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Sonntag, 27. Juli 2014

Asperger und das Abwesend sein

Muggel können andere ohne Probleme wahrnehmen. Sie sind auch wenn sie scheinbar abwesend sind, in der Lage zu spüren, was um sie herum geschieht. Sie nehmen andere mit ihren Sinnen wahr. Auch sind sie meistens darauf konzentriert, dass sie nicht mit anderen zusammenstossen, wenn sie sich in einer Menschenmenge befinden. Sie sind anwesend, obwohl sie abwesend sein können.
Ich kann abwesend sein. Kann mich von der Welt ausklinken. Kann nicht mehr vorhanden sein. Mein Körper ja, aber das ICH ist nicht mehr da. Ich werde dann auch nicht mehr wahrgenommen. Ich denke, dass das wahrnehmen eines anderen Menschen nicht nur mit der Präsents des Körpers zu tun hat, sondern auch mit der des Geistes.
Wenn ich so durch einen Bahnhof gehe, dann sehe ich das viele Muggel den Kopf gesenkt haben. Sie sind mit ihrem Handy beschäftigt. Das scheint wichtiger zu sein, als das, was um sie herum geschieht. Sie wollen nicht mehr wahrgenommen werden. Schotten sich ab. Aber sie wollen im Netz jemand sein. Wollen sich mitteilen. Dabei geben sie mehr über sich preis, als sie denken. Sie gehen sorglos mit den Informationen um, die sie teilen wollen. Doch mit wem teilen sie die Information? Wer ist so wichtig, das sie vergessen wo sie sind. Sie gehen kopflos durch die Welt. Sie achten nicht mehr auf den Strassenverkehr. Nicht mehr auf andere Muggel. Sie gehen einfach.
Das ist für mich nicht verständlich. Denn die Muggel können etwas, das ich nicht kann und sie nehmen sich diese Eigenschaft noch. Das fühlen anderen Menschen. das Wahrnehmen anderer Menschen. Ich kann das nicht. aber die Muggel schon. Dank der Handy's werden sie wie ich. Sie verstehen nicht, was für Fähigkeiten sie habe. Aber diese gehen verloren, wenn sie immer nur in ihr Handy schauen. Sie verlieren eine sehr wichtige Eigenschaft. Sie werden dadurch abwesend. Werden nicht mehr wahrgenommen.
Ich hingegen will wahrgenommen werden. Ich weiss aber, dass ich nicht immer mit der Aussenwelt verbunden bin. Das kann ich nicht steuern. Habe das nicht im Griff. Schlimm ist das für mich nicht. Aber mein Umfeld muss dann jeweils für mich entscheiden oder reagieren. Mich am Arm packen und zur Seite ziehen. Mich wieder mit der Welt verbinden. Ich bin da auf die Hilfe von Mitmenschen angewiesen. Besonders auf die Hilfe meiner Frau. Ich weiss dass ich das nicht kann, aber ich versuche wenigstes die Welt auf meine Art wahrzunehmen.
Doch viele Muggel nicht mehr. Für sie ist alles andere wichtiger. Das was um sie herum geschieht, das ist ihnen egal. Wichtig ist nur was sich im Handy abspielt. Sie denken wohl, dass das die Welt sei. Das die Welt um sie herum nicht das bieten kann, was Facebook bietet. Ich verstehe das nicht. Ich meine, das ist an den Social Medias so wichtig, das man die echte Welt nicht mehr beachtet. Selbst wenn Muggel mit anderen Muggel zusammen sind, so sind sie mit dem Handy statt mit den anderen beschäftigt. Sie reden nicht mehr miteinander. Schauen sich nicht mehr an. Sie sind abwesend, und doch anwesend. Einfach nicht mehr in der Welt. Sie leben so auch in ihrer Welt.
Da stellt sich für mich die Frage, wer mehr Autist ist, wir oder die Muggel. Wir versuchen mit der Welt zu kommunizieren. Wir versuchen mit anderen zu sprechen. Aber die Muggel verlernen das immer mehr. Sie ziehen sich in eine Welt zurück, die sie nicht verstehen. Die aber einfach zu bedienen ist. Die Werbung enthält und bunt ist. Das ist die neue Welt der Muggel. Nicht die die sie erschaffen haben, sondern eine Welt aus 0 und 1. Sie sind nicht mehr analog, wie die echte Welt sondern nur doch Digital.
Muggel wollen wichtig sein. Sie wollen angeben. Wollen dabei sein. Ihre was auch immer mit anderen Teilen. Aber nicht mehr in echt, sondern nur noch auf einem Server. Ihre Gedanken drehen sich im den nächsten Eintrag auf Facebook. Sie wollen sich selbst darstellen. Wollen anderen zeigen wie gut sie sind. Erkennen aber nicht, dass sie immer mehr abwesend sind. Das sie für andere nicht mehr in echt erreichbar sind. Sie werden unsichtbar zum Preis das sie absolut sichtbar sind. Nicht mehr für die Mitmenschen aber für die Überwacher. Die Geheimdienste. Dessen sind sie sich bewusst, aber ihnen scheint das egal zu sein. Hauptsache sie sind in der 0-und-1-Welt dabei. Sie gehören zu einer Spezies dies nicht mehr leben will, sondern nur noch existieren. Die nicht mehr anwesend ist. Die nicht mehr wahrgenommen wird. Sie sind für mich eine Spezies die vergessen hat, was es heisst, Mensch zu sein. Die vergessen hat, was es heisst, mit anderen zu sprechen, sie anzusehen.
Ich finde das schade. Denn ich hätte diese Eigenschaften gerne. Ich würde auch gerne andere wahrnehmen. Anderen ansehen können. Mit ihnen einfach sprechen und verstehen was sie meinen. Doch ich kann das nicht. Doch damit muss und kann ich leben. Ich meine, ich kenne es nicht anders. Kenne die Welt nur so, wie ich sie kenne. Ich versuche so gut ich kann in ihr zurecht zu kommen.