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Dienstag, 21. Juni 2016

Asperger und die Sonderbehandlung

Wenn ich mir die Menschen heute so ansehe, dann denke ich oft, das sich alles immer nur um sie drehen muss. Sie sie und nochmals sie. Sie wollen, dass man sich nur um sie kümmert. Es geht immer nur darum, was sie wollen. Die Menschen.
Doch was passiert, wenn jemand unter ihnen ist, der mit alledem nicht zurecht kommt. Der wirklich eine Sonderbehandlung braucht. Nicht weil er diese will, sondern braucht. Weil er sonst nicht zurecht kommt. Damit haben dann viele NT so ihre Mühen. Sie begreifen nicht, das es wirklich Menschen gibt, die mit ihrer Welt, der NT-Welt, nichts anfangen können. Ja darauf angewiesen sind, das sie Menschen um sich haben, die sie verstehen.
Ich gebe mit immer Mühe, die NT zu verstehen. Aber auch ich merke immer wieder, das ich sehr schnell nicht mehr zurecht komme. Das ich oft nicht genau verstehe, wieso sie so reagieren, wie sie eben reagieren. Brauche ich deshalb eine Sonderbehandlung? Ja und nein. Ja, weil ich sonst wirklich nicht zurecht kommen würde. Nein, weil ich immer wieder denke, es geht auch ohne. Nicht aus Stolz, sondern einfach um mir zu beweisen das es auch ohne geht. Was meistens nicht gelingt. Denn ich kann nicht einfach in einer Welt leben, die ich nicht verstehe. Deshalb habe ich mir meine eigen Welt in der Welt der NT gebaut. Eine Welt, die gegen Aussen in der NT-Welt ist, aber intern doch nicht ist.
Auf der anderen Seite finde ich, das die NT es manchmal auch übertreiben. Sie geben uns dann nur noch eine Sonderbehandlung. So denke ich, werden wir nicht ernst genommen. Und, wer sich früh daran gewöhnt hat, der kann nur noch schwer zurück. Daher bin ich froh, dass ich meine Diagnose erst mit 35 erhalten habe. Das ich also eine Art normales Leben leben konnte. Ohne Sonderbehandlung. Heute aber muss ich auch zugeben, bin ich froh, dass ich nicht mehr einfach ein Normaler bin. Das Rücksicht auf mich genommen wird. Auch wenn ich das nur schwer zugeben kann. Aber es ist.
Ich musste erkennen, das ich nicht einfach so mal eine Arbeit annehmen kann. Nicht einfach in er NT-Welt funktionieren kann. Ist das schlimm? Nun, am Anfang, ja sicher. Ich musste alle meinen gewohnten Muster aufgeben. Musste neu leben lernen. Alles musste neue sein. Doch heute kann ich sagen, das sich das sehr gelohnt hat. Das ich freier leben kann als zuvor.
Dies auch dank der lieben Menschen welche mich umgeben. Allen voran meine geliebte Frau. Sie behandelt mich normal. Bei ihr habe ich keine Sonderstellung. Ausser, dass ich ihr Mann bin. Aber damit bin ich ja nicht alleine. Das geht vielen Paaren so. Das Thema Autismus spielt für sie keine Rolle. Nach all den Jahren hat sie sich an meine Marotte gewöhnt. Und, sie erklärt mir heute noch die Welt der NT. Was ich sehr schätze. Denn so lerne ich diese komische Welt noch besser kennen. Vielleicht kann ich ja eines Tages ganz ohne Sonderbehandlung sein. Aber ich denke eher nicht.
Auch sollte man sich nicht zu schade sein, Hilfe anzunehmen. Sich mal was erklären lassen. Wieso auch nicht? Es ist also mit der Sonderbehandlung nicht so, wie es die NT denken. Das ich alles um einem dreht. Sondern es geht viel mehr darum, Verständnis zu haben. Wobei dieses von den NT grösser sein muss, als von uns. Was so nicht fair klingt. Aber sie können damit besser umgehen, wenn jemand anders ist. Für mich ist es sehr schwierig. Denn ich kenne eben nur eine Art. Meine. Alles andere kann ich mir nicht vorstellen. NT eben schon. Naja, wieder so ein Unterschied.
Sonderbehandlung ist für mich eigentlich das falsche Wort. Nur, mir ist kein besseres in des Sinn gekommen. Jedenfalls versuche ich trotz allem so unabhängig wie möglich zu sein. Zu leben. Denn ich will einfach nur als Mensch wahrgenommen werden. So wie ich versuche, die NT auch als Menschen und nicht als NT wahrzunehmen. Was mir nicht immer gelingt. Aber ich arbeite dran.