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Sonntag, 30. März 2014

Asperger und Sport

Wieso sollte man Sport treiben? Er soll gesund sein, Er soll einem auch helfen, dass man gesünder lebt. Nun, das sind für mich nur zwei Gründe. Ich treibe Sport nicht aus diesen beiden Gründen, sondern aus einem ganz anderen. Für mich geht es um die Körperwahrnehmung. Es geht mir darum, dass ich meinen Körper bessere koordinieren kann.
Viele Asperger die ich kenne, mögen Sport. Aber nicht Mannschaftssport. Sie wollen lieber Einen ausüben, den sie alleine machen können. Am Besten ist Einer, der immer die gleichen Bewegungen erfordert. Wie das Laufen, oder Radfahren.
Ich selber mache auch Kraftsport. Dies weil ich so meinen Körper am Besten wahrnehmen kann. Weil ich so auch lerne mir Grenzen zu setzen. Denn ich kann ja nicht einfach viel Gewicht verwenden. Mein Körper muss das Gewicht ja stemmen können.
Mir bringt der Sport aber auch das Gefühl, dass ich mehr kann, als ich mir zumute. Dass ich mehr leisten kann. Durch den Sport habe ich gelernt, dass ich mir vertrauen kann. Klar, es erfordert Disziplin. Aber die braucht es nur zu Beginn. Mit der Zeit wird der Sport zur Routine. Er gehört zum Alltag. Ich habe nicht einmal einen Trainingsplan. Den habe ich im Kopf.
Seit Jahren trainiere ich zu hause. Oder gehe von zu hause aus laufen. Ich kann nicht in ein Fitnesszenter oder einen Verein. Da hat es einfach zu viele Muggel. Ich brauche für den Sport meine Ruhe. So kann ich mich auf mich selber konzertieren und bin nicht von der Umgebung und ihrem Lärm abgelenkt.
Ich denke, das Sport besonders für Autisten wichtig ist. So kommen sie auch ein wenig an sie frische Luft. So bewegen sie sich auch, und sind nicht nur zu hause und beschäftigen sich mit dem was sie am meisten interessiert. Mich interessiert Sport nicht. Ich tue es, weil ich so viel über mich lernen kann.
Der Nebeneffekt ist aber, das sich mein Körper veränder. Er wird stabiler und auch besser geformt. So hat meine Frau auch was davon. Ich meine, ich will ja auch ihr gefallen. Es geht mir dabei nicht nur um mich. Klar, in erster Linie schon. Aber wieso sollte ich mir nicht auch für meine Frau Mühe geben. Ihr gefallen wollen? Verheiratet zu sein, heisst ja nicht, dass man sich keine Mühen mehr für das andere geben muss. Im Gegenteil, seit ich verheiratet bin, mache ich mehr Sport.
Jetzt da ich neben meiner Frau wohne, könne wir auch gemeinsam laufen gehen. Das ist auch etwas, was ich gerne mache. So können wir noch mehr zusammen machen, und sind nicht immer getrennt.
Der Sport hat also doch so einiges in meinem Leben verändert. Ich kann auch mehr arbeiten. Da ich besser mag. Ich habe auch gelernt, auf meinen Körper zu hören.
Dies alles habe ich ohne Trainer oder sonst wen gemacht. Ich habe einfach damit begonnen, und mal geschaut, was dabei rauskommt. Experimentiert habe ich. Ich denke, es braucht keinen, der einem sagt, was man tun soll. Dass man keinen braucht, der einem antreibt. Man will etwas machen oder nicht. Will man, so braucht man auch keine Motivation von Aussen. Mal abgesehen davon, dass ich auf Motivationen von Aussen nicht reagieren. Ich bestimme selber. Weiss selber, was ich will und was nicht. Daher habe ich mir zu hause ein kleines Fitnessstudio eingerichtet. So kann ich trainieren, wann ich will. Bin nicht auf Öffnungszeiten angewiesen. Kann dann Sport machen, wann ich will.
Von Asperger wird immer wieder behauptet, dass sie ungeschickt sind. Nun, ich jedenfalls war es. Dank dem Sport jedoch, bin ich es viel weniger. Ich bin immer noch ungeschickt, aber nicht mehr so stark. Was mir als Kind sehr viele gebracht hatte, war der Kampfsport. Da habe ich gelernt, was es heisst, Disziplin zu haben. Es ging meinen Eltern nicht um den Kampfsport, sondern weil er ihn ihren Augen am Besten für mich geeignet schien. Und heute, viele Jahre später, kann ich sagen, dass sie recht hatten.
Sport ist aber auch ein Ausgleich zum Alltag. Er lässt mich den Stress des Tages abbauen. So staut sich in meinem Kopf nicht immer alles an. So kriege ich wieder einen freien Kopf. Mir wurde mal gesagt, dass 30min laufen den Kopf massiv entlasten. Nun, ich habe es ausprobiert und bin dabei geblieben. Es funktioniert tatsächlich. Zu Beginn braucht es nur ein wenig Selbstüberwindung, danach geht es wie von selber.