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Samstag, 27. September 2014

Asperger und die Nebelwelt

Die Muggel gehen davon aus, das alle so sehen wie sie. Das alle die Welt klar sehen. Gesichter, Regungen und Bewegungen. Sie können sich nicht vorstellen, das es Menschen gibt, die die Welt nicht so sehen wie sie.
Für mich ist es manchmal schon schwierig zu erkennen ob jemand etwas in den Händen hält. Ob jemand auf mich zeigt. Mich meint. Ich sehe das nicht. Die Welt kann ich nur dann klar sehen, wenn ich alleine bin. Wenn ich nicht abgelenkt bin. Menschen sehe ich wie durch einen feinen Nebel.
Die Welt die die Muggel kennen ist für mich eine Nebelwelt. Nebel, der nicht beschrieben werden kann. Ich wusste ja auch lange nicht, das ich die Welt nicht so sehe, wie die Muggel. Das ich nicht 3D sehen kann. Das ich die Gesichter nicht sehen kann. Die Augen. Auch wenn ich TV schaue ist nicht immer alles sichtbar. Gesichter kann ich dann sehen. Aber sie sind wie Masken. Keine Regung. Aber ich kann sie nicht immer sehen. Meistens sehe ich sie nur Teilweise.
Die Nebelwelt ist aber auch noch was anderes. Es ist die Welt, die ich nicht verstehen. Deren Regeln ich nicht kenne. Obwohl ich einige weiss, so reicht es nicht, damit ich sagen kann, es ist meine Welt. Meine Welt ist die Welt, die ich in mir habe. Die ich vor meinen Augen habe. Aber es ist nicht die Welt die die Muggel sehen. Denn die kann ich nicht so sehen wie sie. Ich muss mich sehr konzentrieren, wenn ich sie so sehen möchte wie sie. Aber selbst dann gelingt es mir nur im Ansatz. Das kann frustrierend sein. Ich meine, immer anders zu sein. Immer nicht normal zu sein. Aber auf der anderen Seite kann ich Dinge die sie nicht können. Die Muggel. Kann Dinge sehen, die sie nicht sehen können. So gleicht es sich wieder aus.
Ich möchte meine Wahrnehmungen um nichts in der Welt eintauschen. Ich käme mit anderen eh nicht zurecht. Wie auch? Würden die Muggel mit meiner Wahrnehmung zurecht kommen? Nein. So ist jeder Menschen so beschaffen, wie er beschaffen sein muss. Wir sollten daran nichts ändern.
Die Nebelwelt ist für mich meine Art der Sichtweise auf die reale Welt der Muggel. Ich muss mich in ihr zurechtfinden. Ob ich will oder nicht.
Es gibt Tage, da macht es mir nichts aus, mich durch die Welt der Muggel zu bewegen. Aber an manchen Tagen eben schon. Aussuchen kann ich es mir ja nicht. Also versuche ich den Tag so gut ich kann zu leben. Versuche das Beste aus ihm zu machen. Gelingen tut es mir nicht immer. Aber das macht auch nichts. Denn ich denke ich bin nicht der Einzige, dem es so geht. Damit meine ich aber nicht, gute und schlechte Tage. Sondern, dass ich die Welt manchmal klarer sehe. Das mich nicht alles irritiert. Das ist irritiert sein, ist anstrengend. Wenn ich mich kaum bewegen kann. Jedes Geräusch zu laut ist. Alles zu hektisch ist. Obwohl dem nicht so ist, so nehme ich das so wahr.
Dann entsteht ein Nebel aus Bildern von den Geräuschen. Von der Hektik. Bilder die mir die Sicht auf Meine Gedanken versperren. Die Sicht auf die Welt nehmen. Das ist dann schwierig den Tag zu meistern. Schwierig überhaupt etwas zu tun.
Die Nebelwelt besteht bei mir aus Tönen und Formen. Aus der Unschärfe der Gesichter. Darin, das ich die Menschen fast nicht sehe. Das ich sie nicht merke. Das ich nichts wahrnehme. Ich bin dann in mir gefangen. Kann nichts ändern. Erst wenn ich zu hause bin, dann verschwindet der Nebel. Dann sehe ich wieder klar. Kann wieder klar denken. Nur zu hause. Nur wenn ich alleine bin.
Ich sage immer, das ich kein Asperger habe, wenn ich alleine bin. Ob es stimmt? Keine Ahnung. Es kann nicht überprüft werden. Denn wenn ich mit jemandem zusammen bin, dann ist es sicher da.
Doch ich denke, dass es für mein Umfeld wichtig ist, das es das weiss. Das das Umfeld Verständnis hat und es auch zeigt. Das ist für mich etwas vom Wichtigsten. Verständnis und Toleranz.