Deshalb bin ich auch jeweils froh, wenn Wochenende ist. Nicht, weil ich nicht gerne arbeite, sondern weil ich dann weiss, was mich erwartet. Ich muss auch nicht pendeln. Weiss was mich erwartet. Wenn ich arbeite, weiss ich nie, was der Tag bringt. Immer ist er eine Überraschung. Dies macht aber zugleich auch den Reiz meiner Arbeit aus.
Ich bin froh, dass ich mit Menschen arbeite, die mich verstehen. Dies war nicht immer so. Die hat mir viele Probleme eingebracht. Heute kann ich so sein, wie ich bin. Klar, kann ich nicht machen was ich will. Aber das will ich auch nicht. Wenn ich etwas nicht verstehe, dann frage ich einfach nach. Oder aber ich werde gefragt, ob ich es verstanden habe. Das ist in der normalen Arbeitswelt nicht so. Klar, dort kann man auch fragen, aber nicht zu viele. Sonst wird man schnell zum Idioten und wird irgendwann entlassen. Muggel verstehen nicht, dass es Mensche gibt, die mit Dingen Probleme haben, die sie einfach können. Dafür können wird Dinge, die sie nicht können. Doch einander zu verstehen, das ist die Kunst. Auch wenn Muggel sagen, sie verstehen uns, so verstehen sie meistens nicht. Dies ist zumindest meine Erfahrung. Muggel meinen, dass sie immer alles verstehen müssen. Sie sind es so gewohnt. Aber auch mal zu sagen, das man es nicht verstanden hat, das können die wenigsten. Ich konnte das auch lange nicht. Aber heute, kann ich es. Ich habe gelernt, nachzufragen.
Fragen ist immer noch die beste Methode, um Missverständnisse zu vermeiden. Es kostet nichts, zu fragen. Fragen ist nicht immer einfach. Aber ist eine Frage der Übung und des Sichgetrauen.  So klappt es mit dem einander verstehen besser.

