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Dienstag, 4. November 2014

Asperger und anders sehen

Ich werde immer mal wieder gefragt, wie ich die Welt sehe. Nun, das ist nicht eifach. Denn ich weiss nicht wie die anderen die Welt sehen. Wer kann schon beschreiben, wie er die Welt sieht? Ich sehe das, was alle sehen nur anders. Alles hat eine Form. Nicht die Form, die man sieht. Sondern anders. Das zu beschreiben, ist nicht einfach. Für mich lebt alles. Nicht das sich die Dinge bewegen. Aber dennoch, sie leben. Aber nicht nur die Gegenstände, sondern auch die Menschen. Ich sehe sie nicht so, wie die meisten sie sehen. Ich sehe sie zum Teil Schemenhaft. So wie in einem Nebel. Auch sehe ich manchmal nur einen kleinen Teil dessen, was ich mit den Augen sehen könnte. Das erschwert die Orientierung. Doch ich verlasse mich nicht nur auf meine Augen, sondern vor allem auf meine Ohren. Und auf mein inneres Auge. Damit sehe ich besser. Sehe die Welt in Bildern. In meinen Bildern. Damit kann ich was anfangen. Nun, ich ging immer davon aus, das das alle haben. Können. Aber dem ist nicht so. Die Muggel sehen nur das, was sie sehen. Oder sehen wollen. Sie tun manchmal so, als ob sie einem nicht sehen. Wieso auch immer.
Wenn ich jemanden nicht beachte, nicht sehe, dann nicht aus Absicht, sondern weil ich ihn nicht wahrnehme. Nicht reagieren kann. Das ist für mich nicht das Selbe. Die Muggel verstehen nicht. Nur wenige wissen darum.
Anders sehen. Das ist eine Frage, die viele beschäftigt. Sie fragen Autisten, wie sie sehen. Nun, mit den Augen. Wenn ich den Muggel die selbe Frage stelle, können sie sie auch nicht beantworten. Wieso also sollten wir es können? Weil wir Autisten sind? Das zählt nicht. Aber es ist scheinbar so, das wir den Muggel die Welt erklären müssen, obwohl sie meinen, sie müssen es tun. Sie wollen uns ihre Sichtweise beibringen. So zu sehen, wie sie sehen. Das sehen, was sie sehen. Wieso? Ich meine, ist das besser? Ich denke nicht. Anders. Aber nicht besser.
Ich sehe manchmal fast nichts. Dies wegen dem Licht. Ich habe herausgefunden, dass ich mit zunehmendem Alter immer empfindlicher werde. Auch hängt die Empfindlichkeit mit der Stimmung zusammen. Die merke ich nicht. Aber ich registriere, dass, wenn ich schlecht drauf bin, die Augen fast nicht mehr offen halten kann. Auch mein Gehör wird dann noch empfindlicher als es so schon ist. Dagegen kann ich aber nichts tun. Ich sehe dann die Welt ganz komisch. Sie ist dann wie im Nebel. Nicht mehr da. Ich bewege mich dann durch eine Welt, die nicht mehr ist. Die nur noch als Schema da ist. Klare Sicht gibt es dann nicht mehr. Aber ich kann mich trotzdem bewegen. Einfach nicht mehr schnell. Muss mich durch die Welt tasten. Das tue ich automatisch. Denn für mich ist das ein Zustand, denn ich immer mal wieder habe. Damit lebe ich, seit ich bin.
Es gibt aber auch Tage, an denen sehe ich klar. An denen registriere ich vieles, kann sehen, kann reagieren. Das ist aber auch selten. Aber es gibt sie. Diese Tage. Das ist wie ein geistiges Erwachen. Für kurze Zeit nur. Aber immerhin. Sonst bin ich die meiste Zeit einfach so, wie ich bin. Sehe ohne zu sehen. Registriere aber nehme nicht wahr. Damit komme ich ohne Probleme zurecht. Den dies ist mein normaler Zustand. Ich kenne ihn am besten. Wenn er sich ändert, dann wird es komisch für ich und für die anderen. Aber auch damit kann ich leben. Denn es ist ein Teil von mir.
Die Welt anders sehen. Nun, jeder sieht die Welt auf seine Weise. Wieso also danach fragen. Wichtiger ist doch, das man sich einigermassen zurecht findet. Das man sein Leben so leben kann, wie man will und vermag.