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Samstag, 6. September 2014

Asperger und keinen Platz

Nach welchem System unsere Gesellschaft funktioniert, habe ich noch nicht herausgefunden. Aber ich denke, sie funktioniert nach dem System des Gleichen. Die die gleich sind, haben ihren Platz. Die die so sind, wie alle sind, die werden in der Gesellschaft zugelassen.
Doch was ist mit denen, die nicht so sind? Die werden an den Rand gedrängt. Die haben keinen Platz. Sie werden mit Renten abgespiesen. Sie werden in geschützte Werkstätten gesteckt. Das mag für einige stimmen. Aber sicher nicht für alle.
Ich war mal, so dachte ich, ein Tel der Gesellschaft. War aber doch nie wirklich in ihr. War immer am Rand. Galt als guter Kumpel. Mehr auch nicht. War für alle der Komische. Nun, das mag aus derer Sicht sein. Aus meiner, sind sie die Komischen. Die die ich nicht verstehe. Und doch bemühe ich mich, auch in dieser Gesellschaft meinen Beitrag zu leisten. Nicht einfach nichts tun. Einfach warten, bis mir jemand hilft. Das ist nicht mein Ding. Ich muss selbst tun. Selbst lernen. Will nicht, das ich abhängig bin von jemandem. Nun, das wollen die Muggel nicht. Sie meinen, das wir alle Hilfe brauchen. Sie basteln irgendwelche Programme zusammen, die uns ihre Lebensweise aufzwingen sollte. Die uns beibringen soll, wie sie zu denken und handeln. Zu verstehen, was Mimik und Gestiken sind. Was Emotionen sind. Nun, meine Frage? Kann ein Blinder sehen? Einer der nie gesehen hat? Nein, er weiss nichts von Farben. Er weiss nichts von Formen. Kann sie nur erahnen. Aber wie eine Farbe aussieht, weiss er nie. So ist es mit uns. Viele können das alles mit den Gestiken und Mimiken nicht. Sie sehen sie nicht. Sie werden sie nie sehen und somit auch nie verstehen. Die Muggel meinen aber, das sie uns das beibringen müssten. Das wir dann auch so werden wie sie. Nun, das würde enorm viel brauchen all die Information zu verarbeiten. Zu verstehen. Dann auch noch das Richtige erkennen. Nein. Das geht nicht. Wer aber diese Sprache nicht sprechen kann, der hat keine Platz. Die Muggel lassen nur die zu, die das können. Also sie selbst.
Ich habe das mit den Gestiken versucht. Aber nach über 3 Jahren üben, habe ich es gelassen. Ich kann es nicht. Muss mich damit abfinden, dass ich es nicht kann und nie können werde. Für mich ist das nicht schlimm. Ich kann es ja mein Leben lang nicht. Kenne nichts anderes. Und doch habe ich meinen eigenen Weg gefunden zu leben. Habe meine eigene Wohnung. Einen guten Job und eine sehr liebe Frau. All das sagen die Muggel, können wir nicht haben. Fast so, als ob sie das alleinige Recht haben, das alles zu haben. Sind sie neidisch, das wir Dinge können, die sie nicht können. Die sie nicht verstehen? Ich denke, ja, aber auch, das sie Angst vor uns haben. Sie können in uns nicht das lesen, was sie sonst können. Wer keinen Gesichtsausdruck hat und den Gegenüber nicht in die Augen schaut, der ist verdächtig. Die Muggel haben vor solchen Menschen Angst. Sie wissen es nur nicht. So kriegen wir nie einen Platz, wenn wir nicht darum kämpfen. Wenn wir nicht selbst handeln. Wenn wir denen nicht unsere Art erklären. Wobei, wieso müssen immer wir uns erklären? Ich meine auch wir sind Menschen, genau so wie die Muggel. Nur können wir Dinge, die sie können, nicht. Dafür andere. So gleicht es sich doch wieder aus.
Ich für mich habe einen Platz gefunden. Am Rand, aber ja, ich habe einen. Für mich passt das so. Denn ich will nicht zu viele Muggel um mich haben. Die stressen mich nur. Sie sprechen komisch und bewegen sich komisch. Nervös. Ich denke, das es für jeden einzelnen wichtig ist, wo er seinen Platz in der Gesellschaft sieht. Wo er hin möchte. Ich jedenfalls will nicht weiter in die Gesellschaft rein als jetzt. Ich war mal weiter drinnen. Das hat mir nicht gut getan. Zusammenbruch.
Seit ich am Rand lebe, habe ich das nicht mehr. Ich kann mich am Abend sogar erholen. Bin nicht mehr gestresst. Kann leben. Ich denke, das ist das Wichtigste, das man sich erholen kann und auch noch Zeit für sich hat und nicht immer muss.