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Montag, 14. Juli 2014

Asperger und Zahlen

Die Muggel orientieren sich an weiss nicht was. Sie haben eine Sichtweise, die mir verborgen ist. Sie erkennen andere Menschen ohne Probleme. Erinnern sich an Dinge die mir nicht logisch erscheinen. Damit meine ich, dass sie sich an Dinge erinnern, ohne einen Bezug zu Zahlen zu haben. Sie haben auch ein Gefühl für die Zeit oder für Distanzen.
Ich kann mir alles nur anhand von Zahlen merken. Jede Zahl hat ihre Farbe. Jede Zahl ihre Form. Es gibt Zahlen, die gibt es nicht. Nicht für mich. Die 54 zum Beispiel. Obwohl ich sie kenne, obwohl ich sie vorhin geschrieben habe, so gibt es sie nicht. Wenn ich einen Parkplatz aussuchen kann, so kann ich nicht einfach einen nehmen. Denn die Zahl spielt für mich eine Rolle. Es gibt Zahlen, die gehen nicht. Andere die sind kein Problem. Zum Beispiel die 295, oder 320. Die sind ok. Bei Autonummern ist es auch so. Ich muss nach meiner Logik die Zahl 8 erzeugen können. Wenn nicht, ist das Auto vor mir eine Gefahr. Ich halte dann mehr Abstand. Erklären kann ich das nicht.
Mit der Zeit ist es das Selbe. Es gibt Stunden, die gibt es nicht. 14 Uhr ist so eine Zeit. Damit kann ich nichts anfangen. 1515 ist auch so eine Zeit. Gar nicht gut. Ein Gefühl für die Zeit habe ich nicht. 1 Sekunde oder 1000, das spielt keine Rolle für mich. Das ist auch der Grund, wieso ich immer eine Uhr trage. Wieso ich oft auf die Uhr schaue. Ich muss den Muggel manchmal erklären, dass das nichts mit Langeweile zu tun hat. Sondern, dass ich mich orientieren muss. Dass ich sonst den Bezug verliere.
Zahlen sind für mich nicht einfach Zahlen. Sie sind wie ein Organismus. Sie leben. Sie sind real. Viele verwechseln das Interesse für Zahlen mit der Begabung für Mathematik. Das hat damit nichts zu tun. Zahlen zu sehen. Ihre Farben zu sehen, hat auch nichts mit dem Interesse an Mathe zu tun. Jedenfalls bei mir nicht.
Zahlen sind für mich meine Orientierungspunkte im Leben. Sie helfen mir, meinen Alltag zu gestallten. Meine Leben zu ordnen und nicht einfach so zu sein. Damit verbunden ist auch meine Überpünktlichkeit. Ich nehme das mit der Zeit sehr genau. Zuspät kommen geht gar nicht. Nicht eine Sekunde. Die Muggel, die können das. Die nehmen das mit der Zeit nicht so genau. Ist für sie auch kein Problem. Sie alle sind so. Eine Minute später oder früher, wenn interessiert es. Mich. Ich kann das nicht haben. Verstehe nicht, wie jemand so unpünktlich sein kann. Wenn zu Beispiel ein Termin um 1600 ansteht. Dann ist das 1600 und nicht 1601. Das ist eine ganz andere Zahl. Sie sieht ganz anders aus. Sie hat eine andere Farbe, eine andere Bedeutung. Nun, die Muggel verstehen das nicht. Für sie ist es einfach eine Minute später. Für mich nicht. Eine Minute hat für mich keine Bedeutung. Ich kenne, wie Oben geschrieben, keine Zeit. Also sind dir Zahlen für mich verbindlich, nicht die Zeit. Für die Muggel, ist es aber die Zeit, und die spielt nicht so eine Rolle. Das ist für mich nicht immer einfach. Doch ich habe gelernt, das zu akzeptieren. Habe gelernt, das das bei den Muggel so läuft. Dieser Prozess aber, der hat Jahre gedauert. Es war nicht so einfach die Art zu denken, zu verändern. Das heisst aber nicht, das es mir heute leicht fällt. Ich kann das mit dem zuspät kommen immer noch nicht haben. Aber ich sage mir, das das halt bei den Muggel so ist. Damit geht es für mich in Ordnung.
Zahlen dienen mir aber auch als Spass. Ich liebe es Zahlen zu schreiben. Sie zu sehen. In ihnen zu denken und handeln. Zahlen sind für mich mehr als einfach nur Zahlen. Sie sind eine Art zu leben. Eine Art zu denken und handeln.
Menschen die mit Zahlen nichts anfangen können, verstehe ich nicht. Ich weiss nicht, wie sie sich durchs Leben bringen. Ich meine, wie sich sonst orientieren, wenn nicht nach und mit Zahlen. Das ist mir schleierhaft. Aber ich denke, dass muss ich nicht verstehen. So wie ich lebe, komme ich ganz gut zurecht. Mehr brauche ich auch nicht. Wenn mir die Muggel etwas anders beibringen wollen, wehre ich mich. Ich wehre mich, weil ich der Meinung bin, das sie kein Recht dazu haben. Ich bin alt genug um selber zu wissen wie ich zu leben habe. Ich brauche niemanden, der mir sagt, was ich wie tun muss. Ich tue das mit den Muggel ja auch nicht.