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Mittwoch, 13. Januar 2016

Asperger und der Leistungsdruck

Es wird immer mehr gefordert. Immer mehr in immer kürzerer Zeit. Nun, damit haben ja nicht nur die Autisten Mühe, sondern auch die NT. Nur, wenn jeder so arbeiten würde wie er will, würde es auch nichts geben. Druck muss sein.
Ich funktioniere nur dann voll. Dann, wenn ich auf Zeit arbeiten muss. Wenn ich mich nicht in meinen Gedanken verlieren kann. Aber, ich kann das nicht oft und nicht so lange wie die NT. Das ist sicher einer der Unterschiede von uns zu ihnen. Sie können mit Leistungsdruck besser umgehen.
Ich komme so in einen Stress den ich ab und zu schon brauche. So merke ich auch, das ich bin. Das ich gebraucht werden. Wenn ich sehr viel in sehr kurzer Zeit tun muss, dann schaltet sich das ein was ich meinen Verstand nenne. Dann kann ich Dinge, die ich sonst nicht kann. Komme auch Ideen, die ich sonst nicht hätte. Nur, ich selber kann diesen Zustand nicht erzeugen. Es braucht einen Imput von Aussen. Aber es funktioniert auch nicht immer. Nur dann, wenn ich ausgeruht bin. Wenn ich genau weiss, was das Ergebnis sein soll. Einfach mal so machen, ist nicht.
Leistungsdruck, das erlebe ich immer wieder, ist für Autisten ein riesiges Problem. Es kann sein dass sie plötzlich krank werden, oder am nächsten Tag nicht mehr kommen. Die Ausreden sind dann sehr kreativ, aber es bleiben Ausreden. In einer NT-Umgebung würde so was zu einer Kündigung führen. Aber bei uns nicht. Da wird das toleriert. Im Mass, klar. Aber es ist doch so, wenn jeder ein wenig tolerant ist, hat auch so was Platz. Der Stress nimmt ab. Aber da jeder sich behaupten will. Besser sein will, führt dies doch automatisch zu einem Leistungsdruck den keiner will. Besonders die NT sind da Spezialisten drin. Sie wollen alles jetzt und das auch von den anderen. So trägt jeder Schuld und keiner ist sich dessen bewusst.
Als Autist muss ich auch mal NEIN sagen. Das es zu viel ist. Das es so nicht geht. Aber das ist selten. Nur, bei den NT hat so was keinen Platz. Wieso weiss ich auch nicht. Man kann doch sagen, wenn einem etwas zu viel wird. Wenn man nicht mehr nachkommt mit dem was man tun sollte.
Auf der anderen Seite mag ich es, Probleme auf Zeit zu lösen. Das ist besonders dann der Fall, wenn jemand nicht mehr mit seinem PC arbeiten kann. Das Problem muss sofort gelöst werden. Kann nicht warten. Das erzeugt Leistungsdruck und Stress. Aber diese Art mag ich. Wenn es den nicht zu oft passiert. Aber ab und zu, gerne.
Ich denke es kommt auch auf die Einstellung an, die man zu der Arbeit hat. Mag man sie nicht, ist alles stressig und nervig. Mag man sie, dann fällt einem auch Stress leichter. Mir jedenfalls geht es so. Ich mag meine Arbeit. Also macht es auch nichts, wenn es mal stressig wird. Ich muss niemandem etwas beweisen. Mir geht es nur darum, für mich, zu sehen wie schnell und gut ich etwas erledige. Es ist wie ein Spiel. Das klingt ein wenig krank, ist es auch. Ich teste mich selber. Will sehen wie ich unter Leistungsdruck arbeite. Was für Ideen und Lösungen ich so finden kann. Den Nutzen haben andere, ich nicht. Ich habe nur eine Information über mich. Mehr nicht. Aber das reicht mir. Mehr will ich auch nicht.
Wenn den anderen geholfen ist, reicht mir das. Sie können arbeiten und ich habe mal wieder was Spezielles getan. Wieso auch nicht? Mit dieser Einstellung ist es wesentlich einfacher zu arbeiten, als immer alles von sich zu weisen oder Ausreden zu finden, wieso man etwas nicht tun kann oder will. Das reduziert den eigenen Leistungsdruck sehr. Klar, immer alles als Spiel betrachten kann ich auch nicht. Manchmal bleibt einfach die Zeit nicht dafür. Dann wird es auch für mich stressig. Aber ich weiss, das jeder Stress auch mal ein Ende hat. Das ist dann mein Trost. So kann ich auch mit Problemen umgehen, deren Lösung ich nicht kenne. Auf Ereignisse reagieren die ich nicht vorgesehen habe. So werde ich flexibler, als ich es auch schon war. Und dies alles nur wegen dem Leistungsdruck.