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Samstag, 1. November 2014

Asperger und keine Orientierung

Die Welt ist voller Schilder und Verboten. Sie alle dienen den Muggel zur Orientierung. Nur so finden sie sich zurecht. Sie brauchen das. Sie denken nicht. Verbote entstehen, weil die Muggel nicht denken sondern einfach tun. Sie sind komisch. Nicht wir. Wir sind nicht komisch. Sondern normal. Die Muggel sind die die nicht verstehen. Sie meinen immer, das wir so sein müssen wie sie. Das wir all das mitmachen, was sie auch tun. Das wir so empfinden müssen wie sie. Sie verstehen nicht. Sie wollen mit uns sein, aber nicht mit uns. Das ist paradox. Wir sind immer die, die am Rand sind. Rumgeschoben. Nicht beachtet, was wir wollen und was wir können.
Die Muggel denken, das sie uns helfen. Nein, tun sie nicht. Sie meinen es gut. Aber sie verstehen nicht, das wir einen andere Art von Orientierung brauchen. Eine die nicht die der Muggel ist.
Ich orientiere mich an Zahlen und an Bilder die keiner sieht. Wenn ich diese nicht habe, das weiss ich nicht was tun. Da helfen Worte nichts. Denn Worte sind Worte. Keine Zahlen. Keine Bilder. Muggel können sich das nicht vorstellen. Sie wissen nicht, wie es ist, wenn man einfach nicht mehr weiss, wie sich orientieren. Wenn man nicht mehr weiss, was richtig und was falsch ist.
Meine Welt ist in meinem Kopf. Da muss es stimmen. Wenn sie aus den Fugen gerät, kann ich nichts mehr tun. Muss sie wieder ordnen. Ihr wieder eine Orientierung geben. Das ist nicht einfach. Besonders dann nicht, wenn die Aussenwelt Dinge verlangt, die ich nicht kann und nicht will. In denen ich keinen Sinn für mich sehe. Es nicht als meine Aufgabe betrachte. Das ist nicht einfach. Aber ich muss da durch. Muss das ausstehen. Nichts bleibt wie es ist. Das ist so. Zumindest ist das meine Erfahrung. Beweisen kann ich es aber nicht.
Orientierung ist etwas das jeder Mensch braucht. Die alle brauchen. Wie sonst sollte man sich im Alltag zurechtfinden? Eben. Manchmal komme ich mir vor, als ob ich der einzige bin, der sie nicht zu brauchen scheint. Dem man alles einfach geben kann, und ich werde es tun. Das ich mir dabei wie ein Herumgestossener vorkomme, das spielt scheinbar keine Rolle. Die Welt ist nur mal kein Pony-Hof. Das ist so. Aber dennoch, brauche auch ich Orientierung. Einen Sinn. Ist aus meiner Sicht alles sinnlos, dann kann ich es einfach nicht beachten. Nicht reagieren. Das wiederum irritiert die Muggel. Doch mir ist das mittlerweile egal. Sie schauen auch nur für sich. Das sie einen Platz haben. Das es für sie stimmt. Der Rest ist ihnen scheinbar egal. So verfahre ich nun auch mal. Wie das nicht von den Muggel übernehmen. Sie haben ja immer recht. Und ihr Verhalten ist das Richtige, nicht das unsrige. Vielleicht bringt das was. Mal sehen.
Orientierung ist auch Halt. Halt in einem Leben, das komisch ist. Das keine Struktur mehr zu haben scheint. Wie also die Orientierung finden? Wie etwas finden, das ich nicht sehen kann. Wenn ich etwas mit meinem geistigen Auge nicht sehen kann, wird es für mich extrem schwierig. Ich weiss dann nicht mehr was tun. Kann nicht mehr handeln. Kann nicht mehr denken. Bilder und Zahlen. Nicht Schilder und Verbote. Nicht liebe Worte und Versprechungen. Damit kann ich nichts anfangen.
Meine Rolle ist die eines geistigen Vagabunden. Mal hier mal da. Nirgends wirklich. Nur wenn ich mit meiner Frau zusammen bin, oder zu hause, dann bin ich. Sonst komme ich mir wie ein Streuner vor. Einer der rumgeschoben wird. Einer der nirgends hingehört. Der keinen Platz mehr hat. Der einfach ist und wartet, das bessere Zeiten kommen. Den Glauben daran muss ich behalten. Das ist auch noch die einzige Orientierung. Der Glaube.