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Samstag, 5. April 2014

Asperger und das gemeinsame Leben

Viele sind erstaunt, wenn ich sage, dass ich verheiratet bin. Sie meinen, das Autisten nicht fähig sind, eine Beziehung zu haben. Ganz zu schweigen vom verheiratet sein. Das gilt ja in der Gesellschaft als das Höchste, was man in einer Beziehung erreichen kann. Mehr geht nicht. Ich habe mir nie wirklich Gedanken gemacht, ob das geht oder nicht. Ich habe meine Frau damals einfach gefragt, ob sie meine Frau werden will. Gedanken, ob ich das als Autist kann oder nicht, habe ich mir nicht gemacht.
Seit fast 2 Jahren führe ich mit meiner Frau ein gemeinsames Leben. Wir unternehmen einiges. Wir teilen sehr viel. Aber, wir teilen nicht alles. Jedes hat noch sein eigenes kleines Reich. Wir wohnen ja nicht zusammen. So ist es meiner Meinung nach einfacher, ein gemeinsames Leben zu führen.
Denn zusammen wohnen, ist für mich nicht wichtig. Ich habe gerne auch meine Ruhe. Mache gerne auch einfach mal das, was ich machen will. Meiner Frau geht es übrigens gleich. Sie hat damals auch den Wunsch geäussert, nicht zusammenzuziehen.
Asperger wird immer mal wieder nachgesagt, dass sie nicht beziehungsfähig seinen. Dass sie nicht auf andere eingehen können. Nun, dem halte ich entgegen, dass das von Theoretiker gesagt oder geschrieben wird. Die haben keine Ahnung. Natürlich können wir das. Natürlich gibt es Asperger die das können und auch wollen. Es gibt auch auch solche, die das nicht können und auch nicht wollen. Aber das ist bei den Muggel nicht anders. Die wollen ja auch nicht alle mit jemandem zusammenwohnen. Ein gemeinsames Leben ja, aber doch nicht ganz gemeinsam. Schlimm ist das ja nicht. Ich finde, durch diese Art von Trennung bleibt auch eine gewisse Spannung in der Beziehung. Man ist ja nicht ständig zusammen. Klar, die einen brauchen ständig jemanden um sich. Wollen alles gemeinsam machen. Ich nicht. Das ist nichts für mich. Ich habe das schon mal gemacht, und weiss, das ich das, weder kann noch will.
Aber mir ist das gemeinsame Leben mit meiner Frau sehr wichtig. Das ist auch ein Grund, wieso ich in ihre Nähe gezogen bin. So habe wir den Stress mit der weiten Strecke nicht mehr. Können einfach spontan was machen, oder aber einfach schnell zueinander gehen. Wobei gehen, das richtige Wort ist. Wir können wirklich zu Fuss zueinander, wenn wir wollen. So nah wohnen wir. Aber es ist doch die Distanz dazwischen, welche wir beide brauchen.
Gemeinsames Leben heisst für mich auch, dass gemeinsam irgendwelche Sachen unternommen werden. Aber auch, dass man über seine Freuden, Ängste und Sorgen sprechen kann. Meine Frau und ich machen das. Wir sprechen auch viel über das, was uns beschäftigt. Aber nicht nur. Sonst würde es ja eine Therapiestunde werden. Wir unterhalten uns auch über das, was in der Welt so geschieht. Wichtig dabei ist aber, das wir uns gegenseitig respektieren. Dass jedes seine Meinung haben kann und auch soll. Es geht nicht darum, dass wir immer einer Meinung sein müssen. Es geht auch nicht darum, dass wir beide das Gleiche gut oder toll finden müssen. Sie hat zum Beispiel einen ganz anderen Musikgeschmack als ich. Sie isst ganz andere Dinge als ich. Das ist das was ich meine. Wir müssen nicht Eins werden. Wir wollen eigene Individuen bleiben. Gemeinsam haben wir aber, dass wir beide gerne ins Kino gehen. Wir schauen uns 1-2 Filme pro Monat an. Das ist auch etwas, was ich gerne mache. Ich mag Kino. Ich mag Kino besonders, weil auch meine Frau gerne ins Kino geht.
Wir machen auch gemeinsam Sport. Nicht allen Sport, den wir treiben, aber immerhin gehen wir gemeinsam Laufen.
Durch die Nähe die mit meinem Zuzug entstanden ist, hat sich schon so einiges geändert. Wir sind nicht nur damit beschäftigt, wann wir wieder nach Hause fahren müssen, ob die Autobahn frei ist. Nein, wir können einfach tun und lassen, wie wir wollen. Müssen nicht mehr auf die Zeit schauen. Haben ja auch keinen weiten Weg mehr, den wir fahren müssen. So entsteht nun langsam ein noch gemeinsameres Leben.
Asperger brauchen meiner Meinung nach genau so jemanden, den sie Lieben können, wie die Muggel. Sie brauchen auch Liebe und Vertrauen. Sie brauchen auch jemanden der ihnen das Gefühl gibt, dass sie es wert sind, mit ihnen zusammen zu sein. Einen Menschen einfach auf eine Diagnose zu reduzieren, ist für mich unrecht. Kein Mensch will doch reduziert werden, was jemand in einem Papier festgehalten hat. Nein, wir alle sind Menschen. Wir alle wollen doch geliebt werden. Wir alle haben doch unsere Träume.