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Dienstag, 9. August 2016

Asperger und das nicht einfache Leben

Die Welt der NT hat Regeln. Sie hat Normen. Sie hat besonders Vieles, was nicht ausgesprochen wird. Konventionen die NT einfach können. Vieles von dem erleichtert den NT das Zusammenleben. Ohne diese Normen und Konventionen gäbe es noch mehr Chaos als sonst schon herrscht.
Nur, ich kann damit nicht viel anfangen. Konventionen? Normen. Klar, kenne ich einige. Aber sicher nicht so viele wie die NT. Auch muss ich immer überlegen, wie ich mich verhalten soll. Mal kommt es gut, mal nicht.
Bin ich in meiner gewohnten Umgebung, sei es zu Hause oder auf Arbeit, dann ist es kein Problem. Aber sobald ich mit anderen NT in Kontakt komme die ich nicht kenne, wird es schwieriger für mich. Ich muss dann sehr viel denken und überlegen. Eben, weil ich dann nicht so sein kann, wie ich bin. Autist.
Alles in allem ist das Leben unter den NT nicht einfach. Für mich nicht. Und sicher für viele von euch auch nicht. Ich habe einfach das Glück das ich sehr viele verständnisvolle Menschen kenne. Das war aber nicht immer so. Den grössten Teil meines Leben verbrachte ich als sogenannter Normaler und Normalen. Ich wusste ja nichts von Asperger und Autismus. Das hat mir in all den Jahren sehr viel Stress verursacht. Zuviel. So viel, dass ich mein ganzes Leben überdenken musste. Ich musste alles hinter mir lassen und neu beginnen. Das war nicht einfach. Denn ich musste feststellen, das mein Leben eine Art Lüge war. Das nichts so war, wie es schien. Musste also zu mir finden. Musste lernen ich zu sein. Das hat mein Leben zu Beginn noch viel schwieriger gemacht. Das war damals, vor Jahren.
Heute ist es einfacher. Aber eben, nur so lange wie ich da bin, wo ich sein will. Wenn nicht, ist das Leben anstrengend und voller Fallen. Fallen in die ich immer mal wieder reintappe. Die Unverständnis auslösen können. Ja, sogar, das sich NT von mir abwenden. Eben, weil sie nichts wissen, was mit Autismus zutun hat. Weil sie sich nicht vorstellen können, dass ich anders, wir anders, sind. Erklären, was Autismus ist, das habe ich schon vor Jahren aufgeben. Es bringt nichts.
Ich erlebe immer wieder Autisten, die ganz ok sind. Mit denen ich ohne Probleme sprechen kann. Die eine sehr angenehme Art haben. Aber eben, nur so lange wir unter uns sind. Wenn ein NT dazu kommt, ist es damit aus.
Manchmal frage ich mich, wieso das so ist. Ich meine, wenn ich alleine zuhause bin, habe ich kein Asperger. Nur wenn ich draussen bin. Bei den NT. Das jedenfalls ist mein Eindruck. Der kann auch täuschen. Denn ich kann mich ja nicht selber von Aussen wahrnehmen. Kann mich nicht selber erleben.
Jedenfalls ist das Leben als Autist in einer Welt, die nicht für uns gemacht ist, nicht einfach. Nur, damit muss ich klar kommen. Ob ich will oder nicht. Ich muss. Denn, wenn ich es nicht tue, so habe ich keine Chance auf ein eigenständiges Leben. Ich würde abhängig sein. Abhängig von der Launen von NT. Von Berater und Psychologen. Nein, dass muss nicht sein. Will ich auch nicht. Also versuche ich, das Beste aus dem zu machen, was ich habe und kann. Was ich bin. Das das nur unter bestimmten Bedingungen gelingt, weiss ich heute auch. Damit aber kann ich gut leben. Besser so, als gar nicht. Und ich liebe Herausforderungen. Also ist ein nicht ganz einfaches Leben genau richtig für mich. Auch wenn ich mir manchmal wünsche, das dem nicht so ist. Das es einfacher sein müsste. Nun, ist es eben nicht. Also stelle ich mich dem nicht einfachen Leben.