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Freitag, 2. September 2016

Asperger und eine neue Arbeitsstelle

Jahrelang ist man das Selbe gewohnt. Die selben Menschen. Die selbe Umgebung. Alles hat seinen Lauf. Nur, was passiert, wenn dieser unterbrochen wird? Was wenn plötzlich nichts mehr so ist wie es war?
Genau das erlebe ich gerade. Es ist nicht so, dass ich bei Specialisterne weg bin. Vielmehr ist es so, das ich im Rahmen eines sehr grossen Projektes beim grössten Telekommanbieter der Schweiz, als Test Manager arbeite. Schliesslich muss die Idee und Vision, die wir haben, auch in die Firmen getragen werde. Dies tue ich zur Zeit auch.
Nur, die Umstellung ist nicht so einfach. Denn ich muss mich an so vieles gewöhnen. Einen anderen Arbeitsweg. Die Mittagspause in der Kantine. Die neuen Menschen. Die neue Arbeit. Kurz gesagt, alles ist neu.
Wie werde ich damit fertig? Wie ist mein Vorgehen. Nun, es ist ja nicht so, das das von jetzt auf gleich war. Ich konnte mich über Monate vorbereiten. Konnte mich drauf einstellen. Was auch gut war. Trotz meiner Zweifel vor dem Beginn, denke ich, ist mir der Einstieg gelungen. Ich denke, dass ich dort meinen Beitrag im doppelten Sinne leisten kann. Denn, es geht nicht nur darum, dass ich da arbeite, sondern auch den Menschen dort das Thema Autismus näher bringe. Was also liegt näher, wenn ein Autist selber vor Ort ist? Eben. Das ist das was ich tue.
Nur, wie werde ich damit fertig? Ganz einfach, ich nehme den Tag so, wie er ist. Mache mir nicht zu viele Gedanken. Denn ich weiss ja, dass ich für eine andere Firma arbeite. Dass ich nicht alleine dort bin. Sollte etwas sein, so werde ich mit den Personen meines Vertrauens Kontakt aufnehmen. Es braucht eben ein Szenario für eine Kriese. Die Firma für die ich jetzt arbeite, die weiss darum. Die Mitarbeiter sind informiert. Das macht das Ganze einfacher, aber sicher nicht einfach. Denn das Tagesgeschäft geht vor. In den Pausen beantworte ich jeweils Fragen die die Menschen dort haben.
Sicher, ich muss in meinem Leben so einiges umstellen. Aber ich denke, das kriege ich hin. Schliesslich ist dies das Ergebnis von einigen Jahren Arbeit und Verhandlungen. Welche nicht immer einfach waren. Aber ich denke, dass sie sich gelohnt haben. Für bei Seiten.
Ich jedenfalls bin dem Ganzen gegenüber positiv eingestellt. Und, es zeigt mir, das auch Autisten, wenn sie in einem geeigneten Umfeld arbeiten uns trainieren, es doch schaffen können.
Jedoch muss ich auch sagen, dass das Bewusstsein heute ein anders ist, als noch vor einigen Jahren. Das hat mir uns sicher dabei geholfen. Zumal es immer mehr grosse Firmen gibt, die Autisten einstellen wollen. Die aber sicher sein wollen, dass diese auch in der Lage dazu sind.
Dafür haben wir die Stiftung Autismuslink und Specialisteren in Bern gegründet. Dafür sind diese beiden Institutionen da. Ich selber habe in all den Jahren mitgeholfen, beide aufzubauen. Heute ernte ich den Lohn dafür.
Nun, sicher, es ist nicht alles schön. Ich musste lange mit mir kämpfen, bis ich dazu bereit war. Denn ich musste ja meine mir lieb gewonnene Umgebung und deren Menschen verlassen. Aber sicher, ich sehe sie jede Woche. Aber eben, das ist nicht das gleiche, wie jeden Tag. Ich kann nun nichts mehr, oder nicht mehr viel zur Entwicklung beider Institutionen beitragen. Dafür aber kann ich zeigen, was wir Autisten auch ausserhalb arbeiten können. Ich trage also die Vision nach Aussen. Dafür haben wir 5 Jahre gebraucht. Doch ich denke, dass sich dieser Schritt immer mehr auszahlen wird.
Auch habe ich in der Firma in welcher ich jetzt an einem Projekt arbeite, viel Interesse und Verständnis erfahren. Die Menschen dort sind aufgeschlossen und neugierig. Aber nicht so, dass ich mich belästigt fühle.
Kurz ich denke auch, dass so ein Wechsel mir auch hilft mal wieder neue Erfahrungen zu sammeln. Neue Eindrücke zu gewinnen. Neues kennen zu lernen. Wissen, dass ich dann wieder zurück zu Speicalisterne tragen werde. Erfahrungen die wertvoll sind und auch anderen Autisten zu Gute kommen werden. Insofern ist es so denke ich eine Win-Win-Situation. Beide Seiten können, wenn alles gut geht, nur gewinnen. So denke ich, dass dies nicht nur mir hilft sondern vielen anderen auch.
Was es aber braucht, ist den Mut zur Veränderung. Den Mut, sich auf Neues einzulassen. Dass, so weiss ich, ist nicht immer einfach. Besonders für uns Autisten nicht.