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Samstag, 2. März 2013

Asperger und der geregelte Tag

Jeder Tag ist anders. Jeder Tag birgt seine eigenen Herausforderungen. Die Tagesstruktur ist dabei wichtig. Was macht man nach dem Aufstehen? Was macht man auf der Arbeit? Was macht man am Abend und an den Wochenenden? Nun, die meisten Menschen haben damit kein Problem. Sie leben einfach, und die Struktur ergibt sich wie von selbst. Auch die familiären Umständen haben einen grossen Einfluss darauf. Im grossen und Ganzen denkt kaum jemand darüber nach. Es ist einfach wie es ist.
Nun, bei Asperger erlebe ich immer wieder, dass ihnen eine exakte Struktur fehlt. Sie leben einfach in den Tag. Machen das, was sie wollen, und der Rest geht sie nichts an. Der Rest das sind zum Beispiel: Rechnungen bezahlen, aufräumen, einkaufen, den Haushalt machen. Diese Dinge gehören auch zum Leben. Viele interessiert das aber nicht. Sie sehen den Sinn nicht ein. Wie auch? Sie leben ja noch bei den Eltern. Diese übernehmen das alles. Somit verwundert es nicht, dass sie es nicht können und auch keinen Sinn darin sehen. Die Eltern nehmen ihnen alles ab. Oder sehr viel. Das sehe ich auch auf der Arbeit. Sie machen nur das, was ich ihnen sage. Mehr auch nicht. Sie denken nicht mit. Alles muss genau geregelt sein. Für alles muss ich Anweisungen geben. Das ist nicht weiter schlimm. So lernen sie, dass es ausser den PC's noch Anderes gibt. Dafür sind sie ja bei uns.
Ich selber, lebe alleine. Dass heisst, ich muss all die Oben genannten Dinge selber tun. Lange hatte auch ich meine liebe Mühe damit. Ich sah denn Sinn nicht ein. Machte es manchmal, manchmal auch nicht. Dank meiner damaligen Therapeutin, kann ich heute alles ohne Probleme mache. Ich habe sogar meinen Spass daran. Denn ich mache es gerne. Schliesslich mache ich es für mich.
Beispiel Rechnungen. Früher bekam ich immer Probleme, welch ich diese nicht bezahlt hatte. Heute nicht mehr. Der Trick ist einfach. Bekomme ich Post, so öffne ich diese. Somit sind die Rechnungen sichtbar. Ende des Monats arbeite ich den Stapel ab. Und die Sache ist erledigt. Ich muss nicht mal mehr daran denken. Ich mache es einfach. Dafür habe ich aber Jahre gebraucht.
Dieses kleine Beispiel zeigt, wie schwierig es ist, ausserhalb des eigenen Denkens zu denken. Sich vorzustellen, was alles an den Rechnungen hängt. Erst alls ich begriffen hatte, wozu sie gut sind, habe ich es auch gemacht. Meine Therapeutin hat mir dabei sehr geholfen.
Eine Tagesstruktur ist besonders für Asperger wichtig. Dabei sollten sie aber gleichwohl Freiraum für sich selbst haben, und nicht nur mit allem Anderen beschäftigt sein. Das führt zu Depressionen und Frust. Bei uns arbeiten die Asperger von 0900-1200 und 1300-1600. Diese Zeiten sind für alle verbindlich. Es sind nur 6 Stunden arbeiten pro Tag. Sie halten diese Zeiten ohne Probleme ein. Das zeigt auch, dass sie wissen, dass sie in dieser Zeit was tun müssen, und danach wieder Freizeit haben. Mit der Zeit zeigt sich sogar, dass sie in dieser Zeit mehr und mehr arbeiten. Die Leistung nimmt zu. Es dauerte einige Zeit, bis es soweit war. Jedoch sehe ich Fortschritte durch diese Massnahme. Asperger brauchen sehr viel Betreuung am Arbeitsplatz. Sie brauchen das Gefühl, gebraucht zu werden. Sie machen auch nicht, was einfach nach Übung aussieht. Nein, sie wollen etwas sinnvolles tun. Ist dies gegeben, so arbeiten sie gut und schnell. Übungen langweilen sie, und sie verweigern die Arbeit.
Zu einer Tagesstruktur gehört für mich auch Sport. Darüber habe ich ja schon mal geschrieben. Der Sport lenkt ab und befreit den Kopf. Er bringt einem auf andere Gedanken. Der Sport sollte mindestens 3 Mal in der Woche eingeplant sein. Das erhöht die Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit.
Alles in Allem brauchen Asperger einen genau definierten Tag. Jedoch sollten sie sich die Struktur auch zum Teil selber geben müssen. So bestimmen sie, was sie wann wie und wo machen. Sonst wird einfach über sie bestimmt, und sie sehen den Sinn niemals ein.