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Sonntag, 17. März 2013

Asperger und das Burn-out

Burn-outs sind in der heutigen Gesellschaft recht häufig anzutreffen. Viele Menschen erleiden eines, weil sie einfach nicht mehr können. Diese sind keine Simulaten, sondern wirklich krank. Sie kriegen den Alltag nicht mehr auf die Reihe. Sie schaffen nichts mehr. Nicht die kleinste Kleinigkeit.
Mir ging es vor 1,5 Jahren auch so. Irgendwann war Schluss. Ich konnte nicht mehr. Nichts ging mehr. Aus. Ein Psychologe stellte dann ein sehr starkes Burn-out fest inklusive Depression. Alles in allem also ziemlich schlimm. Ich selber habe das nicht so gesehen. Aber heute bin ich froh, dass ich das alles erlebt hatte. Psychologen, Klinik und sich einfach wieder neu orientieren. Es war ein langer Weg. Doch am Ende hatte er sich mehr als gelohnt.
Asperger sind sehr viel anfälliger für ein Burn-out als NT's. Wir müssen und ständig anpassen. Ständig dafür sorgen, dass wir nicht auffallen. Denn viele wissen nicht, dass sie Asperger sind. Es kommt, wie bei mir, erst nach so einem Burn-out zum Vorschein. Dann wird aber alles klar. Insofern bin ich heute sehr dankbar dafür. Dank dem Burn-out weiss ich heute, was ich und wer ich bin.
Asperger sind ständig bemüht, sich den anderen anzupassen. Sie kopieren sie. Wissen aber nicht, dass sie das machen. Sie meinen, dass das Verhalten der Anderen richtig ist. Also machen sie es wie Kinder einfach nach. Dabei verlieren sie aber ihr eigenes ICH. Irgendwann ist dann aber Schluss aus. Zusammenbruch. Dann kommt alles zum Vorschein. Dann kommt das mit der Diagnose, und das Wissen, wer man wirklich ist, und was man will. Dieser Weg ist mühsam. Ich wusste zu beginn nicht einmal, was Asperger ist. Musste es auf Wikipedia nachschlagen. Doch, als ich den Artikel gelesen hatte, wurde mir so einiges klar.
Dies alles habe ich in einer Klinik erfahren. Sie war und ist nicht für Autisten. Ich wusste damals ja nicht, dass ich einer bin. Also hatte ich das normale Programm der NT's durchlaufen. Immer gemeinsam mit ihnen. Das hat mich am Anfang sehr irritiert. Denn so viele Menschen. So viele Probleme, und ich musste erst noch herausfinde, was ich bin. Jedoch, habe ich diese Zeit nicht als schlecht in Erinnerung. Im Gegenteil. Ich habe sehr viel gelernt. Insbesondere, dass es nicht allen Menschen gut geht, und dass sie zum Teil grössere Probleme als das Asperger-Syndrom haben. Ich habe gelernt, tolerant zu sein. Auch zu verstehen, wenn es jemandem nicht gut geht. Das war zuvor nicht so. Ich bin davon ausgegangen, das es keine Probleme gibt, und das Menschen, wenn sie jammern, einfach Aufmerksamkeit wollen. Dabei habe ich übersehen, dass das auch ein Hilferuf sein kann. Heute weiss ich das und versuche auch darauf mit Verständnis zu reagieren. Das gelingt mir nicht immer. Aber ich versuche es.
Ein Burn-out ist eigentlich nicht schlimm. Zumindest war es das für mich nicht. Ich war einfach. Aber soviel ich von meinem Umfeld mitbekommen habe, war es für sie schlimm. Ich war nicht mehr so, wie ich war. Einfach nicht mehr zu gebrauchen. Das hätte niemand von mir erwartet. Nun, ich auch nicht von mir. Aber es war geschehen, und was war auch gut, das es geschehen war.
Viel Asperger weigern sich, in eine Klinik zu gehen, weil sie nicht für sie eingerichtet sind. Nach meiner Erfahrung nach, macht das nichts. Im Gegenteil. Ich habe genau deswegen mehr gelernt, als vielleicht in einer Klinik für Autisten. Ich musste in der Klink wieder lernen für mich zu kämpfen und für mich einzustehen. Ich habe in dieser Zeit auch viel mit NT's erlebt. Alles in allem war es nur von Vorteil, dass ich nicht als Autisten behandelt wurde.
Aber es bleibt trotz allem so, das ein Burn-out nichts Tolles ist. Ich wünsche das echt niemandem. Trotz meiner Erfahrungen. Der Preis dafür war sehr hoch. Was man aber tun kann, dass es nicht so weit kommt, ist einfach. Erstens nicht mehr 100% arbeiten. 80% reichen aus. Dieser eine freie Tag mehr bringt es echt. Zweitens, sich ein Hobby aussuchen, welches nicht immer nur mit Sammeln und denken zutun hat. Sport oder Musik machen. Etwas für die Seele und den Körper. Drittens, und das ist das Wichtigste von allem. Über das was einem beschäftigt oder man nicht gut findet, sprechen. Sei es mit dem Partner, der Kollegen. Egal, Hauptsache, man spricht darüber. Das entlastet das Gehirn und den Verstand. Es geht einem danach besser. Ich weiss, dass genau das nicht so einfach ist. Aber in kleinen Schritten versuchen, und nicht aufgeben.