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Dienstag, 29. April 2014

Asperger und der Durchhaltewille

Etwas zu beginnen, das ist einfach. Sich für etwas begeistern, ist nicht schwer. Aber bei den ersten Problemen, nicht gleich aufzugeben, etwas anderes.
Ich kenne das von mir selber. Schnell habe ich was Neues angefangen. Schnell neue Ideen. Doch wenn ich dann weiter machen muss, dran bleiben muss, dann wird es oft schwierig. Ich muss mich dann konzertieren, Probleme lösen. Widerstände überwinden. Das alles ist nicht so einfach. Aber ich denke, dass das nicht nur mir so geht. Dass viele das auch kennen.
Asperger, sind leicht für Neues zu begeistern. Leichter als Muggel. Besonders dann, wenn es sie interessiert. Dann sind sie begeistert. Doch die Begeisterung nimmt rasch ab. Sie kann innert Tagen verschwinden. Danach interessiert es sie nicht mehr. Sie kommen nicht mehr, sind krank oder haben sonst eine Ausrede. Das kenne ich, wie geschrieben selber. Nur, dass ich das weiss. Ich weiss auch, wie ich das Problem überwinden kann. Ich stelle mir einfach vor, es sei ein Computerspiel. Da gebe ich auch nicht so leicht auf. Will weiterkommen. Das übertrage ich einfach auf das Leben. Auf die Aufgabe. Im Normalfall klappt das ganz gut. Das Problem ist nur, wenn ich denke, dass ich alleine an etwas arbeite, und sich keiner dafür interessiert. Wenn mir keiner zuhört. Dann kann es leicht passieren, dass ich die Aufgaben beiseite lege und vergessen. Sie existiert dann nicht mehr. Mir ist es auch egal, wenn plötzlich jemand nach Ergebnissen verlangt. Hat sich zuvor keiner darum gekümmert, so spielt es jetzt auch keine Rolle mehr. So mein Gedanke.
Aber es braucht ja nicht nur auf Arbeit Durchhaltewille. Nein, es braucht ihn auch in einer Beziehung. Wobei es ja nicht darum geht, eine bestimmte Zeit miteinander zusammen zu sein. Vielmehr geht es doch darum, an der Beziehung zu arbeiten. Sich darauf einzulassen. Nicht gleich beim ersten Problem aufzugeben. Ich denke, dass genau das viele heute machen. Sie geben leicht auf. Sie wollen nur das, was sie wollen. Der Partner ist ihnen egal. Nun, wieso ist man dann zusammen? Ich meine, wenn man sich liebt, ist es doch das Wichtigste, dass man zusammen bleibt. Das man überwindet und auch lernt. Keiner kennt den anderen von Anfang an. Man muss doch viel miteinander Sprechen. Sich kennenlernen.
Ich kenne meine Frau jetzt über 2 Jahren. In dieser Zeit haben wir vieles unternommen. Vieles erlebt. Wir sind uns immer näher gekommen. Ein wichtiger Schritt war, dass ich in ihre Nähe gezogen bin. Dass wir endlich nicht mehr weit zu einander haben. Das ist für mich auch ein Teil des Durchhaltewillens. Dass ich den Rest meines Lebens mit meiner Frau verbringen will. Das ich ihr ihr damit auch zeige, dass ich es wirklich ernst meine.
Asperger haben mit dem Durchhaltewille so ihre Probleme. Dass erlebe ich immer wieder. Sie kommen und gehen, wie sie wollen. Sie tun nur das, was sie interessiert. Sie meinen, dass sich alle ihnen anpassen müssen, nur weil sie eine Diagnose haben. Nun, das stimmt eben nicht. Auch wir müssen uns anpassen. Es ist ein Geben und Nehmen. Es kann nicht sein, das die einen nur nehmen und die anderen nur geben. Klar, die einen geben lieber, die anderen nehmen lieber. Aber es sollte nicht sein, dass Asperger nur nehmen können und nicht geben sollen. Ich gebe so viel ich kann. Schaue immer, dass die anderen zuerst haben. Schaue, das es für sie passt. Dann komme ich. Nun, ich muss aber, wie schon mal geschrieben, aufpassen, dass ich nicht nur gebe, und mich vergessen.
Der Durchhaltewille ist meiner Meinung nach für alle wichtig. Egal ob Asperger oder Muggel. Wir alle haben Aufgaben und Ziele. Damit diese erreicht werden können, braucht es mehr als Begeisterung. Es braucht einen Plan. Ein Konzept. Daran mangelt es aber bei vielen. Sie machen einfach mal. Sie tun das, was sie wollen. Das bringt meistens nichts. Nicht dann, wenn sie Geld verdienen sollten. Nicht dann, wenn sie eine Beziehung wollen. Bei beiden ist man auch von anderen abhängig. Man kann nicht einfach tun und lassen, wie man will.