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Montag, 23. Mai 2016

Asperger und wie man Autist wird

Der Titel mag einigen komisch erscheinen. Denn man ist ja Autist oder eben nicht. Man kann Autist nicht werden. Oder doch?
Nun, ich war kein Autist. Wusste nicht einmal was das ist. Bis zu meinem 35 Lebensjahr war mir dieser Begriff unbekannt. Asperger sowieso. Das musste ich googeln. Naja, aber ich wusste schon immer, das ich nicht so bin wie die anderen. Das ich mich für andere Dinge interessiere. Das ich Dinge konnte, die keiner sonst konnte. Nur, auf die Idee, das ich Autist bin, ist keiner gekommen. Also ging ich einfach als komischer Kauz durch mein Leben. Als NT der einfach nirgends reinpasste.
Bis zu einem Treffen mit einer jungen Psychologin. Die hat mich auf die Idee gebracht, wieso ich so bin, wie ich bin. Sie sagte mir ich sei Asperger. So begann alles. So wurde ich Autist. Nur, das war dann doch nicht so einfach wie ich dachte. Einfach sein, wie ich bin. Wer weiss schon, wie er ist? Wer kann einfach so damit leben Autist zu sein. Ich meine, das war eine Erleichterung, sicher. Aber auch ein Rausfallen aus allem gewohnten. Ich gehörte nicht mehr dazu. War also ein Behinderter. Von einem Moment auf den anderen. War das schlimm? Sicher ja und auch nein. Aber ich denke ich brauche euch darüber nichts zu schreiben. Viele kennen das ja selber nur zu gut.
Jedenfalls kann man also Autist werden. Nicht weil ich wollte, sondern weil ich plötzlich als so einen definiert wurde. NT haben mich so definiert. Die Frage ich doch, bin ich aus meiner Sicht einer? Ja, bin ich. Heute kann ich das sagen. Nach all den Jahren in denen ich mit Autisten arbeite erkenne ich mich immer wieder. Ich sehe auch den grossen Unterschied zu den NT. Auch wenn ich diesen zu Beginn nicht wahrhaben wollte, so ist der eben doch da.
Wie auch immer. Autist wird man heute einfacher als damals. Heute haben viel mehr Menschen Wissen darum. Er ist bekannter als damals. Der Autismus. Manchmal denke ich, das die Diagnose heute auch leichter vergeben wird. Aber da kann ich mich auch irren. Wie auch immer. Autist wird man durch die NT. Selten habe ich es erlebt, das sich einer diese Diagnose selber gestellt hat und sie auch bestätigt wurde. Wer will das schon sein? Autist? Ich meine, bringt einem so eine Diagnose Vorteile? Oder nur Nachteile?
Mir hat sie nur Vorteile gebracht. Auch wenn ich aus der Sicht der NT viele Nachteile habe. So habe ich sie aus meiner Sicht nicht. Ich versuche das Ganze eben positiv zu sehen. Versuche so gut ich kann, mein Leben zu leben. Mit meiner geliebten Frau zusammen. Sie hilft mir da sehr. Zum Autisten hat sie mich noch nie gemacht. Sie ist mit mir zusammen, weil ich so bin wie ich bin. Da spielt die Diagnose keine Rolle. Sollte sie auch nicht. Sonst hält so eine Beziehung eh nicht lange.
Autist, so die Theorie ist man von Geburt an. Man kann es also nicht werden. Man ist es. Ob man will oder nicht. Die Frage ist nur, ob er entdeckt wird. Der Autismus. Oder ob man einfach ein Leben lang leidet. Viele leiden ja, weil sie nichts davon wissen. Andere leiden weil sie es wissen.
Ich leide seit ich es weiss nicht mehr. Den ich habe gelernt damit zu leben. Mit meinen Einschränkungen zu leben. Tönt toll nicht? So einfach war es dann eben doch nicht. Aber das ist ein anderes Thema.
Wenn man Autist wird. Sprich die Diagnose erhält, muss man sehr viele über sich und die Umwelt lernen. Sie studieren. Sich studieren. Das dauert eben seine Zeit. Aber ich denke, dass sich das sehr lohnt. Denn so wird das Leben und der Umgang mit anderen Menschen einfacher. Man ist so nicht einfach der Komische, sondern ein Teil der Welt. Wenn ich auch sagen muss, ein Teil. Damit meine ich, nicht ganz. Nicht so wie die NT. Ich bin immer zum grössten Teil in meiner eigenen Welt. Das macht den Alltag anstrengend. Aber auf der anderen Seite bereichert er auch meine eigene Welt. So lerne ich jeden Tag etwas. Und sei es noch so wenig.