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Dienstag, 22. Dezember 2015

Asperger und das Leiden

Leide ich? Nein. Nun, viele Menschen denken das Autisten leiden. Leiden am Autismus. Aber ich denke und das ist auch meine Erfahrung, sie tun es nicht. Wieso auch? Ich meine, leiden die NT am NT-Syndrom? Sicher nicht. Dennoch kann der Mensch leiden. Leiden wegen den Veränderungen. Leiden, weil er etwas nicht hat. Oder weil er etwas nicht bekommt. Sich etwas nicht leisten kann. Ich denke, das ist nicht nur für die NT sondern auch für die Autisten gültig. Im Gegensatz zu den NT sagen wir es nicht. Aber an meinem Verhalten an merkt man schnell, wenn etwas nicht so ist, wie es eben sein soll.
Leiden kann nur durch eines überwunden werden. Indem man loslässt. Indem ich mir sage, das es gut ist, so wie es ist. Das es eben so sein muss. Festhalten an Gewohntem bringt es nicht. Festhalten an dem ich ich nicht habe, bringt es auch nicht. So kann Leiden vereinfacht gesagt überwunden werden. Doch geht es immer nur darum Leiden zu überwinden? Für die NT sicher nicht immer. Sie suhlen sich gerne im Leiden. Im eigenen Leiden aber besonders im Leiden der anderen. Anders kann ich mir nicht erklären das die Menschen so viel Gewalt und Tod bringen. Das war jetzt ein Satz der wertend ist. Aber es ist doch so. Wenn alle nach Harmonie streben würden, dann gäbe es das was ich jeden Tag in den News sehe, nicht. Der Mensch fügt eben nicht nur sich sondern auch anderen Leiden zu.
Zurück zum Thema. Ich leide also nicht am Autismus. Ja, leide ich? Wie Oben. Nein. Wieso nicht? Weil ich eben erkannt habe, dass es nicht sinnvoll ist, an allem festzuhalten. Das alles ständiger Veränderung unterworfen ist. Das ich nichts festhalten kann. Wenn ich es versuche, so ist es weg. Jede Sekunde ist anders. Jeder Tag ist anders. Nichts ist zweimal gleich. Extrem gedacht? Ja vielleicht. Aber es ist doch so. Denk mal darüber nach? Es wir einfacher, wenn man im JETZT lebt und nicht in der Vergangenheit oder gar Zukunft. Was mir nicht leicht fällt. Denn ich lebe gerne in der Zukunft. Meine Welt. Aber sie bringt auch die Gefahr mit sich, das ich eben den Bezug zum JETZT nicht mehr habe. Das mir alles veraltet vorkommt. Das bringt dann eben leiden. Leiden das nicht sein muss.
Nur, zu erkennen das ich nicht leiden muss war nicht einfach. Dabei geht es nicht darum ein Ego zu sein. Sondern es geht darum auch anderen zu helfen. Aus freien Stücken. Helfen mindert das eigene, aber auch das Leiden der anderen. So ist allen gedient. Ich sehe das Leiden auch als gute Schule für mein eigenes ICH. Denn so erkenne ich immer mehr, dass das was ich tue auch Auswirkungen auf die anderen hat. Und somit auch wieder auf mich selber.
Leiden kann also nur überwunden werden, wenn ich mir bewusst bin das ich leide und an was. Das muss jeder für sich klären. Aber es bringt nichts einfach zu sagen, ich bin Autist und leide deswegen. Sondern, ich sage mir ich bin Autist und leide eben genau wegen diesem Wissen nicht mehr. Denn ich weiss was ich bin. Welcher NT kann das von sich sagen? Sie sind sich doch oft nicht bewusst, was sie sind. Was sie stresst und was sie brauchen? Autisten aber, die haben es einfacher. Sie mussten lernen mit der Welt zurecht zu kommen. Vieles über sich herausfinden. Mir jedenfalls geht es so. Seit Jahren arbeite ich daran. Fertig bin ich damit noch lange nicht. Muss ich auch nicht.
Im Gegenteil ich finde es spannend zu sehen wie ich mich verändere. Wie sich mein Umfeld verändert. Ja einfach alles. Früher litt ich darunter. Unter den Veränderungen. Heute nicht mehr. Heute nehme ich sie dankbar an. So leide ich weniger als auch schon. Wobei gar nicht mehr leiden, so denke ich, kann niemand. Es gibt doch immer Dinge welche einem Leid zufügen. Dabei muss es nicht einmal ein Mensch sein. Man kann es auch selber sein. Einfach weil man nicht erkannt, wozu etwas ist. Oder wieso man etwas, das andere haben, nicht hat. Etwas das andere können nicht kann. Auf der anderen Seite sage ich mir, das auch ich Dinge habe die sie nicht haben. Das auch ich Dinge kann, die sie nicht können. So gleicht es sich wieder aus und das Leiden wird kleiner. Versucht es doch mal. Es ist nicht einfach, aber es lohnt sich.