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Donnerstag, 9. Oktober 2014

Asperger und keine Gefühle

Ich wusste jahrelang nicht, das ich fast nichts empfinden kann. Das ich einfach bin. Nicht mitbekomme, wenn es jemandem nicht gut geht. Aber auch, wenn es jemandem gut geht. Ich konnte, und kann nicht so reagieren, wie es erwartet wird.
Dies hat mich, als ich das herausgefunden hatte irritiert. Ich wusste nicht, wie damit umgehen. Denn ich ging immer davon aus, das alle so sind wie ich. Nur, das dem nicht so sein könnte, darauf bin ich nie gekommen. Heute weiss ich davon. Und ich habe einiges versucht, das ich mitbekomme, wenn es jemandem nicht gut oder gut geht. Doch das lasse ich wieder sein. Denn ich kriege es nicht hin. Ich kriege die Gefühle der anderen nicht mit. Verstehe sie nicht. Wie auch, da ich sie nicht kenne. Das heisst nicht, das ich keine habe, aber ich kann sie nicht verstehen. Sie einordnen. Weiss nicht was mit ihnen anfangen. Ich denke, das ist einer der grössten Unterschiede zu den Muggel. Sie können es. Nicht immer perfekt, aber viel besser als ich.
Mit wurde auch immer mal wieder gesagt, ich sei ohne Gefühle. Dies einfach deshalb, weil ich nicht so reagierte, wie es erwartet wurde. Nun, mir war es damals egal und ist es heute auch. Denn was ich nicht kann, das kann ich nicht. Wieso sollte ich etwas tun, wozu ich keine Fähigkeiten habe? Die Muggel wollen uns beibringen auf Gefühle zu achten. Sie zu verstehen. Genau so gut könnte ich von ihnen verlangen, die Welt nur in Zahlen zu sehen. Töne in Formen. Viel schneller zu denken und zu gehen. Das können sie auch nicht. Ich sage aber denen nicht, das sie das können müssen damit ich sie akzeptiere. Ich lebe mit ihnen. Sie mit mir.
Wenn jeder jeden so akzeptiert wie er ist, hätten wir auch ein paar Probleme weniger. Aber die Muggel wollen, das wir die Gefühle verstehen. Sie wollen, das wir ihre Sprache sprechen. Nun, viele von uns können sie nicht. Verstehen auch nicht wieso sie sie lernen sollten. Es ist mühsam. Und ich reagierte, wenn ich es versuchte immer falsch. Nun, daher lasse ich das. Lebe so, wie ich bin. Sie müssen mit mir klar kommen und ich mit ihnen. Damit habe ich keine Probleme. Ich habe erst dann Probleme, wenn meine Art in Frage gestellt wird. Wenn ich nicht so sein darf, wie ich bin. Das hat nichts mit Egoismus zu tun. Sondern vielmehr damit, das alles andere zu extrem ist. Das das Muggel-Sein zuviel Energie braucht. Zuviel Denkarbeit. Das muss nicht sein.
Seit ich nicht mehr versuche so zu sein wie die Muggel, habe ich viel weniger Stress. Kann ruhiger leben. Kann leben ohne das ich immer denken muss ich muss jemandem genügen. Die andere Frage wäre doch, genügen sie mir? Diese Frage stelle ich mir aber nicht. Da sie nur ins Absurde führen würde.
Keine Gefühle zu haben, ist nicht schlimm. Wieso auch? Ich kenne es nicht anders. Kennen nur mich. Weiss nicht, wie es ist ein anderer zu sein. Weiss nicht, wie es ist, wenn man alles mitbekommt. Empathie als Stichwort. Damit kann ich nichts anfangen. Ich weiss aber wie ich sie nutzen kann um den Muggel zu erklären wie es mir geht. Das war auch nicht so einfach so eine Sprache zu entwickeln. Ich erkläre vieles das sie mich fragen, in Gleichnissen. Mit etwas das sie kennen. So ist es einfach. Denn in meiner Sprache würden sie es nicht verstehen. Sie bekämen Angst. Das muss dann auch nicht sein. Nicht das mich das stresst, wenn sie Angst bekommen, aber sie sind dann zu nichts mehr zu gebrauchen.
Gefühle sind für die Muggel. Ich habe meine eigene Art. Damit komme ich gut zurecht. Ich kann mein Leben so leben, wie ich will. Kann so sein wie ich bin. Ich denke, das ist etwas, das vielen Autisten versucht wird zu nehmen. Ihre eigene Art. Die Muggel verstehen nicht, das auch wir ein Recht auf Selbstbestimmung haben. Das auch wir leben wollen. Nur so, wie wir wollen und nicht wie die Muggel denken, das es richtig sei.