Dienstag, 7. Januar 2014

Asperger und die Körperwarhrnehmung

Der Körper ist das, was uns mit der Aussenwelt verbindet. Er ist das, womit wir die Welt wahrnehmen können. Womit wir kommunizieren können. Der Körper gibt uns auch Signale in Form von Emotionen und Gefühlen.
Ich selber wusste jahrelang nichts davon. Für mich war mein Körper einfach mein Körper. Ich wusste nichts von Körperwahrnehmung, Gefühlen. Wusste nicht, was das ist. Gut, heute weiss ich was es ist. Theoretisch. Praktisch aber nicht. Ich versuche mich in verschiedenen Situationen wahrzunehmen um zu erkennen, was welche Situation bei mit auslöst. Meist komme ich zum Schluss, nichts. Das ist nicht viel, aber es ist das, was ich kenne. Ich bin nun mal so. Auch habe ich eine Eigenschaft nicht, welche viele Menschen haben. Ich kann die Umgebung mit meinem Körper nicht wahrnehmen. Das heisst, ich merke keine Wände oder andere Personen, wenn sie neben mir sind. Mir war das gar nicht bewusst, dass es anders sein könnte. Das man die Welt über die Haut wahrnehmen könnte. Das ist auch der Grund, wieso ich immer wieder in Gegenstände oder andere Menschen knalle. Ich nehmen sie nicht wahr. Ich sehe sie, aber ich sehe sie doch nicht. Zudem habe ich kein räumliches Sehen. Das ist nicht schlimm. Zumindest so lange nicht, bis ich erfahren habe, das es auch anders geht.
Als ich erkannt habe, das ich fast keine Körperwahrnehmung habe, habe ich mir überlegt, wie ich meinen Körper trotzdem wahrnehmen könnte. Nun, die Antwort darauf ist ganz einfach. Sport. Krafttraining um genau zu sein. Nicht extrem, aber jeden Tag. So kann ich meinen Körper doch wahrnehmen. Aber das gelingt mir nur, wenn ich nicht zu sehr gestresst bin. Bin ich gestresst, nehme ich nichts mehr wahr. Ich sehe dann auch nicht mehr viel. Lebe dann in einer sehr eingeschränkten Welt. Das geht nach einiger Zeit wieder vorüber, ist aber trotzdem jedesmal mühsam.
Zudem kann ich meinen Körper nur dann wirklich wahrnehmen, wenn ich ihn wirklich belaste. Wie mit Hanteln oder sonst einer Tätigkeit, welche meinen Körper voll braucht. Aber trotz alldem, kann ich immer noch nicht meine Umwelt wahrnehmen. Das ist für mich nicht mühsam, da ich es nicht anders kenne. Aber für meine Frau schon. Sie muss mir immer wieder sagen, dass ich nicht so schnell gehen soll. Dass sie neben mir ist. Ich kann sie nicht wahrnehmen. Das ist auch der Grund, wieso ich immer Berührung mit ihr haben muss, wenn wir unterwegs sind. So weiss ich immer wo sie ist.
Sie hat sich so hoffe ich aber, an das gewöhnt. Zumindest, kann sie damit umgehen. Aber wenn ich mit anderen Menschen in einem Raum bin, die mich nicht kennen, wird es schwierig für mich. Ich muss mich immer achten, wo sie sind. Muss immer schauen, dass ich sie nicht berühre. Dass ich nicht in sie hineinlaufe. Das alles ist echt mühsam. Ist aber so. Früher habe ich mir keine Gedanken darüber gemacht. Heute da ich das alles weiss, mache ich mir sehr wohl Gedanken. Mit geht es dabei nicht um die anderen. Sondern darum, dass ich, wenn immer möglich Berührungen vermeiden will. Nur bei meiner Frau nicht. Sie ist die Einzige, welche mich berühren darf. Sonst mag ich das überhaupt nicht. Ich erschrecke mich auch jedesmal. Kann sogar ausrasten.
Früher, als ich das alles nicht wusste, hatte ich weniger Stress. Heute, da ich das alles weiss, habe ich mehr Stress. Es ist also nicht immer gut, Dinge über sich zu wissen. Manchmal kann das auch hinderlich sein. Manchmal kann das nervig sein. Aber dennoch ist es gut, dass ich das alles weiss. So mache ich wieder Sport. Dies kommt meiner Gesundheit zu Gute. Zudem lebe ich so bewusster. Ich ernähre mich auch anders, seit ich das alles weiss. Immer mit dem Fokus auf meine Körperwahrnehmung. Immer damit ich wenigsten ein wenig meinen Köper merken kann. Der Weg dahin, war jedoch weit. Ich habe viel ausprobiert. Musste mir auch ein Hantel-Programm zusammenstellen, welches nicht länger als 15-20 Minuten dauert. So dass ich das jeden Tag machen kann. Würde es länger dauern, so würde ich es nicht machen.
Körperwahrnehmung ist für mich wichtig geworden. Dies weil ich erkennen musste, dass nicht nur der Verstand zählt. Dass ich nicht nur ihr trainieren muss, sondern eben auch meine Körper. Klar, ich habe nie keinen Sport gemacht. Aber nie so bewusst wie seit etwa zwei Jahren. Zudem macht es mir auch Spass, mit meinem Körper zu arbeiten. Ode besser geschrieben, an meinem Körper. Mit meinem Körper. Es ist für mich eine neue Erfahrung.

