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Montag, 13. Januar 2014

Asperger und Missverständnisse

Kommunikation ist so eine Sache für sich. Unter Muggel klappt sie meistens ohne Probleme. Sie haben Regeln, welche sie nicht kennen, aber dennoch gebrauchen. Sie verständigen sich mit Worten, aber auch mit Gesten. Für sie sind die Signale klar.
Kommunikation mit einem Asperger ist da nicht ganz so einfach. Im Gegenteil. Es fallen viele Signale weg und werden aber auch nicht erkannt. Das macht das kommunizieren mit einem Autisten nicht einfach. Die Muggel sind es gewohnt, das man ihnen in die Augen schaut. Dass man sie anschaut. In einer bestimmten Zeitspanne antwortet. Sie können das alle meistens nicht benennen. Aber es ist für sie komisch, wenn etwas oder alles fehlt. Wenn das Gegenüber nicht reagiert, wie erwartet. Wenn es Antworten gibt, die scheinbar nicht zum Thema passen. Aber bei genauem Überlegen, doch. Das sind die Muggel nicht gewohnt.
Nun, da die meisten Bewohner dieser Erde Muggel sind, ist es für uns Autisten nicht einfach in dieser Welt. Wir müssen uns durch den Alltag kämpfen. Müssen arbeiten. Wie die Muggel auch. Nur, das an jeder Ecke eine Problem lauert.
Ich bin ständig damit konfrontiert. Muss immer aufpassen, was ich sage. Muss mich erinnern, was die Norm ist. Aber das gelingt mir nicht immer. Und wenn, dann nur für einpaar Minuten. Danach wird es schwierig, da das Ganze sehr viel Konzentration braucht. Es ist wie mit einer Fremdsprache. Nur, dass im Alltag die Hände, das Gesicht und der Körper noch gebraucht werde. Diese Signale sehe ich nicht. Ich stehe manchmal einfach da, und jemand spricht mich an. Ich reagiere nicht. Stehe einfach da. Das irritiert die Muggel. Ich mache das aber nicht extra. Nein, ich sehe sie nicht. Sehe nicht, was sie wollen. Dies hat sicher auch damit zu tun, dass ich wenn ich unterwegs bin, Musik höre. Dies, weil ich den Lärm der Welt nicht ertrage. Den Lärm im Zug. All das ist für mich sehr stressig. Nur wenn ich Musik höre, geht es ohne Probleme. Ich kann mich so durch die Welt bewegen, als ob nichts wäre. Ich sehe die Welt nicht einmal richtig.
Muss ich an einen Ort, den ich nicht kenne, dann wird es schwierig. Ich muss sehr viel schauen. Sehe dann die anderen, wie die sich bewegen. Das ist anstrengend.
Wie auch immer, die Missverständnisse sind so vorprogrammiert. Ich bin schon immer der Komische gewesen. Damit kann ich heute gut leben. Ich weiss ja wieso. Aber ich habe mit der Arbeit nie Glück gehabt. Habe mich immer wieder zurückgezogen. Habe mich nicht ausdrücken können.
Heute kann ich es. Dies aber nur, weil ich in einem Umfeld arbeite, welches mit Autisten sehr gut umgehen kann. Dies weil ich so sein kann wie ich bin. All die Normen fallen da weg. Ich kann sprechen, wie ich spreche. Und muss mich nicht verstellen. Dies ist sicher auch ein Problem von Asperger. Das sich immer verstellen müssen. Das ist auf die Dauer sehr anstrengend. Das kann, wie bei mir, zum Zusammenbruch führen. Immer so zu sein, wie die anderen. Das geht nicht gut.
Zudem konnte und kann ich eines nicht. Wie ein Muggel sprechen. Ich kann deren Sprache ein wenig. Aber nicht viel. Damit meine ich nicht das Deutsch. Sondern das Nonverbale. Das was gemeint ist, wenn etwas anderes gesagt wird. Das erkenne ich nicht. Das kann ich auch nicht. Was ich sage, ist das, was ich meine. Das führt aber manchmal auch wieder zu Missverständnissen. Denn die Muggel meinen, dass ich etwas anderes meine, als das was ich gesagt habe. Das alles macht das Leben nicht einfacher.
Aber ich denke, wenn das Gegenüber weiss, wie man tickt, so geht es ohne Probleme. Es braucht einfach Geduld und Verständnis. Dann klappt es auch mit der Kommunikation.