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Samstag, 21. Januar 2017

Asperger und die Veränderung durch die Diagnose

Viele von uns wissen, das sie nicht in das sogenannte Schema der NT passen. Doch sie wussten nicht wieso.
Mir ging es auch so. Ich wusste immer schon, dass ich anders bin. Wobei anderes, nicht gleich besser ist. Oder speziell. Einfach anders. Ich verstand vieles nicht. Was mir erst nach der Diagnose so langsam aber sicher klar wurde. Ich erkannte, dass ich mein Leben neu gestallten musste. Mich kennen lernen. Wissen, wie die Welt der NT funktioniert. Was ich an meinem Leben besser machen musste, das ich doch in der NT-Welt zurecht komme. Ohne, dass ich wieder in der Klinik lande. Denn das galt es zu vermeiden.
Das, fast 6 Jahre danach, kann ich so einfach schreiben. Aber der Weg dahin, war ein weiter. Er war hart. Ich musste vieles, was ich lieb gewonnen hatte, weglassen. Musste erkennen, dass ich nicht einfach so weitermachen kann wie ich es zuvor tat. Das war zu Beginn nicht so einfach. Denn Gewohnheiten aufgeben, das ist nicht mein Ding. Wem seines schon? Deines?
Sicher war es nicht einfach. Doch mit der Zeit und viel Unterstützung lernte ich, was ich bin. Was ich brauche und will.
Die Diagnose hatte mein Leben nicht langsam verändert, sondern von einer Sekunde auf die andere. Mit der Aussage des Arztes, dass ich Asperger habe. Punkt. Das war das Ende des alten Lebens und der Beginn des Neuen. Nicht mehr als Normaler, sondern als Behinderter. So schnell kann es gehen. Gestern noch normal heute nicht mehr. Tja, damit musste ich klar kommen.
Also was tat ich? Bücher lesen. Diese haben mir gezeigt, das wir nichts können und nur Nachteile haben. Das wollte ich so nicht hinnehmen. Also machte ich mich auf die Suche nach mehr. Ich fand aber nichts. Es gab nichts.
So traf ich auf Menschen von der Stiftung Autismuslink. Sie nahmen mich auf und zeigten mir eine andere Welt. Eine Welt die damals noch leer war. Aber in der ich mich entwickeln konnte. Heute, über 5 Jahre später, kann ich mich nicht mehr erinnern, wie ich vor der Diagnose war. Wie ich lebte. Ich habe es vergessen. Bewusst vergessen. Denn es macht keinen Sinn, dass ich versuche, mich daran zu erinnern. Es wäre nur hinderlich.
Was ich aber in all den Jahren gelernt habe ist, das auch wir Menschen sind. Menschen die genau so sind wie die NT. Die einfach das, was NT können nicht so gut oder gar nicht können. Kommunikation. Empathie. Verständnis. Lügen und nur zu seinem eigenen Vorteil leben. Nein, das ist alles nicht das was ich kann.
Ich kann dafür anderes. Macht mich das besser? Nun, zu Beginn dachte ich das. Es heisst ja immer, wir seinen speziell. Das bedeutet doch, besser. Aber ich musste erkennen, das dem überhaupt nicht so ist. Es geht nicht ohne die NT. Aber auch nicht ohne uns. Es geht nur miteinander. Was nicht einfach ist. Denn die NT wissen nicht viel über uns. Ausser Wenige. An diese halte ich mich.
Ich werde auch heute noch ab un zu gefragt, wie es ist Autist zu sein. Wie ist es NT zu sein? Keine Antwort. Also geben ich auch keine. Ehrlich gesagt, ich weiss auch keine Antwort darauf. Wie auch? Ich kann nicht vergleichen.
Was ich aber kann, ist beobachten. Daraus habe ich gelernt, dass die NT nicht hinterfragen können. Nicht Details sehen können. Sie sehen nur die Oberfläche. Alles muss schön sein. Mir ist der Inhalt die Information wichtig. Nicht wie etwas gesagt wird. Wie etwas aussieht. Das spielt für mich keine Rolle. Das ist vielleicht einer der Gründe, wieso ich mich immer wieder wundere, wieso die Welt so komisch ist. Nun für mich, aber nicht für die NT.
Auch sehe ich, dass die NT nie schuld sind. Ich schon. Wenn ich was gemacht habe, dass nicht gut ist, kann ich ohne Problem dies auch gestehen. NT nicht. Wieder so ein Unterschied.
Auf der anderen Seite habe ich auch von den NT vieles gelernt. Denn eines können sie. Erklären, wenn ich sie gezielt nach was frage. Nach einem bestimmten Verhalten. Nach einer bestimmten Reaktion. Sie können mir Antwort geben. Die Antwort deckt sich nie mit dem, was ich mir ausgedacht habe. Aber ich erkenne so, dass sie recht haben. Denn sie geben mir die Antwort die ich gesucht habe. Insofern, habe ich durch die Diagnose mehr über die Menschen gelernt als wenn ich mich als Normaler damit befasst hätte.
Doch das ist nicht alles. Das wäre zu wenig.
Die grösste Veränderung ist die Ruhe. Die Gelassenheit. Ich weiss heute, dass ich nicht immer muss. Das ich auch mal Hilfe annehmen soll wen ich sie brauche. Das ich sagen kann, wenn mir was nicht passt. Ja, auch mal NEIN sagen. Was übrigens mehrere Jahre gebraucht hatte, bis ich das konnte.
Ich versuche auch, denn Menschen so zu akzeptieren wie er ist. Auf ihn einzugehen. Was nicht immer einfach ist. Aber das kennt ihr sicher auch. Es geht mir auch nicht immer darum, dass ich Autist bin. Manchmal bin ich dessen müde. Ich will einfach Mensch sein. Als solcher wahrgenommen werden. Was leider nicht oft passiert. Denn einmal Autist, und die anderen wissen es, immer Autist. Sie sehen mich nur als solchen. Womit ich mittlerweile gut leben kann. Mir macht es nicht mehr aus.
Was ich nach der Diagnose auch wollte, ist das ich gehört werden. Das ich den Menschen meine Gedanken und Ideen mitteile. Nicht als Belehrung oder als ich weiss alles besser. Sondern einfach weil ich das Bedürfnis hatte. Etwas, was ich mich zuvor nicht getraut habe. Denn ich ging immer davon aus, dass sich niemand für das interessiert, was ich denke und sage. Ich wurde eines besseren belehrt.
Zusammengefasst, hat mir die Diagnose eines gebracht. Selbstvertrauen. Klingt komisch. Ist aber so. Trotz alldem was ich erlebt habe, habe ich heute mehr Selbstvertrauen. Ich weiss was ich kann und was nicht. Ich sage nicht einfach mehr JA damit die anderen zufrieden sind. Sondern sage auch mal nein. Sage wenn  ich was brauche. Wenn was nicht stimmt. Kurz, die Diagnose hat mein Leben zu Positiven verändert. Auch wenn es zu Beginn nicht so ausgesehen hatte. Es hatte was sehr Negatives. Aber wie so oft im Leben, ist das Negative das, was sich ab Schluss als das Positive herausstellt. Auch die Diagnose Autismus. Denn sie hilft mir, dass ich mich auch mehr auf mich fokussieren kann. Sie hilft mir, dass ich bewusster leben kann. So leben kann, dass es für mich stimmt.