Sonntag, 5. Januar 2014

Asperger und das Ferienende

Nun ist es wieder so weit. Meine Ferien neigen sich dem Ende zu. Ich denke, dass ich nicht der Einzige bin, der Morgen wieder arbeiten gehen darf oder muss. Viel werden es mir sicher gleich tun. Ferien sind für mich nicht nur zum erholen da, sondern, dass ich wieder das machen kann, was ich will. Ich muss nicht müssen. Muss nicht machen, was andere wollen. Muss keine Leistung bringen. Kann einfach sein.
Die Umstellung wird mir aber leicht fallen. Morgen werde ich einfach wieder zur Arbeit fahren. Werde einfach wieder mit der Arbeit beginne. Wie wenn nichts gewesen ist. Ich freue mich sogar auf auf die Arbeit. Für mich ist es ja nicht nur Arbeit, sondern ich sehe ja auch einen Sinn darin. Ich kann anderen Menschen mit Asperger zeigen, dass sie auch was können. Kann ihnen helfen, sich im Leben zurecht zu finden.
Jedoch wird das für viele von uns morgen schwierig werden. Sie werden wieder aus ihrem Alltag herausgerissen. Müssen wieder aufstehen. Müssen wieder zu uns fahren. Müssen wieder machen, was wir sagen und wollen. Sie werden damit am Anfang wieder ihre Schwierigkeiten haben. Ich denke, dass das bei Asperger extremer ist, als bei den Muggel. Sie fahren zu Arbeit und beginnen einfach wieder  mit der Arbeit. Klar hätten sie lieber Ferien. Aber für sie gehört das einfach dazu.
Asperger, das habe ich schon einige Male erlebt, brauchen recht lange, bis sie wieder realisiert haben, dass sie arbeiten sollen. Das sie nicht mehr machen können, was sie wollen. Das ist aber nicht schlimm. Wir von Specialisterne wissen das. Wir können damit umgehen.
Für mich ist das Ferienende aber auch wieder ein Beginn. So viele Ferien habe ich ja nicht. Somit sind die Ferien für mich was Besonderes. Aber ich bin auch wieder froh, wenn ich arbeiten kann. Sie gibt meinem Leben eine Struktur. Ich mache zwar auch gerne was ich will, aber mit fehlt dann die Struktur. Diese habe ich nur, wenn ich arbeite. Zudem macht mir meine Arbeit Spass. Ich sehe einen Sinn darin. Für mich ist arbeiten auch darum gut, weil ich weiss, wie es ist, ohne sie zu sein. Arbeitslos war ich viele Male. Ich weiss wie es ist, wenn man nicht mehr weiss, wie die Rechnungen bezahlen. Wenn jeder Tag gleich ist. Wenn man nicht mehr weiss, wie die Zeit rumbringen. Da ist mir die Arbeit viel lieber. Ich kann so am Ende des Monats meine Rechnungen bezahlen. Kann mir so mein Leben finanzieren und bin nicht auf jemanden angewiesen. Das ist es doch, wieso man arbeitet. Wieso man sich das antut. Damit man sein Leben unterhalten kann. Fehlt aber der Sinn, so wird es schwierig. Ich habe viele Arbeiten gemacht, welche mir zuwider waren. Wollte immer, dass endlich zu Ende gehen. Noch bevor ich damit begonnen hatte. Wieso ich das dennoch gemacht habe?  Nun, ich musste meine Rechnungen bezahlen.
Heute kann ich nicht nur meine Rechnungen bezahlen. Ich kann sogar sagen, dass ich gerne arbeite. Das ist neu für mich. Seit zwei Jahren bin ich jetzt bei Specialisterne und ich bin nicht ein einziger Tag nicht gerne zur Arbeit gefahren. Das ist es, was für mich ein guter Arbeitsplatz ausmacht. Ich muss nicht hinfahren, ich darf. Das ist für mich ein riesen Unterschied.

