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Samstag, 1. Oktober 2016

Asperger und Depressionen

Depressionen. Ein Wort. Doch was es bedeutet, dass können nur diejenigen beschreiben, die mal eine hatten. Die wissen, was es bedeutet, wenn man meint, dass die ganze Welt gegen einem ist. Wenn man nicht mehr kann. Nicht mehr mag. Nichts mehr weiss. All das gehört dazu.
Nun, ich kenne sie, die Depression. 6 Jahre ist es nun schon her. Doch vergessen werde ich das sicher nicht mehr. In dem Moment, dachte ich, dass alles vorbei ist. Das ich niemals mehr ein normales Leben haben werde. Das ich niemals mehr arbeiten kann. Eine Beziehung haben. Das war damals.
Heute jedoch habe ich erkannt, dass sie mir mehr Nutzen als Schaden gebracht hat. Ich habe in all den Jahren danach ein neues Leben aufgebaut. Eines das mit dem Leben, welches ich zuvor hatte, nicht zu vergleicht ist.
Was ist der Unterschied? Nun, sicher die Diagnose Asperger. Aber auch, was ich ertragen kann und was nicht. Was mir schadet und was nicht. Was es heisst, nicht mehr sich selber zu sein. Auf anders angewiesen zu sein.
Ich denke, dass Autisten schneller einer Depression bekommen können als NT. Dies einfach deshalb, weil wir ein Leben in einer komischen Welt führen müssen. Weil wir nicht die Filter haben, die die NT haben. Weil wir nicht so viel von dem verstehen was NT tun. Weil wir eine andere Sprache sprechen. Kurz gesagt, weil das Leben zu anstrengend ist. Da kann es also leicht passieren, das man depressiv wird.
Nur, wie kam ich da wieder raus. Reinkommen ist leicht. Aber raus? Nun, sicher mit Ruhe und Klinik. Das ist das Eine. Aber auch mit Medis. Sprich Psychopharmaka. Diese sind verschrien, ich weiss. Aber sie haben mir damals sehr geholfen. Nach einem Jahr, war ich sie wieder los. Heute brauche ich sie nicht mehr. Gut so. Aber für damals war es ok. Sie haben mir ermöglicht, dass ich langsam aber sicher wieder denken konnte. Dass ich langsam aber sicher wieder leben konnte.
Das Problem dabei ist, dass sie mich in einen Zustand versetzt haben, der sehr angenehm war. Aber nicht real. Also musste ich sie absetzen. Das andere war der Sport. Ich begann wieder Sport zu treiben. Nicht viel und nicht lang. Aber jeden Tag. Bis heute tue ich das. Mir bringts was.
Ich habe so einen anderen Bezug zu mir und meinem Körper. Ich weiss auch, dass viele Autisten keine Sport treiben. Ist halt was tun und Bewegung. Raus gehen und so. Tue ich auch nicht. Sondern ich mache den Sport zu Hause. Das ist besser, als in die Welt der NT zu gehen. Klar, es erfordert Eines. Disziplin. Diese kann man sich aneignen. Einfach indem ich jeden Tag was tue. So muss ich nicht nachdenken sondern tue es einfach.
Depressionen. Naja, auch NT können sie haben. Viele haben eine und wissen es nicht. Das Selbe bei den Autisten. Ich sehe sie nicht als Niederlage, sondern als Gewinn. Klar, ich kann da schreiben. Habe sie ja überwunden. Sicher. Doch nur Dank dem, kann ich dies schreiben. Es bringt auch nicht, wenn man meint, mit einem eisernen Willen kann sie verhindert werden. Oder besiegt. Nein, sie kommt. Sie geht. Es braucht einfach eines besonders. Zeit. Verständnis. Mehr nicht. Medis und Sport sind einfach ein Teil, aber nicht das Wichtigst. Sie sind bloss Hilfsmittel die helfen nicht völlig abzustürzen.
Naja, heute unternehme ich alles, damit dies nicht noch mal passiert. Bis jetzt ist es mir gelungen. Klar habe auch ich mal meine Tiefs. Aber nicht mehr so, wie damals.
Wichtig dafür ist auch das Umfeld. Die Arbeit. Meine geliebte Frau hilft mir immer mal wieder aus einem kleinem Tief. Einfach indem sie da ist für mich. Indem sie mir auch zeigt, dass nicht alles so schlimm ist wie ich manchmal denke. Denn eines habe ich besonders gelernt. Auch mal auf andere zu hören. Sicher nicht dauernd, aber ab und zu. Das bringt und hilft mir viel.
Depressionen sind unangenehm aber auch angenehm. Man lebt in einer Welt die auf und ab geht. Sicher. Aber ich erlebte ist als Abstand zu der Welt da draussen. Als eine eigene Sache. Genau beschreiben kann ich sie nicht. Dafür muss man sie selber erleben. Jedoch ist es besser, diese Erfahrung nicht machen zu müssen oder dürfen. Jeder kann froh sein, wenn er sie nicht erleben muss.
Kurz. Ob Autist oder NT, Es kann jeden treffen. Nur ist sie immer noch ein Tabuthema. Denn wer zugibt, mal eine gehabt zu haben. Inkl. Klinik. Der wird nicht mehr ernst genommen. Dem traut man nicht mehr so viel zu. Das stimmt eben nicht. Ich denke, das solche Menschen, die eine Depression hatten bewusster leben. Aber auch selbstbewusster sind. Denn sie wissen mehr über sich, als ein normaler Mensch über sich.
Aber eben, erleben muss man das nicht. Darauf sollte man echt verzichten können.