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Freitag, 17. Januar 2014

Asperger und mein Weg aus der Depression

Niemals hätte ich mir vorstellen können, dass ich jemals eine Depression haben werde. Ich habe immer gearbeitet, studiert. Alles ohne auf mich Rücksicht zu nehmen. Das habe ich Jahrelang so gemacht. Ja, fast zwei Jahrzehnte. Immer ist alles gut gegangen. Ich habe alles gepackt. Kein Problem. Dazu kamen noch die Entlassungen. Kein Problem. So dachte ich jedenfalls. Irgendwann aber, ging nichts mehr. Dies von jetzt auf gleich. Aus.
Ich wusste nicht einmal was eine Depression ist. Wusste nur, das es sie gibt. Mehr auch nicht. Ein Psychologe hat dann eine sehr schwere Depression festgestellt inkl leichte Suizidgefahr. Also wirklich ernsthaft. Doch die Frage stellt sich nun, wie bin ich aus dem allem wieder rausgekommen?
Die Sache ist einfach. Ich war in einer Klinik. Lange, sehr lange. Da musste ich lernen, nichts zu tun. Musste lernen, auf mich zu hören. Musste lernen, mich wahrzunehmen. Alles Dinge, die mir immer schon gegen den Strich gegangen sind. Aber ich erkannte, dass das was hat. Das die Psychiater recht haben. Also hörte ich ihnen zu. Lernte von ihnen. Lernte aber das Wichtigste überhaupt. Ich bin kein Muggel, sondern Autist. Dann ist es mir wie Schuppen von den Augen gefallen. Auf einmal sah ich, was in meinem Leben wieso schief gelaufen ist. Wieso ich all die Probleme hatte. Wieso ich nirgends dazu gehörte. Wieso ich immer der Komisch und andere war.
Von da an, ging es langsam wieder aufwärts. Ich lernte viel über mich. Aber auch, wie ich das, was ich in der Vergangenheit erlebt hatte, vermeiden kann. Dieser Prozess dauerte Monate. Ja Jahre. Aber ich habe es geschafft.
Der Prozess beinhaltet einpaar, für mich wichtige Dinge. Erstens, ich durfte nicht mehr an den alten Arbeitsplatz zurück. Nicht einmal um meine Sachen zu holen. Die habe ich einfach dort gelassen. Zweitens, ich lebte plötzlich alleine. Meine damalige Partnerin hatte mich plötzlich verlassen. Ich hatte also wieder Zeit, mich auf mich und meine Zukunft zu konzertieren. Drittens, und das list sich jetzt komisch. Ich habe mit diesem Blog angefangen. Habe einfach geschrieben. Hatte kein Konzept. Nichts. Das hat mir geholfen. Heute über zwei Jahre später, schreibe ich immer noch an diesem Blog. Und es hilft mir immer noch. Zumal, er rege gelesen wird. Ich habe ja sogar ein Buch herausgebracht. All das ist das Ergebnis dessen, was ich in der Klinik gelernt habe. Sei du selbst. Erforsche, was du willst. Diese beiden Sätze, habe mich geprägt. Bis heute tun sie das.
Was aber auch wichtig ist. Ist, dass das Ganze ohne Medikament nicht möglich gewesen wäre. Ich habe lange Antidepressiva genommen. Diese haben mir geholfen, dass ich wieder klar denken konnte. Aber auch, dass ich wieder Sport treiben konnte. Was ich heute immer noch mache. Mit dem Unterschied, dass ich schon lange keine Antidepressiva mehr nehme.
Dazu kommt, dass ich meine Frau kennengelernt habe. Sie hat auch einen nicht unwichtigen Betrag an dem geleistet, was ich heute bin. Klar. da war ich nicht mehr depressiv. Aber ich habe wieder einmal meine Stelle verloren. Wusste wieder nicht, was machen. Wollte nicht wieder in die Klinik. Da kam sie wie ein Wink des Schicksals in mein Leben. Sie hat mir wieder Mut gemacht. Sie hat mir gezeigt, das so, wie ich bin, es gut ist. Ich habe dann wieder eine Stelle gefunden. Bei Specialisterne in Zollikofen. Da wo ich bis heute als Projektleiter arbeite.
Im nachhinein fügt sich alles zu einem grossen Bild zusammen. Ich bin heute glücklicher, als ich es jemals war. Ich weiss, aber auch, das der Preis dafür extrem hoch war. So hoch, dass ich ihn nicht noch einmal bezahlen kann. Daher versuche ich, dass ich neben der Arbeit genügend Ausgleich habe. Das ist nicht immer einfach. Aber ich muss mich ab und zu dazu zwingen, nichts zu tun. Genau so, wie ich es in der Klinik gelernt hatte. Das mache ich bis heute so. Und, es funktioniert immer noch.
Ich habe immer mein Burn-out vor Augen. Das ist für mich Motivation genug, dass ich es nicht noch einmal so weit kommen lassen will.