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Freitag, 24. Juni 2016

Asperger und das System verlassen

Wenn einer Gruppe das System in dem sie leben, nicht passt, dann stimmen sie über den Verbleib darin, ab. Ist eine Mehrheit für den Austritt, dann ist die Sache beschlossen.
Nur, wir Autisten haben diese Wahl nicht. Wir müssen in einem System leben, das nicht für uns gemacht ist. Das anders funktioniert, als wir es bräuchten. Würden wir abstimmen, so wäre das Ergebnis verheerend für uns. Eine totale Niederlage. Wieso? Weil wir eben nur wenige sind. Unsere Stimme zählt in der NT-Welt nichts.
Die Frage die sich stellt, ist doch, kann man das System trotzdem verlassen? Ja man kann. Es geht. Wie? Indem ich einfach so wenig Kontakt zu der Welt habe, wie es nur geht. Aber ich lebe natürlich nicht nur für mich alleine. Ich habe eine Frau und ich arbeite. Kaufe ein. Mehr aber auch nicht. Mir reicht das vollauf.
Für die NT wäre so was nicht denkbar. Sie müssen in der Illusion des Systemes leben. Sie brauchen viele andere um sich. Sonst fühlen sie sich einsam und verlassen. Sie haben Angst. Ich habe das nicht.
Was ich über mich herausgefunden habe, ist, dass ich sehr viel mehr Ruhe brauche als ein normaler NT. Das ich nicht ständig um Menschen sein kann. Auch nicht im meine Frau. Ich brauche einfach mein System. Ein System das ich mir selber erschaffen habe. Das vor allem aus einer Sache besteht. Ruhe und nicht sprechen. Es ist nicht so, dass ich nicht sprechen will oder kann. Ich kann sogar sehr viel sprechen. Manchmal auch zu viel. Aber das ist ein anderes Thema.
Jedenfalls ist das normale System nicht vollständig zu verlassen. Egal wie zurückgezogen man auch lebt. Es gibt mindestens jemanden der an einem denkt. Jedes Jahr. Das Steueramt. Die vergessen einem schon nicht. Schreiben immer wieder gerne, wenn sie was wollen. Das ist für mich so was die der letzte nicht abbrechbare Kontakt zur Welt.
Von den Menschen kann man, wenn man will, sich vollständig zurückziehen. Aber nicht von den Steuern. Insofern wir so immer an einem gedacht. Wenn auch nicht aus Liebe. Wie auch immer.
Das System verlassen ist für mich aber nicht nur eine Sache der physischen Anwesenheit, sondern vor allem eine geistige Sache. Fühle ich mich mit der Welt voll verbunden? Will ich ein wirklicher Teil der Welt sein? Das sind für mich so Fragen die ich mir gestellt habe. Immer und immer wieder.
Bis ich erkannt habe, das das vollständige Verbleiben in der Welt nur eines verursacht. Leiden. Leiden aber kann nur überwunden werden, wenn man es erkennt und den Weg zum beenden des Leidens geht. Sprich man lebt in seiner Welt. Fühlt sich nicht als vollständigen Teil der Welt. Lebt nicht in der Illusion in der die meisten NT leben. Sie können und wollen das System nicht verlassen. Es gibt ihnen Sicherheit. Mir Leiden. Nur, das verstehen sie nicht. Sie meinen, das die Welt so wie sie ist, für alle ok ist. Das sie so schon passt. Tut sie aber nicht.
Sie ist viel zu hell. Zu laut. Zu komisch. Auch wenn ich mir das nicht anmerken lasse, so frage ich mich oft,wie ich das aushalten kann. Was ich übrigens nicht immer kann. Wer schon? Ich denke ich kann es nur deshalb aushalten, weil ich mich oft in mich zurückziehe. Etwas was wir Autisten viel besser als die NT können. Ich kann das so weit treiben, dass ich die Welt nicht mehr wahrnehmen kann. Das ich vollständig in meiner Welt bin. Nur, da kann ich auch nicht immer sein. Denn ich habe ja noch Verpflichtungen. Solche aber, die bewusst auch will. Denn nur so kann ich mein Leben so leben, wie ich will. Bin nicht noch mehr als sonst von einem System abhängig, das ich nicht verstehe. Das ich nicht vollständig verlassen kann.