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Freitag, 18. Juli 2014

Asperger und Ferien

Für viele sind Ferien die schönsten Wochen im Jahr. Sie warten im Grunde genommen nur darauf das sie endlich Ferien haben. Der Rest des Jahres geht einfach an ihnen vorbei. Das zeigen auch jedes Jahr die Staumeldungen, wenn die Ferien beginnen. Diese nehmen dann extrem zu. Sind die Muggel aber in den Ferien, so wird es ruhig im Land. Keine Hektik und keinen Stress mehr.
Ich selbst habe zur Zeit Ferien. Aber weg fahren werden meine Frau und ich nicht. Wir verbringen die Ferien bis auf ein paar Tage zu Hause. Wir wohnen ja in einer Ferienregion. Wieso also wegfahren, wenn wir das was viele wollen, vor der Haustüre haben? Für mich ist das gut so. Denn reisen, ist nicht das, was ich gerne machen. Zuviel Unbekannte. Zu viel Stress. Alles wird neu. Alles kenne ich nicht. Mein ganzer Tagesablauf gerät durcheinander.
Ich denke, dass viele Asperger auch gerne Ferien machen. Aber eben, es ist ein Umdenken. Alles ändert sich. Wenn ich arbeite, so habe ich meinen fixen Tagesablauf. Nicht nur der Tag, sondern auch die Woche. Das ist das, was ich brauche, damit ich mich orientieren kann. Habe ich jedoch Ferien, so weiss ich nie, welcher Tag ist. Weiss nicht einmal welche Uhrzeit. Obwohl ich eine Uhr trage und die Zeit sehe, weiss ich nicht, was für Zeit ist. Es dauert etwas 2 Wochen, bis ich mich an die neue Situation gewöhnt habe. Bis ich realisiere, dass ich Ferien habe.
Es ist nicht so, dass ich die Zeit nicht geniessen kann. Im Gegenteil. Ich kann so mit meiner Frau mehr Zeit verbringen, als wenn wir beide arbeiten. Da sehen wir uns ja nicht so oft und lang. Aber das gehört dazu. In den Ferien ist das anders. Wir können denn ganzen Tag und Abend zusammen sein. Zusammen leben. Für mich sind das Ferien. Wenn ich meine freie Zeit Mit meiner Frau verbringen kann. Wenn ich nicht von Termin zu Termin hetzen muss. Wenn ich einfach sein kann und nicht MÜSSEN muss.
Muggel so wie ich sie erlebe, sind vor den Ferien im aufgeregt. Sie können es nicht abwarten, bis sie endlich in die Ferien fahren können. Oder anders geschrieben, bis sie endlich mit anderen Muggel stauen können. Es scheint fast so, als ob sie dieses kollektive Stauen brauchen. Ich verstehe das nicht. Für mich ist Ferien, das ich keinen Stress habe. Nicht mit Muggel zusammen sein muss. Nicht stauen muss. Mich nicht nerven muss. Aber eben, die Muggel, die wollen das. Kaum sind sie am Ferienziel angekommen, müssen sie schon wieder stauen, anstehen. Alles ist laut und hektisch. Jeder ist in den Ferien und darf tun was er will. Das habe ich zu oft schon erlebt. Nein, das brauche ich nicht mehr. Wieso sollte ich mir das antun. Zumal ich weiss, dass ich das nicht vertrage. Es bringt meine innere Ruhe durcheinander. Ich kriege um zu viele Muggel im Kopfschmerzen. Nicht wegen der Muggel als solches, sondern weil sie laut sind. Sich immer so komisch bewegen. Das ist zu viel für mich.
Aber ihnen scheint das nichts auszumachen. Die, so kommt es mir vor, suchen das richtig. Ich suche die Ruhe. Die habe ich auch gefunden. Da wo ich wohne, gibt es das Wort Stress nicht. Da gibt es Kühe und Bauern. Kein Stadt, kein Stress. Eben voll auf dem Land. So habe ich irgendwie jeden Tag ein wenig Ferien. Auch dann, wenn ich arbeiten muss. Ich habe ja jetzt keinen langen Arbeitsweg mehr. Für mich ist das auch wie Ferien. Weniger Stress. Weniger Chaos.
Ferien bedeuten aber auch, dass ich meinen ganzen Tagesablauf neu ordnen muss. Ich ordne ihn so, dass ich nicht MUSS sondern darf. Ich muss nicht alles genau planen. Wobei, diese Erkenntnis habe ich auch noch nicht lange. Früher musste alles genau geplant sein. Musste alles organisiert sein. Heute nicht mehr. Ich bespreche mich jeden Tag mit meiner Frau, was wir tun. Mehr auch nicht. Die Zeiten werden nur grob festgelegt. Für mich passt das. So lerne ich auch, dass nicht alles auf die Minute drauf an kommt. Dass ich auch mal einfach in den Tag leben kann. Dass ich nicht immer auf die Uhr schauen muss.
Ferien sind für mich aber auch Erholung. Es geht nicht nur darum zu überlegen, wann ich was wie mache. Nein, auch mal NICHTS tun. Einfach zu sein. Das ist etwas was ich nie konnte. Doch mit meiner Frau habe ich gelernt, das ich auch mal nichts tun kann und darf. Das es in Ordnung ist, einfach zu sein. Ich denke das ist das, was Ferien ausmachen sollte, das zu sein und nicht das MÜSSEN.