Freitag, 3. Januar 2014

Asperger und das eigene Leben

Für viele ist es normal, dass sie ein eigenes Leben haben. Das sie Familie haben. Das sie alleine wohnen. Egal, sie bestimmen mehr oder weniger, wie ihr Leben aussieht. Sie bestimmen.
Ich mache das seit ich 17 bin auch. Bestimme selber, was ich mache. Wohin ich gehe. Wo ich wohne. Ich wollte nie, dass jemand bestimmt, was ich machen muss. Wollte nie jemandem Rechenschaft ablegen müssen, für das was ich mache.
Jedoch erlebe ich, das es andere Asperger gibt, die das nicht können. Sie wollen zwar, aber wissen nicht wie. Sie sind sich auch der Verantwortung nicht bewusst, was es heisst, für sich selber zu sorgen. Sie sind es gewohnt, das für sie alles erledigt wird. Das immer jemand ihre Probleme löst. Lebt man alleine, so gibt es vieles zu bedenken. Das Wichtigste aber ist, dass man ein regelmässiges Einkommen hat. Dafür muss man jeden Tag aufstehen und arbeiten gehen. Das sehen viele nicht ein. Klar, gibt es auch solche, die das können. Klar gibt es eigenständige. Doch sehe ich viele, die das nicht können. Die nicht einsehen, was das alles soll. Sie sagen dann, dass sie das nicht interessiert. Dabei hat das mit Interesse nichts zu tun. Sondern mit Eigenständigkeit. Mit dem selber über sein eigenes Leben bestimmen.
Ich lebe jetzt schon seit Jahren alleine. Habe meine eigene Wohnung. Das wird sich auch so schnell nicht ändern. Ich brauche auch meine Freiheiten. Klar. Aber ich lebe ja nicht ganz alleine. Auch wenn meine Frau nicht bei mir wohnt, so lebe ich doch in einem gewissen Sinn mit ihr. Ich kann machen was ich will. Aber doch nicht ganz. Das will ich auch nicht. Mir ist die Beziehung zu wichtig. Zudem ist es schön, jemanden an der Seite zu haben, der einem so liebt, wie man ist. Das gehört für mich auch zum eigenständigen Leben dazu. Einfach nur alleine zu sein, ist nicht mein Ding. Ich brauche jemanden, mit dem ich mein Leben teilen kann.
Viele Asperger sind es gewohnt, dass sie nur das machen, was sie interessiert. Sie sind sich nicht bewusst, was das für die Gesellschaft heisst. Was das für Kosten sind. Sie sind einfach. Wollen das machen, was sie wollen. Nun, ich sage denen immer, dass sie sich für ein eigenständiges Leben interessieren sollen. Für eine gute Ausbildung. Für Arbeit und eine Beziehung. Das sollte ihr Interesse sein. Den so habe ich es gemacht. Ich habe das einfach zu meinem Interesse erkoren. Das ist bis heute so. Das ermöglicht mir bis heute, dass ich eigenständig leben kann.
Arbeit bedeutet nicht nur Stress sondern auch Unabhängigkeit. Ich kann dank dem was ich verdiene, selber bestimmen wie ich mein Leben gestalte. Klar, immer innerhalb dessen, was ich verdiene. Aber das ist in Ordnung so. Das eigene Leben zu haben ist für mich das, was ich immer wollte. Eine Arbeit zu machen, die zu mir passt. Nun, dafür brachte ich viele Jahre um diese zu finden, aber ich habe sie gefunden. Ich kann mit anderen Autisten arbeiten. Kann in einer Umgebung arbeiten, die zu mir passt. Ich bin sehr auf das richtige Umfeld angewiesen. Ohne dieses, könnte ich nicht das leisten, was ich kann. Ich würde nach einiger Zeit wieder entlassen werden. Dies, weil mich die Muggel nicht verstehen.
Meine Frau, ist für mich das Wichtigste in meinem Leben. Sie gibt mir die Kraft die ich brauche. Aber auch die Liebe, die ich brauche. Dank Ihr habe ich wirklich ein eigenes Leben. Auch wenn ich es mit ihr teile, so ist es doch ein eigenes Leben. Ich will es ja so.
Das eigene Leben ist für viele Asperger nicht vorstellbar. Wenn ich ihnen erzähle, was es alles braucht, so sind sie schockiert. Ich sage ihnen immer, dass das nicht so schlimm ist. Schliesslich entsteht das ja Schritt für Schritt. Je jünger man ist, desto besser. Je älter man ist, desto schwieriger wird es. Man hat sich an das bequeme Leben gewöhnt. Das einem immer jemand schaut. Dass man nichts selber machen muss.
Ich denke, dass es wichtig ist, Eigenverantwortung zu übernehmen. Für sich selber zu schauen. So muss man niemandem Rechenschaft ablegen. Kann selber bestimmen. Das ist es, was viele wollen, aber sich nicht getrauen oder nicht wissen wie. Ich wusste es damals auch nicht. Habe es einfach gemacht. Mit der Zeit hat sich gezeigt, was funktionier, und was eben nicht. Es war ein ausprobieren. Mal klappt was, mal eben nicht. Das ist nicht schlimm. Aber zuerst alles durchzudenken zu wollen, damit wird es nicht klappen. Immerhin geht es um das eigene Leben. Das ist viel zu komplex, als das man sich alles Mögliche vorstellen könnte. Einfach machen und sehen was passiert. Das ist mein Motto.

