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Donnerstag, 9. Mai 2013

Asperger und Ziele

Viele Menschen haben Ziele. Sie wissen nicht genau, was sie erreichen wollen, aber sie haben doch eine vage Vorstellung davon. Sie bilden sich weiter, oder sie strengen sich an, dass sie in der Hierarchie aufsteigen. Diese Menschen unternehmen so einiges, dass sie ihre Ziele erreichen können und meistens auch werden.
Nun, ich habe dies auch gemacht. Ich wusste, dass ich in dem Beruf in welchem ich arbeitete, nicht mehr weiter machen wollte, also habe ich Informatik studiert. Dies hatte mir völlig neue Perspektiven eröffnet. Zum ersten Mal erlebte ich, wie es ist, nicht einfach nur zu arbeiten, sondern auch noch Verantwortung zu übernehmen. Auch nicht einfach nur arbeiten, sondern Projekte zu leiten und durch zu führen. Für Asperger ist dies jedoch schwierig. Da das Leiten von Projekten doch so einiges an Kommunikation abverlangt.
Ich erlebe immer wieder, dass wenn ich Asperger frage, sie keine Ziele haben. Sie können sich einfach nicht vorstellen, was sie wollen und was nichts. Sie kümmern sich auch nicht um eine Weiterbildung. Sie meinen, das wie es gerade ist, immer so sein wird. Doch darin irren sie. Wer keine Ziele hat, der sollte ich aber Hilfe holen. Menschen die wissen wie damit umzugehen ist. So habe ich es auch gemacht. Ich war schon einige Zeit Informatiker, jedoch kam irgendwann das mit der Diagnose dazwischen. Also musste ich mir neue Ziele geben. Mein Ziel war es, mit der Diagnose Geld zu verdienen. Dies im IT-Bereich. Dieses Ziel habe ich erreicht. Heute bin ich Projektleiter bei der Firma Specialisterne in Zollikofen. Damit ich dies jedoch erreichen konnte, waren einige Anstrengungen notwendig. Jedoch habe ich auch das Glück gehabt, dass ich mit sehr verständnisvollen Menschen zusammenarbeite. Diese haben erkannt, was ich kann und was nicht. Sie haben und helfen mir immer noch, mein Potential zu entfalten. Dies ist für mich sehr wichtig. Denn ich leite nicht nur Projekte, sondern helfe meinen Klienten auch in Lebensfragen und versuche auch, ihnen ein Vorbild zu sein.
Asperger sollten sich bewusst sein, dass Ziele nicht einfach etwas sind, was andere wollen. Es geht darum, was man selber will. Wichtig ist für mich, dass man nicht einfach das erst Beste nimmt und macht, sondern sich genau überlegt, was man will. Auch halfen mir Gespräche mit meiner damalige Therapeutin und der Familie. Es ging mir nicht darum, zu überprüfen, ob ich richtig liege, sondern, ob es noch andere Lösungen gibt. Denn zwei Menschen erkennen mehr Lösungen, als nur einer. Heute bin ich froh, dass ich das gemacht habe.
Ich erlebe auch immer, das Leute zu uns kommen, die meinen, wir haben Antworten auf all ihre Fragen. wir können ihnen all die Entscheidungen abnehmen, welche sie selber fällen müssen. Wir können auch nur eine begrenzte Zahl von Klienten betreuen. Für viele ist es jedoch so, dass sie zum ersten Mal mit anderen Aspergern zusammen sein können. Dies ist sicher gut. Doch es reicht nicht aus, wenn man etwas erreichen will. Wir versuchen auch immer herauszufinden, was diese Mensche wollen, und wo ihre Stärken liegen. Die Schwächen sind auch wichtig, jedoch stehen sie nicht im Vordergrund. Die Schwächen sind nicht das was bei uns zählt. Wir wollen die Stärken kennen lernen. Wir wollen damit etwas erarbeiten, was die Klienten weiterbringt. Dass sie erkennen lernen, was sie wollen und was nicht. Auch was sie können, und was nicht. Dies ist für die Definition der Ziele sehr wichtig. So kann man seinem Leben eine neue Richtung geben.
Für mich war immer wichtig, das ich unabhängig von den Eltern bin. Das ich meine eigens Geld verdiene. Meine eigene Wohnung habe. Sogar Auto fahren kann und darf. Aber auch eine Beziehung mit einer Frau habe. Dies alles habe ich heute. Doch der Weg dazu war nicht leicht. Eines ergab das andere. Wichtig ist nur, dass man nicht aufgibt, und seine Ziele nicht aus den Augen verliert. Auch wenn es mal nicht so läuft wie man will. Irgendwann passt es dann schon. Das kann Jahre später sein.
Zumindest war es bei mir so.
Ziele sind für Asperger meiner Meinung nach noch wichtiger als für NT's. Denn wir haben ja diese Diagnose, mit welcher wir auch noch umzugehen haben. Wir wissen dadurch, dass wir behindert sind. Wir wissen, dass wir so einiges nicht leisten können, auch wenn wir wollen. Doch dies sollte uns nicht davon abhalten, der Welt zu zeigen, dass wir auch etwas können, und dies auch sehr gut. Wir sind wie die NT's, aber eben nur etwas anders.