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Freitag, 4. Juli 2014

Asperger und das Zusatz-Ich

Jeder Mensch hat ein ICH. Doch die Frage ist für mich, was damit anfangen? Ist das ICH wirklich meine Persönlichkeit, oder ist es einfach eine Bezeichnung der Menschen für etwas das sie nicht verstehen? Ich weiss es nicht.
Damit ich etwas tun kann, muss ich mir bewusst werden, was ich tun will. Die Entscheidung kann schnell fallen, oder aber sehr lange dauern. In jedem Fall ist das ICH beteiligt. Die Frage ist nur wie stark. Wie stark bestimmt das ICH und wie stark äussere Einflüsse.
Manchmal kommt mir ein Gedanke, was ich tun will. Aber ich tue es nicht. Kann es nicht tun. Wieso, weiss ich auch nicht. Weiss nicht, was mich hemmt. Damit ich manchmal was tun kann, brauche ich einen Impuls von Aussen. Von jemandem. Dem Zusatz-Ich. Das kann eine beliebige Person sein. Doch im Normalfall ist es meine Frau oder jemand von der Arbeit, wie mein Chef. Dabei geht es nicht um einen Befehl, sondern einfach darum, einen innere Blockade zu überwinden. Doch noch ins Tun zu kommen. Nicht einfach nur da zu sitzen und zu warten. Warten auf was? Nun, ich bin den Menschen um mich herum sehr dankbar, dass sie mir immer und immer wieder einen Impuls geben. Denn ohne diesen würde ich mit der Zeit Nichts tun. Würde einfach sein. Mich nicht einmal fragen, wieso ich nichts tue. Ich käme nicht einmal mehr auf die Idee.
Das Zusatz-Ich ist für mich das, Zwischen dem ICH und dem Unterbewusstsein. Das kann nur von Aussen kommen. Obwohl das ICH und das Unterbewusstsein in mir sind, so ist das Zusatz-Ich von Aussen. Hat aber einen direkten Einfluss auf mein Handeln. Auf mein Denken. Für mich ist das Denken mehr als nur denken. Es ist für mich meine Zwischenwelt. In ihr habe ich all meine Bilder. Meine Zahlen. Meine Ordnung. Ich kann diese einfach rumschieben holen weglegen. Wie ich will. Doch manchmal verheddere ich mich darin. Finde dann nicht mehr heraus. Mein Umfeld merkt das, und reagiert sofort. Sie fangen mich auf, und führen mich wieder in die Realität. Oder das, was sie Realität nennen. Für mich ist es einfach meine gewohnte Umgebung. Real ist für mich nur meine Zwischenwelt. Das andere ist für mich einfach da, aber ich nehme es nicht wahr. Sehen ja, bewusst wahrnehmen. Nein.
Das Zusatz-Ich ist etwas, was mich schon viele Mal gerettet hatte. Mir immer wieder neue Impulse gegeben hat und immer noch gibt. Ich denke, für mich ist wichtig, dass ich das akzeptieren kann. Dass ich nicht alles alleine machen kann. Dass ich nicht immer fähig bin, überhaupt etwas zu tun. Dass ich angewiesen bin, dass ich was mache kann. Denn ohne die Hilfe meines Umfeldes wäre ich verloren.
Auch wenn ich auf viele sehr selbstsicher wirke, so bin ich es nicht. Ich bin nur dann sicher, wenn ich mich in meinem gewohnten Umfeld befinde. Wenn ich Dinge tun kann, die ich kenne. Wenn sich aber was ändert, dann habe ich grosse Mühe damit. Dann muss mir das Umfeld erklären, wieso das so ist. Wieso ich mal wieder was anderes machen muss. Wieso ich mich mal wieder anpassen soll.
Meistens komme ich selber darauf, aber nicht immer. Dann kann ich recht ungemütlich werden. Weiss aber nicht wieso. Kann es nicht erklären. Aber ich habe Menschen um mich herum, die das für mich können. Sie wissen genau, was mir fehlt, oder mich aus der Bahn wirft. Sie führen mich dann wieder dahin zurück, wo ich mich auskenne. Erklären mir die Sache. Das braucht nur ein paar Worte. Aber die Richtigen.
Das Zusatz-Ich ist eine praktische Sache für mich. Aber ich musste lernen, dass ich auch auf andere Menschen hören soll. Dass ich nicht immer Recht habe. Dass auch ich Fehler mache. Nun, das war für mich nicht leicht. Denn ich ging immer davon aus, dass ich keine Fehler mache, nur Abweichungen. Aber dem ist nicht so. Die Menschen um mich herum haben mich gelehrt, dass ich mir aber auch vertrauen kann und soll. Das auch die Anderen nicht alles wissen und können. Das es eben nicht nur schwarz und weiss gibt. Daran arbeite ich noch. Denn für mich ist es eben genau das. Schwarz und weiss.
Dank der Impulse des Zusatz-Ich's kann ich ein für mich gutes Leben führen. Eines das ich als selbstständig bezeichnen kann. Ich wohne alleine. Ich fahre immer alleine zur Arbeite. Ich habe ein ganz tolle und sehr liebe Ehefrau. Was will ich mehr? Doch bis ich das alles hatte, brauche ich viele Jahre. Jahre der Arbeit. Jahres des Frustes. Jahre, in denen ich viel lernt und immer noch lerne. Ich denke das es wichtig ist anderen Menschen zuzuhören. Sie ernst zu nehmen. Denn sie sind das Zusatz-Ich.