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Samstag, 13. August 2016

Asperger und die Sinnfrage

Die Sinnfrage ist eine Frage die nicht einfach zu beantworten ist. Denn es geht für mich nicht um den Sinn des Lebens, sondern um den Sinn in dem was man tut.
Von Autisten höre ich immer mal wieder, dass sie keine Sinn in dem sehen, was sie tun. Das sie nicht motiviert sind überhaupt etwas zu tun. Nun, das nicht einfach so zu leben. Denn so tut man überhaupt nichts. Man versinkt in sich selber. Kann nichts mehr tun. Weder für sich, noch für andere.
Ich hatte das auch mal. Alles ergab einfach keinen Sinn mehr. Alles war sinnlos geworden. Egal was ich tat. Nichts konnte mich mehr motivieren. Die Frage ist, wie habe ich es geschafft, allem wieder einen Sinn zu geben.
Nun, ganz einfach. Ich erkannte, dass wenn ich nichts tue und meine Einstellung nicht ändere, ich nicht mehr unabhängig sein kann. Ich nicht mehr selbstständig sein kann. Ich kurz gesagt, abhängig werde. Das wollte ich nicht. Also begann ich in allem was ich tat, einen Sinn zu sehen. Alles was ich tue, ist für etwas gut. Auch wenn sich mir den Sinn und Zweck des Handelns nicht gleich erschliesst. Manchmal brauch es Jahre bis ich den Sinn von etwas erkenne. Aber ich erkenne ihn. Sprich ich erkenne, das alles was ich tue immer einem Zweck und einem Sinn dient. Das aber zu begreifen, war nicht einfach.
Die Sinnfrage ist nicht, das alles was man tut, man bis ins letzte Detail begreifen muss. Das würde zu lange dauern. Auch würde man so nie mit etwas beginnen. Beispiel. Hätte ich über den Sinn dieses Blogs nachgedacht. In allen Details, wäre ich immer noch nicht dabei ihn zu schreiben. Nein, ich habe einfach mal begonnen. Was daraus werden würde, das konnte ich nicht wissen. Das war mir auch nicht wichtig. Ich begann einfach mal. Heute sehe ich denn Sinn. Er wird von vielen Menschen auf dem Planeten gelesen. Und das schöne ist, es werden immer mehr. Hätte ich das erahnen können? Nein sicher nicht. Das ist nur ein kleines Beispiel wieso es keinen Sinn ergibt, immer in allem einen Sinn zu sehen. Oft sieht man ihn eben nicht sofort.
Ich weiss, das Autisten damit ein grosses Problem haben. Denn alles was sie tun, muss einen Sinn ergeben. Sie wollen ihn zuerst wissen und erkennen. Ich denke, das ist einer der Gründe, wieso Autisten nicht so produktiv sind wie die NT. Diese hinterfragen nicht alles. Sie tun es einfach mal und schauen dann, was dabei raus kommt.
Ich gehe heute ähnlich wie die NT vor. Nur, dass ich mir sage, dass alles einen Sinn ergibt. So motiviere ich mich selber. So komme ich in die Handlung. Ohne diesen Gedanken, würde ich nie mit etwas beginnen. Ich würde einfach sein. Ja, depressiv werden. Würde in mir selber versinken. Die ganze Welt wäre böse und gegen mich. Nein, das ist kein Leben das ich will. Aber, ich kenne Autisten, denen geht es leider genau so. Sie haben einfach noch nicht erkannt, das Handeln und das Denken einfach nicht das Selbe ist. Ich dachte immer, das wenn ich was denke es getan ist. Nein, dem ist leider nicht so. Denken ja, aber dann auch handeln. Sich entscheiden. Ohne immer den Sinn der Sache zu kennen.
Dass das nicht so einfach ist, das weiss ich aus eigener Erfahrung. Ich musste sehr vieles über mich lernen. Aber auch, wie die Welt der NT funktioniert. Denn nur so konnte ich wieder in das Leben zurückfinden. Konnte wieder eine Beziehung haben, wieder arbeiten. Wieder ICH sein. Der Weg war nicht einfach. Aber ich denke, dass er sich gelohnt hat. Der Sinn von alledem ist, das ich heute wieder ein eigenständiges Leben führen kann. Das ich wieder zufrieden sein kann. Das ich wieder meinen Beitrag leisten kann.
Aber, ohne die Hilfe vieler Menschen, hätte ich das nicht geschafft. Klar, ich musste es selber erkennen. Sicher. Aber das ging nur, weil mir viele Menschen geholfen haben. Weil ich nicht alles alleine tun musste. Und, weil ich erkannt habe, auch mal Hilfe anzunehmen. So konnte ich die Sinnfrage für mich beantworten.