Mittwoch, 1. Januar 2014

Asperger und das Lieben

Jeder Mensch will geliebt werden. Will jemanden an seiner Seite haben. Will verstanden werden. Das Leben jedoch verläuft nicht immer so, wie man es denkt. Beziehungen kommen und gehen, Mal halten sie länger, mal nicht. Aber es gibt auch die Liebe, welche hält. Nicht immer muss eine Beziehung wieder in die Brüche gehen. Sie kann auch halten. Dass das so bleibt, dafür braucht es beide. Stimmt für eines die Beziehung nicht mehr, so wird sie nicht mehr lange halten. Fühlen sich aber beide verstanden und geborgen, so kann sie ein Leben lang halten.
Ich war lange auf der Suche nach der Passenden. Der Frau, die mich so liebt wie ich bin. Die Frau, die ich so lieben kann, wie ich eben kann. Aber ich habe sie doch gefunden. Für mich ist das immer noch ein Wunder. Auch nach über 1,5 Jahren. Ist es ein Wunder. Ich weiss, das ist noch keine lange Zeit. Aber es ist immerhin was.
Ich werde auch ab und zu gefragt, ob Asperger lieben können. Nun ich stelle die Frage anders. Können Muggel lieben? Ich denke, dass es nicht eine Rolle spielt, ob man Asperger oder Muggel ist. Der Mensch spielt eine Rolle. Wir alle sind zuerst Menschen. Der Rest ist Definitionssache. Asperger können meiner Meinung nach, genau so lieben wie Muggel. Ich liebe meine Frau sehr. Ich denke, dass ich nie jemanden mehr geliebt habe, als sie. Wieso, weiss ich auch nicht. Muss ich auch nicht wissen. Für mich ist nur entscheidend, das es so ist. Das wir uns gefunden haben. Ich denke nicht darüber nach, ob ich sie genügend liebe oder nicht. Sie sagt mir jedenfalls, dass ich sie so liebe, wie sie es will. Und sie liebt mich so, wie ich will. Wir akzeptieren und respektieren einander so, wie wir sind. Ich denke, dass ist etwas vom Wichtigsten. Dass man einander vertrauen kann. Dass man weiss, dass das andere für einem da ist. Egal was passiert.
Lieben ist das eine. Aber man muss es auch zeigen können. Muss die Gedanken überwinden und sich getrauen, dem anderen zu sagen, das man ihn liebt. Nur denken alleine bringt nichts. Hoffen auch nicht. Man muss etwas dafür tun. Das Etwas ist das man miteinander spricht. Das man zusammen etwas erlebt. So sehe ich das. Klar, werden jetzt einige denken, der hat gut schreiben. Der hat ja eine Frau. Aber ich musste auch lange warten. Obwohl ich zuvor eine Beziehung hatte, die über 10 Jahre anhielt. So war  ich mir nie sicher, ob sie die Richtige ist. Heute weiss ich, dass meine Frau die Richtige ist. Sie ist die Frau, mit welcher ich den Rest meines Lebens zusammen bleiben will.
Asperger können lieben. Wenn sie lieben, dann ganz. Es gibt meiner Meinung nach kein dazwischen. Alles oder nichts. Für die Liebe tue ich so manches. Will, dass wir eine gute Beziehung haben. Ich liebe meine Frau von ganzem Herzen. Und nicht nur so halb. Ich denke, dass ist das was Asperger auszeichnet. Alles oder nichts. Es gibt kein Dazwischen. Bei den Muggel schon. Sie kennen nicht nur JA oder NEIN. Sondern auch das VIELLEICHT. Das kenne ich nicht. Mit der Liebe ist es doch genau so. Ganz oder gar nicht.
Für mich jedenfalls, gibt es nichts Schöneres, als meine Frau zu lieben. Ich kann dank ihr leben. Ich werde ebenfalls geliebt. Und auch gebraucht. Bin nicht einfach. Sondern habe was vom Leben. Es ist nicht nur blosse Existenz. Liebe ist für mich der Grundbaustein des Lebens. Ohne sie geht nichts. Ohne sie kann der Mensch nicht ganz Mensch sein. Er braucht jemanden an seiner Seite. Er braucht jemandem mit dem er sein Leben teilen kann. Einfach nur mit sich alleine sein, ergibt für mich keinen Sinn.
Asperger brauchen genau so Liebe wie die Muggel. Nur, sie zeigen sie anders. Aber wer das weiss, der kann sicher damit leben. Ich meine, wir zeigen sie, indem wir Dinge für den Partner erledigen. Oder sonst was machen. Es geht nicht immer nur um Worte und Zärtlichkeiten. Es geht darum, für das andere was zu tun. Muggel verstehen das meist nicht. Sie sehen nicht, dass das eine andere Form von Zuneigung ist.