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Freitag, 4. Januar 2013

Asperger und die Ehe

Eine Ehe ist noch einmal etwas ganz anders, als einfach eine Freundschaft. Man hat sich das Versprechen gegeben, sich in Guten wie in Schlechten Zeiten beizustehen. Doch was passiert, wenn eines plötzlich die Diagnose Asperger erhält? Sind das nun gute oder schlechte Nachrichten? Ich denke, sowohl als auch. Für den Betroffenen sicher gute, da er für sein Wesen einen Namen hat, für den PartnerIn schlechte. Autismus ist ja nicht allen wirklich ein Begriff. Zudem wird viel darüber geschrieben, was meiner Meinung nach, alle nur noch schlimmer macht. Denn wir sind nicht anders als die anderen, nur eben anders.
Der Mensch, welchen man geheiratet hat, ist ja nach der Diagnose immer noch der selbe. Nur das man jetzt weiss, was Sache ist. Man kann gezielt auf die Eigenarten eingehen. Oder man versteht sie besser, wieso der andere so handelt. Das gilt übrigens für beide Seiten. Nicht nur für NT's. Nein, auch für uns. Wir müssen uns auch damit auseinandersetzten, wie die anderen ticken. Für eine funktionierende Partnerschaft, braucht es immer zwei. Es kann nicht nur an einem der beiden liegen.
Etwas anderes, ist es, wenn die Diagnose schon vor der Beziehung bekannt ist. Das macht es meiner Erfahrung nach einfacher. Ich habe gelernt damit zu leben und auch dazu zu stehen. Ich konnte es damals meiner jetzigen Frau einfach sagen. Ohne, das das ich mich schämen musste. Sie hat mich aber so akzeptiert wie ich bin. Heute, bin ich, wie geschrieben, glücklich mit ihr verheiratet. Trotz Asperger.
Asperger macht nur einen Teil der Persönlichkeit des Menschen aus. Sicher nicht alles. Es kann auch nicht einfach alles dem Asperger zugeschrieben werden. Oder ihm die Schuld für ein Verhalten gegeben werden. Das wäre meiner Meinung nach falsch. Der Mensch und sein Wesen stehen immer noch über dem Asperger.
Jedoch ist die Diagnose Asperger in einer Ehe nicht negativ zu sehen. Sie zeigt einfach, was wir nicht können. Dies macht uns aber nicht zu schlechteren Menschen. Jeder hat seinen Schwächen. Wir haben einfach einen Namen dafür. Mehr nicht.
Unsere Hauptschwäche ist die Kommunikation. Das ist sicher etwas, was den PartnerIn stressen kann. Denn wir können nicht so kommunizieren, wie NT's. Jedoch, wenn man weiss, wie wir ticken, sind Gespräche ohne Probleme möglich.
Ist unsere Sprache auch manchmal sehr direkt, so ist es sicher nicht böse oder arrogant gemeint. Für uns ist die Information wichtiger als die Wortwahl. Wissen wir nicht mehr weiter, so kann die Sprache sehr direkt und für NT's verletzend wirken. Dies ist aber nicht Absicht. Nein, im Gegenteil. Es ist eigentlich nichts anderes als, nicht mehr wissen wie sagen. Das ist das Schwierigste. Es so zu sagen, das es den anderen nicht verletzt. Es passiert leicht, dass aber genau das passiert. Der PartnerIn sollte solche Dinge nicht persönlich nehmen. Es ist mehr die eigene Unfähigkeit, etwas so zu sagen wie man es will.
Eine Ehe lebt vom Reden miteinander. Vom Austausch der Gefühle und vom gegenseitigen Wahrnehmen. Das sind Dinge, welche für uns nicht so einfach sind. Jedoch gilt auch da: Übung macht den Meister. Wir müssen uns mehr anstrengen, dass wir es einigermassen hinkriegen. Aber es geht bis zu einem gewissen Grad schon. Man muss nur wollen. Es setzt aber auch voraus, das der PartnerIn uns auf "Kommunikationsfehler" hinweisst, und wir sie auch als solche erkennen, und daraus lernen.
Meine Frau macht genau das. Und dafür bin ich ihr immer wieder dankbar. Denn sie geht auf mich ein, und weiss mich auch manchmal auf mein Verhalten hin. Nun, ich lerne daraus, und versuche es beim nächsten Mal zu vermeiden.
Ehe ist Arbeit. Das stimmt. Mit einem Asperger noch ein wenig mehr. Aber ich denke, es ist eine Arbeit, die sich mit der Zeit lohnt. Denn auch wir sind Menschen, die geliebt werden wollen, und auch lieben können. Was wir einfach brauchen, ist Verständnis und Geduld.