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Montag, 13. Juni 2016

Asperger und aktiv abwesend

Scheinbar nicht geistig anwesend sein, bedeutet doch für die NT, dass man sich nicht interessiert. Das man nicht zuhört. Nicht auf sie eingeht. Nun, das hat was, das mit dem eingehen. Aber sie meinen, das geistige Abwesenheit bedeutet, dass man nichts tut. Das man nicht denkt.
Nun, für mich ist das Abwesendsein, etwas Aktives. Ich tue dann was. Nur, für das Gegenüber ist es eben nicht sichtbar. Ich kann auch plötzlich etwas schreiben. Nur, das zeige ich niemanden. Es sind meine Notizen. Diese brauche ich meistens ein paar Tage später dann.
Für mich ist aktiv abwesend sein, so was wie der Blick in Zukunft. Kassandra. Deshalb auch die Notizen. Dass ich mich später dann wieder daran erinnern kann. Dies ist eine Fähigkeit, die ich mal entdeckt habe. Nur, NT denken jetzt, wie praktisch. Der kann die Zukunft sehen. Nein, nicht so wie sie meinen. Ich kann Ereignisse sehen. Dinge die geschehen werden. Die aber mit dem zusammenhängen, was ich tue. Also nix mit Lottozahlen. Sonst würde ich ja nicht mehr arbeiten. Nein, die Sache mit dem aktiv abwesend sein, ist viel komplexer als viele meinen. Es ist so, als ob ich in einer Art Kino bin. Nur, dass die Bilder nicht scharf sind. Ich erkenne aber dennoch was sie bedeuten.
Für Aussenstehende wirke ich in so einem Fall abwesend. Nicht da. Weggetreten. Abgemeldet. Nun, wie gesagt, das täuscht. Nur weil ich nichts sage oder mich auf eine Diskussion einlasse, heisst das noch nichts. Für NT die das nicht kennen, ist es verwirrend. Denn sie erwarten ja immer sofort eine Rückmeldung. Sie sind es nicht gewohnt, wenn keine kommt. Und wenn, das sie der Sache weit voraus ist. Also auch nicht gut.
Aber damit muss ich leben. Und die die mit mir arbeiten. Denn ich kann das nicht einfach an und abschalten. Wie es die NT denken, dass ich es kann. Ist das eine Eigenschaft von Autisten? Nun, ich weiss es nicht. Es ist eine Eigenschaft, die ich habe. Bei anderen habe ich das so noch nie beobachtet. Und ich arbeite jetzt dann doch seit fast 5 Jahren mit Autisten. Naja, macht mich das besonders? Ja, sicher. Besonders mühsam. Aber nichts Besonders. Denn wenn dem so wäre, könnte ich ja viel Geld damit machen. Aber das ist nicht mein Ziel.
Für mich ist es oft störend. Das aktive abwesend sein. Denn ich weiss genau, das ich reagieren sollte. Etwas sagen sollte. Aber es geht nicht. Ich denke, ich bin damit nicht der Einzige. Ihr kennt das sicher auch.
Nur, ich arbeite eben in einem Umfeld, dass das zulässt. Das keinen Stress deswegen macht. Nicht wie in einer normalen Firma mit normalen NT. Den die Menschen mit denen ich arbeite die sind alle sehr gut ausgebildet. Das ist was anderes, als einfach so unter NT zu arbeiten. Das ist nicht meins. Ich weiss nicht einmal, ob ich das noch könnt. Auf längere Zeit.
Autisten, so wird immer mal wieder behauptet, können nicht auf andere eingehen. Sie können nicht lange Gespräche führen. Seinen immer passiv. Nun, ich erlebe beides. Ich kenne Autisten, die sind sehr redsam und solche die sehr verschwiegen sind. Aber die gibt es bei den NT auch. Nur, bei uns wird das halt thematisiert. Weil wir Autisten sind. Da scheint es was besonders zu sein, wenn wir sprechen. Also mal nicht abwesend sind. Wie die NT denken. Nein, die meiste Zeit sind wir wie die NT doch auch, anwesend.
Bei mir kommt es auf die Diskussion und die Teilnehmer an. Auch, was an der Besprechung so besprochen wird. Wenn ich denke, das es um weiters Vorgehen geht, dann höre ich halt ehre zu, als dass ich was sage. Kassandra. Naja, wie gesagt, das geschieht automatisch. Bei einem einfachen Gespräch, komischerweise, ist mir das noch nie passiert. Es scheint so, als ob mein Gehirn entscheidet wann ich aktiv abwesend sein muss und wann nicht. Aber eben, das ist nicht immer angenehm. Denn ich denke oft, dass das was ich sehe, eh nicht verstanden wird. Da es zu weit in der Zukunft liegt. Auch die Zusammenhänge sind für NT dann oft nicht so einfach nachvollziehbar.
Da ich darum weiss, schweige ich eben oft. Und bringe dann das passende, wenn ich denke das es passt. Naja, das erfordert halt, dass ich immer und immer wieder meine Notizen durchsehe. Deshalb sind alle immer mit einem Datum versehen. Das ist das was ich tun kann wenn ich aktiv abwesend bin.
Da soll mal einer sagen, abwesend sein, bedeutet, nichts zu tun. Nun, ich tue dann am meisten. Nur leider hat eben niemand was davon. Aber ich denke, das ist eben ein Teil des Autismus. Damit muss ich leben, ob ich will oder nicht. Wichtig ist mir nur, dass ich das einfach so annehme. Und mein Umfeld ebenfalls. Denn ohne Toleranz und Akzeptanz geht es eben nicht.