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Montag, 7. Juli 2014

Asperger und das Chaos

Die Welt um mich herum ist manchmal ganz ruhig, obwohl so laut und hektisch ist. Manchmal macht es mir nichts aus, wenn alles chaotisch ist. Wobei was für mich Chaos ist, ist für die Muggel im Normalfall einfach nur normal. Sie haben scheinbar einen Filter, der sie das für mich herrschende Chaos ausblenden können.
Chaos ist aber nicht das, was Aussen ist, sondern es kann auch in meinem Kopf entstehen. In meiner Zwischenwelt. In meiner Realität. Manchmal habe ich sie nicht mehr im Griff. Dann, wenn ich müde bin. Wenn ich mich nicht mehr konzentrieren kann. Wenn ich meine eigene Gedanken nicht mehr ordnen kann. Ich kann dagegen nichts tun, ausser schlafen gehen. Aber auch das wird dann nicht einfach, da ich immer am denken bin. Ich habe aber gelernt, dass ich mich dann auf einen einzigen Gedanken konzentrieren muss. Einen, der mit meinen Gedanken nichts zutun hat. So kann ich das Chaos besiegen. Wobei das nicht einfach ist, wenn ich müde bin. Wenn ich keine Kraft mehr habe. Doch es ist der einzige Weg, den ich gefunden habe.
Bin ich unterwegs, stören mich die Menschen nicht. Sie stören mich eine gewisse Zeit nicht. Doch plötzlich beginnen sie mich zu stören. Wieso, weiss ich nicht. Ich weiss nicht was die Ursache ist. Auf einmal herrscht um mich herum ein riesen Chaos. Die Muggel kommen mir alle so wild und laut vor. Hektisch und gestresst. Dies obwohl sie gar nicht stressen. Obwohl sie ganz normal sich fortbewegen. Also langsam. Doch mir kommt es vor als seinen alle in Eile. Alle nehmen keine Rücksicht. Alle sind laut. Alle sind Chaos.
Dann gibt es für mich nur eine Lösung. Ich muss da raus. An einen Ort, wo es keine Muggel hat. Mein Auto, meine Wohnung. Einfach nur weg. Nicht mehr bei den sein. Nach ein paar Minuten ist dann wieder alles in Ordnung und ich könnte wieder raus, tue es dann aber nicht. Wieso auch. Ein Chaos pro Tag reicht mir. Mehrere Chaose müsse nicht sein. Ich will mich ja nicht selbst überfordern.
Für meine Frau ist das jeweils komisch. Sie versteht mich. Aber dennoch ist es komisch für sie. Denn sie kennt das ja nicht. Kann sich nicht vorstellen, das mich die Muggel plötzlich stressen, obwohl sie einfach nur sind. Ich kann es ja auch nicht erklären. Aber ich denke, dass es die Bewegungen und Stimmen und Geräusche sind. Einfach alles auf einmal. Irgendwann wird es zu viel.
Für mich ist auch schon ein Gegenstand der nicht richtig auf seinem Platz liegt Chaos. Ich muss ihn dann für mich korrekt ausrichten. Jeder Gegenstand hat genau seine Ausrichtung. Das ist für mich wichtig. So kriege ich Ordnung in die Welt die ich nicht verstehe. So kann ich sicher sein, dass alles seinen exakten Platz hat. Dass ich den Gegenstand, wenn ich ihn brauche, auch greifen kann. Das ist für mich nicht selbstverständlich. Ist ein Gegenstand nicht da, wo er sein sollte, habe ich Mühe, ihn zu greifen. Deshalb ist es wichtig, dass alles seinen Platz hat. Aber auch der Optik wegen. Chaos muss nicht sein. Was die Muggel nicht einmal registrieren, fällt mir sofort auf. Ist ein Gegenstand nur einen Millimeter falsch angeordnet, so MUSS ich ihn richten. Um der Ordnung Willen.
Was ich alles als Chaos bezeichne, das ist für die Muggel, normal. Sie verstehen gar nicht, wieso ich mich ab jedem bisschen Unordnung aufregen kann. Sie sehen die Unordnung nicht einmal. Verstehen nicht. Erklären tue ich das auch nicht mehr. Wieso auch? Ich meine, wieso muss ich mich immer erklären, und die Muggel nicht? Nun, die können es auch nicht, weil sie über vieles nie nachdenken. Nicht einmal auf die Idee kommen. Weil für sie vieles normal ist, was für mich eben nicht so ist.
Aber ich habe gelernt, zu sagen, wenn mir was zu viel wird. Das war für mich nicht einfach. Denn ich ging davon aus, das das Umfeld schon weiss, wenn was nicht stimmt. Nun, dem ist nicht so. Heute kann ich sagen, wenn mir was zu viel wird. Nicht immer sofort, doch sicher auf das Nachfragen. Ich sehe es auch nicht als Schwäche an, zu sagen wenn was zuviel wird. Wenn ich nicht mehr kann. Im Gegenteil, das ist eine Stärke, musste ich erkennen.
Chaos ist die Welt der Muggel. Chaos ist die Welt in mir. Doch wo Chaos ist, ist auch Ordnung. Beides braucht es. Beides sollte aber im Gleichgewicht sein. Nur Chaos muss nicht sein, nur Ordnung auch nicht. Die Mischung aus beidem ist für mich das was mich weiterbringt. Wie so oft, braucht es immer zwei, dass etwas Neues entsteht. Das ich voran komme. Dass ich was Neues entstehen lassen kann.