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Freitag, 18. März 2016

Asperger und die Selbstwahrnehmung

Wie einem die anderen wahrnehmen, das weiss man meistens. Jedoch kann ich nicht interpretieren was sie wirklich von mir halten oder denken. Denn, sie sprechen eine Sprache, die ich nicht verstehe. Das Problem aber ist, das ich auf die Wahrnehmung anderer angewiesen bin. Sonst könnte ich ja weder arbeiten, noch hätte ich eine Frau. Jedoch ist es so, das die Wahrnehmung anderer mir gegenüber nicht mit meiner eigenen Wahrnehmung übereinstimmen muss.
Sprich, ich nehme mich völlig anders wahr, als ich wahrgenommen werde. Es kann also leicht passieren, das ich denke, dass das was ich sage oder tue gut ist, aber es leider beim Gegenüber völlig anderes rüberkommt. Der umgekehrte Fall kann sicher auch sein. In beiden Fällen hat mich als meine eigenen Selbstwahrnehmung getäuscht. Das jedoch ist für mich nicht schlimm. Denn, so denke ich, bin ich nicht der Einzige der dies kennt. Ihr sicher auch.
Es gibt für mich aber noch etwas anderes, was mit der Selbstwahrnehmung zu tun hat. Sicher selber wahrnehmen. Also den Geist und den Körper. Das wiederum gelingt mir nur, wenn ich mich stark darauf konzentriere. Wenn ich also meinen Willen brauche um mich wahrzunehmen. Das ist sehr anstrengend. Jedoch muss es sein. Denn sonst würde ich mich in meinen eigenen Gedanken verlieren und hätte keinen Bezug mehr zur Welt. Was ich ja nicht will.
Für mich stellte sich lange die Frage, wie ich mich selber wahrnehmen kann. Was muss ich dafür tun? Die Antwort ist einfach. Sport und Meditation. Beides aber nicht extrem und stundenlang. Sondern jeweils nur 10 Minuten. Aber jeden Tag. Das hilft mir sehr. Auch wenn es nicht immer einfach ist, nach einem langen Tag das auch noch zu tun, so muss ich es tun. Wenn ich es nicht tue, so verliere ich meine Selbstwahrnehmung. Es ist für mich als ein täglicher Kampf gegen mich selber.
Sicher, ich muss das nicht tun. Niemand sagt mir, das ich das tun muss. Nun, eben doch nicht ganz niemand. ICH selber sage es mir. Ich selber habe mir dies auferlegt. Und ich muss sagen, das es nach so langer Zeit, doch einiges gebracht hat. Es ist aber nicht so, das ich ganz damit zufrieden bin. Es ist, eben ein tägliches MUSS. Ausser ich bin krank oder komme wirklich sehr spät nach hause. Dann nicht.
Ich denke das ich damit auch etwas tue, was nicht nur Autisten was bringt, sondern auch NT. Denn die haben meiner Meinung nach auch keine gute Selbstwahrnehmung. Sie leben zwar immer in ihren Emotionen wie Angst, aber sie nehmen sich selber nicht wahr. Wollen sie auch nicht. Sie wissen meisten nicht was mit sich anfangen. Sprich, sie brauchen immerzu Ablenkung. Ich habe aber einen Weg gewählt, der mich bewusst zu mir selber bringt. Nicht weil ich Autist bin, sondern weil sich dies in den letzten Jahren einfach als gut für mich erwiesen hat. Gelernt habe ich das nirgends. Mir geht es auch nicht darum weiss nicht was zu werden, sondern einfach nur, damit ich eine bessere Selbstwahrnehmung kriege. Diese wiederum hilft mir, dass ich mich besser konzentrieren kann. Mehr leisten kann. Aber auch mehr vertrage. Besonders NT. Schlussendlich zielt all das darauf ab, das ich ein so normales Leben wie es nur eben geht, leben kann. Nicht, das ich NORMAL im Sinne der NT werde. Das will ich ja nicht und kann ich auch nicht.
Dennoch ist es eine interessante Erfahrung sich selber mehr und mehr wahrzunehmen. Auch zu merken, das ich bin. Das ich auch was erreichen kann, wenn ich was will und dafür auch was tue und sei es nur ein wenig Sport und meditieren. Es ist nicht viel, aber auf mich hat es ein grosse Wirkung.