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Dienstag, 2. September 2014

Asperger und das Minderwertigkeitsgefühl

Alle können alles besser als ich. Alle sind besser als ich. Wissen alles. So erlebte ich die Welt um mich herum. Ich weiss und kann nichts. So meine Gedanken. Ich wusste nicht, das vieles von dem was mein Umfeld sagte, gar nicht stimmte, sondern einfach nur Gerede war. Das die Muggel einfach was sagen und ich dachte es stimme, was sie sagen. Nicht das in ihren Aussagen und Reden nur Falsches war. Das nicht. Aber ich erkannte nicht, dass auch ich was kann. Das auch ich was weiss.
Deshalb begann ich viel zu lesen. Besonders Lexika. Ich las sie wie andere Zeitschriften lesen. So eignete ich mir viel Wissen an. Aber es schien, als ob auch das nicht reicht. Denn die Muggel wussten scheinbar mehr. Sie sagten immer, das ich keine Ahnung habe. Aber heute, wenn ich zurückdenke, erkenne ich das sie gar nie sagten, was die Lösung ist. Sie sagten nur, dass ich nichts weiss und keine Ahnung habe.
So kam ich mir jahrelang minderwertig vor. Kam mir nie wie ein ganzer Mensch vor. Den ich ging davon aus, das alles was ich tue, falsch ist. Das alles was ich sage nicht stimmt. Aber dem war und ist nicht so. Ich weiss heute, dass ich was kann und weiss.
Nur, ich behalte mein Wissen nicht für mich sondern gebe es gerne weiter. Muggel hingegen tun dies nicht gerne. Sie nutzen ihr Wissen um Macht auszuüben. Nutzen ihr wissen um anderen das Gefühl zu geben, sie seien besser. Sie seinen nicht nur besser sondern können auch alles besser.
Wieso die Muggel das tun, weiss ich nicht. Sie tun dies sicher nicht mit böser Absicht. Aber sie tun es. Ich kann und konnte mich nie dagegen wehren. Wie auch? Ich weiss bis heute nicht wie. Ich lerne gerne, aber ich mag es nicht, wenn ich belehrt werde. Dann komme ich mir immer noch minderwertig vor. Auch wenn ich weiss, das dem nicht so sein muss. Das das Gegenüber es nur gut meint. Aber dennoch kann ich diesen Gedanken nicht loswerden.
Ich denke, das ist auch nicht schlimm. Es gehört zum Menschsein dazu. Da ich nur in JA und NEIN denken kann ist es für mich nicht einfach zu unterscheiden was jetzt belehrend ist und was einfach nur gut gemeint. Das ist für mich nicht angenehm. Denn ich kann recht schnell ausrasten, wenn mich jemand belehren will. Obwohl dies nicht so gemeint ist. Die Reaktion ist dann immer die Selbe. Die Muggel sind verschreckt und wundern sich, wieso ich ausraste. Erklären kann ich das jeweils nicht. Die Frage ist, muss ich mich immer erklären? Wieso müssen wir uns immer erklären aber die Muggel nie? Das verstehe ich nicht. Muss ich auch nicht. Ich definiere das einfach als, es ist so.
Als Minderwertig komme ich mir auch manchmal vor wenn ich unter Muggel bin. Denn ich weiss, dass ich nicht so bin wie sie. Dass ich nicht so reagiere wie sie. Ich denke dann, wieso kann ich das nicht, obwohl ich die Antwort kenne. So frage ich mich trotzdem immer wieder. Ich denke, das kriege ich auch nie weg. Es gehört zu mir. Damit lebe ich schon mein ganzes Leben.
Aber es ist besser geworden, seit ich meine Frau habe. Sie gibt mir das Gefühl, das auch ich was kann und bin. Dass auch ich jemand bin. Und nicht nur einfach der Komische. Ich denke das ist wichtig, jemanden zu haben, der einem das Gefühl gibt, so wie man ist, ist man in Ordnung. Das ist etwas das ich lange gesucht und nie gefunden habe. Heute habe ich das nicht nur in der Ehe sondern auch auf Arbeit. Denn da war es am Schlimmsten. Da kam ich mir jeden Tag wie ein Versager vor. Dem ist heute nicht mehr so. Jedoch, wenn ich in die Welt raus gehe, komme ich mir mir recht schnell wieder minderwertig vor. Den ich erkenne immer wieder die Unterschiede. Diese werden immer bestehen. Das weiss ich. Aber ich gebe nicht auf. Denn wenn ich leben will, so muss ich in dieser Welt zurecht komme. Ob ich will oder nicht. So versuche ich das Beste daraus zu machen.