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Dienstag, 28. Oktober 2014

Asperger und keine Sicht

Die Muggel schauen mit den Augen. Sie meinen, dass das was sie sehen, alles ist. Das das was ihnen ihre Augen zeigen, die Welt ist. Aber dem ist nicht so. Es gibt noch eine andere Sicht. Diese Sicht ist nicht einfach zu beschreiben. Sie ist die Sicht, welche ich im Normalfall habe. Sie ist wie eine Schicht zwischen meinen Augen und der Welt. Ich kann Bilder sehen. Kann Formen sehen. Sie helfen mir, dass ich mich orientieren kann. Fällt sie weg, bin ich blind, obwohl ich sehen kann. Ich kann mich noch durch die Welt bewegen. Aber nicht mehr schnell. Muss alles ertasten. Wie ein Blinder eben.
Das ist etwas, das ich denn Muggel nicht einfach so erklären kann. Denn viele verstehen nicht, was ich sage. Sie wissen nicht einmal wovon ich spreche. Wie auch? Sie kennen das ja nicht. Für mich ist es normal. Aber eben, wenn ich dies verliere, wird es schwierig. Und ich kann diese Sicht verlieren. Dann, wenn alles zuviel wird. Wenn ich nicht mehr klarkomme. Dann beschränkt sich mein Verstand auf das Minimum. Alles wird abgeschaltet. Auch dieser Sinn. So haben ich in dem Zustand keine Sicht. Keinen Zugriff auf Gedanken und Bilder. Kann so nicht denken. Komme so nicht voran.
Ich weiss aber, dass das wieder vorübergeht. Das ich die Sicht nicht für immer verloren habe. Sondern, sobald ich wieder weniger gestresst bin, diese Fähigkeit zurückkommt. So war es bis jetzt jedes mal.
Nun, keine Sicht auf die Welt kann ich auch haben, wenn es zu laut und hell ist. Dann sehe ich fast nichts mehr. Muss mich extrem konzentrieren, um nicht überall gegen zu laufen. Muss mich ebenfalls durch die Welt tasten. Welches Muggel versteht das schon? Ich meine, sie haben eine Filter. Ich nicht. Ich habe Filter, aber die sind nicht so, wie die der Muggel. Ich sehe Dinge, die sie nicht sehen und wahrnehmen können. Aber auch sie sehen Dinge und nehmen Sachen wahr, die ich nicht tue. Somit gleicht es sich wieder aus. Ist auch recht so. Aber, dieser Gedanke hilft mir auch nicht, wen ich nicht sehen kann. Es ist ein Gedanke der beruhigen soll. Nun, das tut er nicht. Wieso auch? Ich meine, ich bin auf all meine Sinne angewiesen. Besonders der Bildersinn. Aber auch der Gehörsinn. Ich brauche Bilder, damit ich mich orientieren kann. Es ist auch so nicht so einfach. Aber ich komme damit klar. Schliesslich kenne ich es nicht anderes.
Viele sagen, dass sie mal die Welt mit meinen Augen sehen wollten. Nun, sie würden weniger sehen. Würden Die Welt komisch sehen. Denn es sind nicht die Augen, welche entscheidend sind, sondern das innere Auge. Das was für die Bilder zuständig ist. Ich nenne es das innere Auge. Wieso auch nicht? Damit kann ich auch sehen. Nur, klar, ich habe kein Auge im Innern.
Vorstelle kann man sich die Sache so. Es ist wie wenn Nebel herrscht. Nicht dichter, aber Nebel. So sehe ich dann die Welt. Nur wage und nicht scharf. Ich kann Distanzen so noch schwerer einschätzen als sonst. Muss vorsichtig sein. Muss aufpassen. Nun, da ich darum weiss, kann ich auch darauf reagieren. Kann damit umgehen. Aber einfach ist es nicht. Denn in diesem Zustand würde ich am liebsten Nichts tun. Würde am liebsten nicht raus. Aber das geht nicht. Daher gehe ich alles einfach langsamer an. ruhiger. Ist vielleicht auch mal nicht schlecht.