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Mittwoch, 1. Oktober 2014

Asperger und keine Aussenwahrnehmung

Muggel nehmen die Welt wahr. Sie merken die Welt um sich. Sie merken die anderen. Sie können sich darauf verlassen. Meistens. Für sie ist es normal, das sie das können.
Mir jedoch wurde es erst vor einigen Jahren bewusst, dass ich das nicht kann. Das ich keine Wahrnehmung gegen Aussen habe. Das ich nicht merke, wenn jemand im Raum ist. Das ich die Gegenstände nicht merke. Das ist für mich kein Problem. Ich kenne es nicht anders. Wenn ich das jemandem erkläre, so verstehen er nicht. Wie auch? Das ist ja etwas, was wahrscheinlich nur wenige Menschen kennen.
Ich habe über dieses Thema schon mehrere Male geschrieben. Es ist etwas, das mich, seit ich das weiss, beschäftigt. Der Grund ist, das ich auch gerne wissen würde, wie es ist, die Welt um mich zu spüren. Zu merken, das sie da ist. Aber ich denke, das wird nie der Fall sein.
Es ist so, wie in einem Glashaus. Ich sehe die Welt um mich. Ich kann mit ihr kommunizieren. Aber ich bin nicht Teil von ihr. Ich bin nur Teil von mir. Das ist für ich die bildliche Darstellung des Autismus. Das Glashaus. Nur, das es ein sehr kleines ist. Es ist eng um mich. Wie eine zweite Hülle. Wie eine zweite Haut. Eine Haut die fast nichts durchlässt.
Nun, ich habe gelernt mich damit zu arrangieren. Habe gelernt, dass ich trotzdem ohne mich viel zu stossen, durch die Welt bewegen kann. Seit ich das weiss, habe ich viel weniger blaue Flecken. Weniger Schürfungen. Ich benutze meine Hände dafür. Ich taste mich durch die Welt. Wie einer im Dunkeln. Nur kann ich das so machen, das es nicht auffällt. So bewege ich mich scheinbar mühelos. Doch dem ist nicht so. Ich muss mich sehr konzentrieren. Muss gut schauen. Dies auch, weil ich nicht den Sehwinkel der Muggel habe. Meiner ist eingeschränkt. Nur, auch das wusste ich lange Jahre nicht. Heute weiss ich es. Ich schaue einfach mehr nach links und rechts als andere Menschen. Das ist für mich normal. Das ist auch nicht hinderlich. Im Gegenteil. So bekomme ich mehr von der Welt mit als zuvor. Ich kann so Gefahren schneller erkennen. Kann ihnen besser ausweichen.
Nur, das ganze funktioniert nur, wenn ich nicht müde bin. Wenn ich müde bin, dann verschwindet alles. Ich bekomme fast nichts mehr mit. Sehe auch nicht mehr so breit, wie durch den Tag. Höre aber besser. Bin Lichtempfindlicher. Nun, das ist nicht tragisch. Denn im Normalfall bin ich zu hause. Dann spielt es keine Rolle. Da kann ich mir ja meine Umgebung so einrichten, wie ich will.
Nur, für Muggel ist es irritierend wenn ich gegen sie laufe. Sie meinen dann, ich schaue nicht. Nein, ich nehme sie nicht war. Das passiert leicht, wenn ich von vielen Menschen umgeben bin. Da bekomme ich dann fast nichts mehr mit über. Dann wird es schwierig, wenn ich alleine bin. Jedoch ist das so selten der Fall. Im Normalfall ist meine Frau bei mir. Sie hält mich. So habe ich Kontakt zu ihr. Kontakt zur Aussenwelt. Dann bin ich auch abgelenkt. Das hilft. Ablenken. Etwas lesen. Plakate. Mit ihr sprechen. So bekomme ich ein wenig weniger mit über. Das reicht schon, damit ich nicht gestresst bin. Es braucht nicht viel. Aber das Wenige, das es braucht ist entscheidend. Das wissen nur die Wenigsten. Der Unterschied von uns zu den Muggel ist klein. Aber entscheidend. Er macht den Unterschied. Dieser kann aber so gross werden, das es fast unmöglich ist sich in der Welt der Muggel zurecht zu finden. Besonders dann, wenn man keine Aussenwahrnehmung hat. Auch merke ich nicht, wenn mich jemand anschaut. Das hat Vorteile aber auch Nachteile. Schaut mich meine Frau an, so will etwas von mir. Nur, ich merke es nicht. Reagiere nicht. Sie weiss es, und ich denke, dass es sie nicht stört. Jedoch bei anderen Menschen die mich nicht kennen, kann das leicht zu Problemen führen. Denn sie meinen, dass ich sie nicht beachte. Dem ist aber nicht so. Ich merke einfach nicht, wenn sie mich anschauen. Ich kann mir nicht einmal vorstellen wie das ist. Muss ich das? Nein, denn ich kenne es nicht, und vermisse es also nicht. Sage ich das denen die mich nicht kennen, so sind sie irritiert. Aber ich denke, sie haben Verständnis. Zumindest diejenigen die sich mit dem Autismus auskennen.
Es braucht Verständnis wenn jemand die Aussenwelt nicht wahrnehmen kann. Nicht einfach dumme Sprüche. Die helfen nicht weiter. Aber die Muggel tun genau das. Dies nicht mit böser Absicht. Sie wissen es nicht besser. Sie wissen nicht, wie es ist, wenn man in sich selbst gefangen ist. Wenn man nicht merkt, das einem die Welt umgibt. Andere Menschen. Sie verstehen nicht. Doch durch Erklärungen kann das gemildert werden. Die Muggel verstehen dann und machen keine dummen Sprüche mehr.