Dieses Blog durchsuchen

Translate

Donnerstag, 3. April 2014

Asperger und die Flucht

Denn Alltag vergessen. Nicht immer müssen. Das ist doch das, was viele Menschen machen, wenn sie nach Hause kommen, oder Wochenende haben. Sie wollen den Alttag vergessen und das machen, was sie wollen. Das was ihnen gefällt.
Ich muss meinen Alltag nicht vergessen. Für mich gehört alles zum Alltag. Egal was ich mache. Alles hat seine Zeit. Seine Logik. Doch, manchmal flüchte ich mich in eine Welt aus Geschichten, Filmen oder Musik. Ich will damit nicht den Alltag vergessen, oder mich erholen. Ich will einfach raus aus der Welt in der ich lebe. Will nicht mehr Teil von ihr sein. Will in eine Welt die ich verstehe. Die mir nicht Angst macht. Die nicht so ist, wie sie ist.
Dafür verwende ich Bücher oder Filme. Sie helfen mir nicht nur von dieser Welt zu fliehen. Wenn ich lese oder Filme schaue, dann bin ich in dieser Welt. Danach aber wieder in die echte Welt zu finden, ist nicht so einfach. Denn diese Welt ist laut. Sie ist schnell. Sie ist unlogisch. Bücher sind für mich neben der Musik das Beste Mittel.
Lesen bedeutet auch, dass ich nur lese. Ich muss so nicht raus. Habe keine Lärm um mich. Kann einfach sein. Das Selbe gilt für die Filme. Die kann ich mir anschauen. Kann mich einfach entspannen. Nichts tun.
Die Musik. Die ist meine aller Beste Fluchtmöglichkeit. Nicht nur wenn ich Musik hören, nein, auch wenn ich sie mache. Ich spiele ja seit vielen Jahren E-Gitarre. So kann ich mir meine eigenen Klangwelten erschaffen. So wie ich möchte. Ich spiele meine eigenen Sachen. Nicht das, was andere geschrieben habe. Klar, lasse ich mich von anderen Musikern inspirieren, aber ich mache meine eigene Musik. Das ist viel einfacher für mich. So muss ich nicht denken, kann einfach spielen. Habe etwas aus meiner inneren Welt und nicht wieder was aus der Aussenwelt. Nicht etwas, was sich andere ausgedacht haben.
Das ist auch einer der Gründe, wieso ich einen Roman schreibe. Ich will meine eigene Geschichte. Meine eigenen Helden. Meine eigene Welt. Nicht eine Welt, die sich andere ausgedacht haben.
Das Eigene ist für mich sehr wichtig. Denn so erkenne ich auch, dass ich was kann. Dass ich auch etwas zustande bringe. Nicht nur die anderen. Aber, es ist auch eine Flucht. Indem ich mir meine eigenen Welten zusammenbaue, fliehe ich vor der Realität. Ich klinke mich aus. Bin nicht mehr Teil von ihr. Das ist für mich jedes Mal angenehm. Doch das Zurückkehren nicht. Das ist wie ein Schock. So viel Realität auf einmal. Und das obwohl ich in meiner eigene Wohnung bin. Da ist ja alle so, wie ich es will. Trotzdem ist es ein Schock. Ich bin geistig jeweils völlig in der Welt in der ich gerade sein will. Das alles hat mit der realen Welt nichts zu tun.
Den Roman welchen ich schreibe, spielt in einer Welt, die es so nicht gibt. Auch die Heldin ist ein Wesen, das es so nicht gibt. Nichts davon gibt es in unserer Welt.
Ich denke, dass Autisten viel schneller von der Realität fliehen, als die Muggel. Wir kriegen ja vieles nicht mit und daher ist es für uns einfach einfacher nicht immer Teil dieser Welt zu sein. Nicht zu reagieren oder agieren. Das ist doch das, was die Muggel an uns so komisch finden. Das Abwesendsein. Das nicht Teilnehmen. Das kennen sie so nicht. Das macht uns für sie so unnahbar.
Wenn ich nur da sitze und nichts tue, so tue ich trotzdem was. Nur ist es nicht sichtbar. Mich dann zu berühren, ist nicht gut. Ich kann dann voll ausrasten. Dies auch weil ich mich erschrecke, aber auch, weil die Realität wieder voll über mich kommt. Mit einer Berührung bin ich dann wieder voll in der Welt und nicht mehr in meiner. Gut ist, dass dies mein Umfeld weiss. Sie verzichten darauf mich zu berühren. Sie lassen mich. Was aber geht, ist, mich anzusprechen. Auf Stimmen reagiere ich sofort. Das macht mir nichts aus. Nur nicht berühren. Das ist zu viel Realität auf einmal.
Für mich bedeutet Flucht auch, dass ich mich entspannen kann. Dass ich nicht immer Erwartungen gerecht werden muss. Dass ich nicht immer was tun muss. Dass ich einfach sein kann. Es ist eine Art Erholung, aber auch ein abschalten. Wobei ich mich manchmal frage, welche der Welten ist die richtige. Die innere oder die äussere? Ich weiss es manchmal nicht. Weiss nicht, was echt ist und was nicht. Das ist nicht einfach. Denn wie kann ich wissen, ob ich was gemacht oder gesagt habe? Wie kann ich das? Ich weiss es nicht. Manchmal wird mir gesagt, dass ich nichts gesagt habe. Dabei habe ich etwas gesagt. Nur, in meiner Welt, nicht in der Welt der Muggel. Das irritiert mich jedesmal. Ich kann mich nicht 100% auf das verlassen, was ich zu sage oder tue.