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Sonntag, 6. März 2016

Asperger und sich zurückziehen

Jeder kennt das sicher. Manchmal wird einem die Welt einfach zu viel. Man muss funktionieren. Muss arbeiten. Aus manchmal Gründen die man selber nicht kennt, zieht man sich in sich zurück. Man weiss selber nicht wieso. Manchmal aber kennt man den Grund.
Mir kann das einfach so passieren. Meistens weiss ich nicht, wieso es passiert. Erst im Nachhinein finde ich den Grund heraus. Was passiert wenn ich mich zurückziehe? Bin ich dann einfach in meiner Wohnung und will niemanden sehen? Nein sicher nicht. Ich gehe meinem Alltag wie immer nach. Jedoch lasse ich einfach nichts an mich heran. Egal was von Aussen kommt, es berührt mich nicht. Lässt mich kalt. In der NT-Sprache. NT denken dann einfach nur, typisch Autist. Nein, es ist einfach eine Art Schutzfunktion. Eine Funktion die verhindert, dass ich mich wieder überfordere. Das ich wieder durchdrehe.
Es hat aber auch sein Gutes, wenn ich mich zurückziehe. Ich kann mich so erholen und die weiter Schritte planen. Kann denken und in meiner eigenen Welt leben. Auch wenn ich sprechen und arbeiten muss, so bin ich doch nicht Teil der Welt. Nur mein Körper und meine Stimme. Aber mein Geist nicht.
Es ist nicht einfach so ein Zustand zu beschreiben. Denn es ist nicht so, dass ich nichts mitbekomme. Dass ich nicht auf Fragen antworten kann. Es ist einfach die geistige Abwesenheit. Die spüren aber auch die NT. Sie sagen dann, ich sei unnahbar. Darüber musste ich viel nachdenken. Denn lange wusste ich nicht was sie meinen. Für mich ist alles wie immer. Aber scheinbar gibt es dennoch einen Unterschied. Nun, sicher ich bin froh um solche Hinweise. Jedoch ändern sie nichts an meinen Zustand. Es ist nicht so, dass er unangenehm ist. Im Gegenteil. Es ist wie wenn ich von allem befreit bin. Alles ist leicht. Nichts berührt mich. Naja, fast nicht. Ausser meiner Frau. Aber auch sie spürt diesen Zustand. Dank ihr aber, verliere ich mich nicht vollständig in meiner Welt. Das könnte sonst leicht passieren.
Doch was passiert wenn ich alleine bin? Nun, ich habe meine Methode gefunden, damit ich nicht vollständig in meiner Welt versinke. Ich höre und sehe viel Musik. Schaue mir einfach Konzerte an. Das hilft. Denn Musik ist eine meiner Brücken in die Welt. Sie ist für mich sehr wichtig. Deshalb kann ich das auch stundenlang tun. Aber auch, damit ich den Bezug zur Welt nicht verlieren. Denn ich will ja in dieser Welt sein. Auch wenn die NT oft anstrengend sind. So gehört dies für mich eben dazu. So wie ich zu der Welt gehöre. Ich nehme mir die Freiheit nicht heraus und entsage mich der Welt nur weil ich Autist bin. Ich versuche auch gegen den Zustand des Zurückziehens anzukämpfen. Denn er hemmt mich mehr, als das er mir was zurück gibt. Schliesslich will ich genau so einen normalen Alltag haben, wie alle anderen auch. Nur, in so einem Zustand brauche ich Toleranz und Verständnis. Es ist nicht so, dass ich das extra tue. Der Zustand ist einfach plötzlich da. Jedoch so wie er kommt, so geht er auch wieder. Kontrollieren kann ich ihn nicht. Was auch gut so ist.
Sich zurückziehen ist für mich mehr ein Problem als ein Segen. Auch wenn ich in dieser Zeit vieles anderes tun kann, so kann ich dann eines nicht. Leben. Und ich denke, dafür lohnt es sich zu kämpfen. Um zu leben. Normal zu leben. Aber nicht ein Normaler zu sein.