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Donnerstag, 16. Januar 2014

Asperger und eine neue Arbeitsstelle

Um seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können, muss man arbeiten. Dies zumindest, wenn man niemanden hat, der einem das eigene Leben finanziert. Aber eine Arbeitsstelle zu finden, welche auch zu einem passt, ist nicht so einfach. Im Normalfall weiss man ja nicht, was einem wirklich erwartet. Was die wirkliche Arbeit ist. Alles wird immer beschönigt. So habe ich es jedenfalls immer wieder erlebt. Begann ich dann zu arbeiten, so war alles anders. Zumindest für mich. Es kann auch sein, dass ich nie verstanden habe, was die HR-Menschen gemeint haben. Da ich ja lange nicht wusste, dass ich Asperger bin, habe ich einfach Stellen angenommen ohne gross darüber nachzudenken. Manchmal war ich Jahrelang dort, manchmal nicht einmal ein Jahr. Dann kam das mit der Diagnose.
Ich erkannte, dass ich immer die falschen Stellen gehabt hatte. Dies auch der Grund war, wieso ich immer und immer wieder gekündigt wurde. Das wollte nun vermeiden. Wollte nicht wieder in die selbe Situation kommen. Doch wo eine Stelle finden, welche zu mir passt? Zumal ich ja 6 Monate Klinik hinter mir hatte. Da war an einen 100% Einstieg in die Arbeitswelt nicht zu denken. Ich durchsuchte also das Internet nach geeigneten Stellen für Asperger. Musste aber feststellen, dass es so was fast nicht gab. Specialisterne in Dänemark. Aber da wollte ich nicht hin. Also blieb mir nur noch die Schweiz übrig. Da gab es nur eine Firma. Aber durch Zufall kam ich an die Info, das Specialisterne auch in der Schweiz ist. Also bewarb ich mich dort und wurde angestellt.
Doch dann begann eine Geschichte, welche ich mir niemals hätte vorstellen können. Ich begann mich mir der Firma zu identifizieren. Begann so zu denken, als ob es meine Firma sei. Ich wusste auch, dass dies meine letzte Chance ist. Das es nicht darum geht, was ich privat mache. Sondern, wie kann ich mich in die Firma einbringen. Was kann ich dazu beitragen, dass die Firma voran kommt. Dies war und ist mir wichtig. Ich musste sehr viele Entbehrungen auf mich nehmen. Musste auf vieles verzichten. Aber es hat sich gelohnt. Und loht sich immer noch. Es war und ist nicht einfach. Aber ich denke, dass es sich für mich lohnt. Denn es geht für mich um mehr als nur um Arbeit. Es geht für mich um eine Idee, um eine Vision. Diese Vision ist, dass auch andere Asperger in einem geeigneten Umfeld arbeiten können. Wobei ich immer sage, dass wir nur versuchen ein geeignetes Umfeld zu schaffen. Der Asperger muss aber auch breit sein, Eingeständnisse zum machen. Alles kann nicht individuell eingerichtet werden. Wir sind eine Firma die Geld verdient. Die normal Arbeit zu normalen Löhnen bietet. Daher ist der Anspruch schon, dass die Menschen die für uns arbeiten auch breit sind sich einzubringen. Dies ist mir wichtig. Es geht nicht darum, dass man einfach arbeitet. Sondern auch seinen Beitrag dazu leistet. In Form von Ideen oder speziellen Fähigkeiten. Es geht nicht darum, dass wir einfach Menschen mit einer ASS Diagnose anstellen, nur weil sie eine Diagnose haben. Aber wir hören uns diese Menschen an. Beurteilen sie nicht einfach nur nach ihrem CV. Dieser ist einfach eine zu Papier gebrachte Arbeitsbiographie. Mehr auch nicht. Mich interessiert der Mensch dahinter. Was kann er wirklich. Was ist er auch bereit zu leisten. Was braucht er, damit er leisten kann. Was will er überhaupt. Das geht nur in einem Gespräch. Das geht nur, wenn die Kandidaten unsere Firma sehen. Mit uns sprechen. Sagen was sie wollen.
Einen neue Arbeitsstelle ist auch immer ein Risiko. Klar, aber das gehört meiner Meinung zum Leben. Ich denke aber auch, wenn jemand weiss, was er kann, dann kann er sich auch auf sich verlassen. Weiss, das er was leisten kann und auch will.
Ich denke, dass es wichtig ist, das Asperger ein Umfeld haben welches sie versteht. Welches auf sie eingehen kann. Aber der Asperger muss auch breit sein, dass nicht immer alles so ist wie er sich das vorstellt. Muss auch breit sein mal auf was zu verzichten. Für mich ist das ein Geben und Nehmen. Jeder kann etwas zur Firmenkultur beitragen. Immer so wie er vermag. Wer sich nicht einbringt oder bringen kann, wird ich ausgeschlossen. Er kann es einfach nicht. Das geht auch in Ordnung. Jeder soll das einbringen, was er kann und will. Und vielleicht entdeckt dann der eine oder andere Fähigkeiten an sich die er nicht gekannt hat. Von denen er nicht wusste, das er sie hat. Eine neue Arbeitsstelle ich auch immer der Beginn von etwa neuem. Ist auch immer ein Chance. Nur packen sollte man sie. Mut haben, sich und sein Leben verändern zu wollen.