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Freitag, 1. November 2013

Asperger und der Blickkontakt

Augen sind zum schauen da. So sehe ich das jedenfalls. Ich musste aber lernen, dass Muggel die Augen noch für viel mehr gebrauchen. Für sie ist der Blickkontakt extrem wichtig. Sie brauchen ihn, um sich zu orientieren. Sie können scheinbar sehen, wie es einem geht, oder was die Person beabsichtigt. Keine Ahnung, wie das gehen soll. Für mich sind es einfach nur Augen. Unsere Sehorgane. Mehr nicht.
Ich denke, dass das Problem ist, dass ich die Augen nicht sehe. Wie die Gesichter. Ich weiss gar nicht, was es heisst, immer Blickkontakt zu haben. Immer zu erraten, was der andere Vorhat. Was die Augen sonst noch alles bedeuten können, davon habe ich auch keine Ahnung. Ich bin schon froh, dass ich meiner Frau in die Augen schauen kann. Das ist für mich nicht einfach, aber ich versuche es. Und, es gelingt mit sogar. Obwohl ich dann nur Augen sehe.
Letzthin habe ich ein Plakat gesehen. Auf dem stand, das man Blickkontakt halten soll. Ich habe mich sehr darüber gewundert. Scheinbar ist es so, dass die Muggel das machen, aber auch nicht immer so, wie sie sollten. Sie werden sogar darauf hingewiesen. Stören tut sich sicher keiner daran. An diesem Plakat. Für mich ist so was eine Provokation. Denn es gibt Menschen, wie ich, die das nicht können. So was zeigt mir wieder einmal, dass ich nicht so bin wie die anderen. Dass ich behindert bin.
Die Muggel sind scheinbar irritiert, wenn man ihnen nicht in die Augen schaut. Wenn man nicht auf diese Weise versucht, mit ihnen Kontakt aufzunehmen. Sie wissen wahrscheinlich nicht einmal was sie stört. Sie wissen nur, dass etwas nicht stimmt.
Obwohl ich das alles weiss, kann ich es nicht. Ich versuche es nicht einmal mehr. Wieso auch. Ein Blinder kann auch nicht sehen. Egal was er unternimmt. Die Muggel haben ihre Art, wir unsere. Irgendwie ergibt es für mich keinen Sinn, wenn wir so sein müssen wie die Muggel, nur weil sie nicht begreifen, dass es Menschen gibt die anders sind. Sie meinen, dass alle so sein müssen wie sie. Wer nicht so ist, den versuchen sie zu ändern. Dies mit Hilfe von Psychologen und weiss nicht was alles. Sie wollen, dass alle so sind wie sie. Wer nicht ins Schema passt wird geändert. Angepasst. Es ist wie in einer Diktatur, wo auch alle das Selbe denken sollten. Aber auch nicht tun.
Muggel gehen so weit, dass wer nicht so denkt oder ist wie sie, umgebracht wird. Die Geschichtsbücher zeugen davon. Kriege, Terror und Tod. Das ist die finale Antwort der Muggel, wenn jemand nicht so denkt wie sie. Muggel bekriegen sich gegenseitig, statt einander zu helfen. Der Blickkontakt ist da nur ein Mittel. Fehlt er, sind sie durcheinander. Sie wissen nicht was machen. Sie sind hilflos, auch wenn sie das nicht wissen.
Ich für mich, lasse das mit dem Blickkontakt. Ich bin wie ich bin. Und will mich nicht mehr verstellen müssen, nur damit die Muggel kein schlechtes Gefühl haben oder sich verletzt fühlen. Mir ist das egal. Sie fragen ja auch nicht, wie es mir geht. Das ist zwar egoistisch, aber für mich der einige gangbare Weg. Sonst lande ich wieder in der Klinik. Und da will ich nicht mehr hin.