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Montag, 29. September 2014

Asperger und das Nichtsprechen

Es gibt Tage, da kann ich ohne Probleme sprechen. Da bin ich fast nicht mehr ruhig zu kriegen. Doch es gibt auch Tage, an welchen ich nicht viel sprechen kann. Ich kann das nicht steuern. Selbst wenn ich denke, das ein guter Tag ist, kann ich es nicht. Es ist nicht abhängig von meiner Laune. Woran es liegt, weiss ich nicht.
Nichtsprechen, heisst nicht, dass ich mich nicht interessiere oder nicht anwesend bin. Es heisst nur, dass ich nicht spreche. Für die Muggel ist das komisch. Sie sind irritiert, wenn jemand ihnen gegen über ist, der nicht spricht, der aber anwesend ist. Nun, sie haben das sicher auch mal. Aber sicher nicht so, wie ich. Ich kann dann nur denken. Oder wie jetzt, einen Artikel schreiben. Schreiben geht. An Tagen an welchen ich nicht sprechen kann, ist die kleinste Störung für mich extrem. Ich reagiere dann extrem gereizt. Erklären kann ich das nicht. Es ist so. Nun, damit leben kann ich. Doch ich denke, dass es für mein Umfeld nicht einfach ist. Vielleicht ist es ihnen auch egal. Ich weiss es nicht.
Jedenfalls ist es so, das ich mich, wenn ich nicht spreche, mich nicht in der realen Welt befinde. Dann bin ich in einer GedankenWelt die nicht begreifbar ist. Sie ist meine Welt.
Ich habe dann keine Verbindung zur Aussenwelt. Bin einfach mit mir. Schlimm ist dieser Zustand nicht. Leiden tue ich nicht. Wieso auch? Ich bin ja in meiner Welt. Die Welt, welche ich kenne. Die logisch ist für ich. Die nicht so komisch ist, wie die Welt der Muggel. Die verstehe ich nicht. Ich versuche das immer und immer wieder. In all den Jahren ist es mir aber nicht gelungen.
Was mich erstaunt ist, dass ich trotz dem in der Welt einigermassen zurecht komme. Dass ich doch mein Leben leben kann, wie ich es will. Einfach ist es nicht immer. Aber für wen ist das Leben schon immer einfach. Auch die Muggel haben ihre Probleme. Auch sie können nicht alles. Nun, das war für mich damals neu, das auch die Muggel Probleme haben. Da ich das weiss, kann ich sie besser verstehen, wieso sie manchmal komischer sind als sonst.
Nichtsprechen ist für ich nicht schlimm. Nichtsprechen ist für ich auch eine Art Erholung. Ich bin dann einfach bei mir. Niemand kommt an mich ran. Nun, nicht ganz. Meine Frau schon. Sie ist auch die Einzige. Doch auf Arbeit ist es so, dass ich einfach ich reagiere oder nur sehr langsam. Selbst wenn ich wollte, könnte ich nicht reagieren. Wie auch? Ich meine, ich habe bis heute nicht herausgefunden, wie ich das überwinden könnte. Muss ich es überwinden? Nein, muss ich nicht. Es ist meine Art. Die Art, wie ich bin. Die Muggel aber wollen uns immer ändern. Sie wollen immer, das wir so werden und denken wie sie. Aber sie verstehen nicht, das wir nicht so werden können. Wir sagen den Muggel ja auch nicht, das sie so werden müssen wie wird. Sie könnten es auch nicht. Wieso also sollte wir so werden wie sie? Nun, sonst verstehen sie uns nicht. Sie haben Angst. Nun, das ist deren Problem. Nicht meins. Ich bin, wie ich bin. Klar versuche ich, dass ich nicht unangenehm auffalle. Gelingen tut es mir nicht immer. Ich will auch nicht immer der Komische sein. Doch meistens bin ich es. Da ist es manchmal ganz gut, wenn ich nicht sprechen kann. Wenn ich nicht kommunizieren kann. So habe ich Abstand und kann meinen Geist erholen. Aber auch besser denken.