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Mittwoch, 20. Februar 2013

Asperger und das gelobt werden

Lob ist etwas, was der Mensch gerne bekommt. Es ist die Bestätigung für sein Tun, seine Arbeit. Er braucht es, damit er weitermacht, und sich auf eine Art auch wichtig vorkommt. Nicht nur wichtig, sondern auch gut. Kriegen Menschen nur wenig oder kein Lob, so beginnen sie mit der Zeit, sich zurückzuziehen und nur noch das Minimum zu machen. Dies ist besonders auf Arbeit zu beobachten. Mitarbeiter, welche regelmässig Lob bekommen, arbeiten einfach besser un gewissenhafter. Es ist so was wie ein heimlicher Antrieb.
Asperger, dass erlebe ich immer wieder, kann ich so viel loben wie ich will. Ihnen ist es meistens egal. Sie wollen nur ihre Aufgaben erledigen, und sich wieder um ihr eigenes Ding kümmern können. Lob spielt für sie nicht so eine grosse Rolle. Dies sicher auch, weil sie nicht begreifen, was es eigentlich bedeutet. Lob ist nicht nur Lob. Sondern auch eine Bestätigung für das Geleistete. Dafür das sie als Person dem entsprechen, was von ihnen erwartet wird. Nicht bloss, das die Arbeit gut gemacht wurde.
Ich kenne das auch von mir selber. Lob bringt bei mir nichts. Ich reagiere auch nicht darauf, obwohl ich weiss, was es bedeutet. Ich empfinde auch nichts dabei. Mir ist es egal. Was ich aber mache, ist mich selber loben. Das klingt für viele dann als überheblich, ist es aber nicht. Denn nur das Lob von mir kann ich akzeptieren. Ich weiss selber, wenn ich etwas gut gemacht habe, und wenn eben nicht.
Das ist wider der menschlichen Natur. Aber es ist mal wieder typisch Asperger. Wir sind doch nicht so gleich, wie viele immer denken. Auch wenn wir sprechen und uns selbstständig durch die Welt bewegen können, heisst das nicht, das wir gleich sind.
Viel die nicht wissen, wie wir sind, meinen immer, dass man ja nichts merkt oder sieht. Nun, merken tun sie es dann, wenn sie loben. Dann kommt meistens nur ein JA zurück. Mehr nicht. Das JA ist nur die Bestätigung, das die Information angekommen ist. Mehr auch nicht. Genau soviel bedeute es uns. Nichts.
Ich lobe meine Mitarbeiter immer und immer wieder. Ich weiss, dass es nicht viel bringt. Jedoch bin ich der Meinung, dass das einfach zur Arbeit gehört. Irgendwann wird sicher mal einer reagieren, und sich bedanken. Werde ich gelobt, so bedanke ich mich einfach. Weil ich es so gelernt habe. Ich denke mir aber nichts dabei.
Lob ist für uns also im Grunde genommen nur eine Information, dass die Arbeit gut erledigt wurde. Alles andere kommt nicht an. Es verschwindet einfach im Realitätsfilter. Das verstehen die NT's häufig nicht, dass wir so eine Art Filter haben. Wir hören und sehen die Welt, aber es kommt nur ein ganz kleiner Teil zu uns durch. Das ist nicht schlimm. Wir leben ja seit Geburt damit. Aber es erschwert den Umgang mit den Anderen. Sie denken und handeln anders als wir.
Ich lobe auch NT's. Denn ich weiss ja wieso. Sie reagieren prompt darauf. Es ist immer wieder spannend zu beobachten, wie sie reagieren. Ich wünsche mir machmal, dass ich das auch könnte. Aber dann sage ich mir, dass ich dafür andere Dinge kann, die sie nicht können. So hat jeder seine Stärken und Schwächen. Das ist es doch schlussendlich, was denn Menschen ausmacht. Und nicht, ob er Asperger oder sonst was ist. Bloss der Mensch und seine Eigenheiten ist es, was wirklich zählt.