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Montag, 18. März 2013

Asperger und Medikamente

Medikamente sind immer ein heikles Thema. Niemand spricht gerne darüber. Ganz zu schweigen davon, zuzugeben, dass man Medikamente nimmt. Dies muss nicht sein. Medikamente gehören genau so zum Leben wie das Atmen.
Ich selber habe eine Zeit lang Medis genommen. Genauer geschrieben, Antidepresiva. Diese haben mir geholfen, wieder in den Alltag zurückzufinden. Sie haben meine enormen Stimmungsschwankungen ausgeglichen. Heute bin ich echt froh, dass ich diese genommen haben. Sie wurden mir in der Klinik verschrieben, und ich hatte sie einfach mal ausprobiert. Habe sie dann über ein Jahr lang genommen. Alles in allem kann ich nur schreiben, dass es ein guter Entscheid war.
Ich habe und erlebe immer noch, dass sich Menschen gegen sie wehren. Sie meinen, dass sie zu willenlosen Wesen werden. Diese Zeiten sind schon lange vorbei. Moderne Medis wie Cipralex oder auch Venalfaxine sind in Ordnung. Sie helfen einem einfach, wieder klar denken zu können. Leider erlebe ich genau bei Asperger immer wieder, dass sie ihre Medis nicht nehmen, oder nicht regelmässig. Sie sehen den Sinn nicht ein. Oder sie denken, dass sie schwach sind, weil sie sie nehmen müssen oder sollten. Dies hat nichts mit Schwäche oder Versagen zu tun. Im Gegenteil, es zeigt doch, dass sich Menschen um einem kümmern und auch besorgt sind. Wir sind nicht alleine. Auch wenn dies für Autisten nicht so einfach zu verstehen ist. Wir denken ja immer, dass nur wir sind, und die Anderen einfach dazu gehören. Sie zu verstehen, was ihre Absichten sind, ist so eine Sache für sich. Ich musste lernen, das sich Menschen um mich kümmern, und es dabei auch noch gut meinen. Dass sie keine bösen Absichten haben, sondern nur helfen wollen. Diese Hilfe anzunehmen fällt vielen Menschen schwer. Besonders aber Aspergern. Sie sehen das nicht ein. Denn sie gehen davon aus, dass sie wissen, was für sie gut ist. Das ist leider in Trugschluss. Wir können auch nicht alles wissen. Besonders, wenn es um Depressionen und Stimmungsschwankungen geht. Diese merken wir meistens nicht. Da unser Empfinden nicht sehr gut ist. Aber die Anderen merken und sehen es. Sie wollen also etwas dagegen unternehmen. Und genau da kommen Medis ins Spiel.
Sie einfach nur nehmen, dass sie genommen sind ergibt aber auch keinen Sinn. Ich habe immer zuerst mal einbisschen gegoogelt was das so ist. Erst dann habe ich sie genommen. Was aber allen Medis gemeinsam ist, ist dass man sie regelmässig nehmen muss. Meistens braucht es eine Zeit, ca. 2 Wochen, bis sie wirklich wirken. So viel Zeit sollte man ihnen mindestens geben. Und nicht denken, das sie gleich wirken. Auch kann es zu Beginn sein, dass einem ein wenig flau im Magen wird. das verschwindet aber nach 3-4 Tagen. Nach etwa 2 Wochen zeigt sich aber eine Verbesserung der Gemütslage. Mein Umfeld hatte damals sehr positiv darauf reagier. Heute lebe ich ohne diese Medis und bin aber um diese Erfahrung froh. Denn ich kann auch Anderen helfen, wenn sie Medis nehmen sollen. Ich kann ihnen erklären, wozu sie gut sind und wie sie mir geholfen haben.
Hilfe anzunehmen erfordert so einiges an Selbstaufgabe. Aber auch Vertrauen. Dies musste ich lernen. Es war nicht so einfach. Aber mit der Zeit lernte ich, dass ich nicht alleine auf der Welt bin. Dass es durchaus Menschen gibt, die es gut mit mir meinen. Auch wenn es nicht gleich den Anschein macht. Man ist dadurch nicht ein Schwächling. Sondern es ist normal, dass man sich helfen lässt.
Medis sind also eher als Hilfe und Unterstützung zu sehen, dass man wieder einen geregelten Tag leben kann. Auch das man wieder arbeiten, Sport treiben oder einfach leben kann.